Software prüft Bonus-Programme

Wie Chefs gezielt motivieren

11. April 2012
Von Kolja Kröger
Anreizsysteme setzen oft am falschen Punkt an. Ein neues Tool von Hannoveraner Forschern hilft beim Suchen nach geeigneten Leistungskennzahlen für Belohnungen.
Mehr Geld vom Chef steigert die Motivation meist nur kuzrfristig.
Mehr Geld vom Chef steigert die Motivation meist nur kuzrfristig.
Foto: Joachim Wendler/Fotolia.de

Den Mitarbeiter des Monats küren oder die schnellste Truppe von der Nachtschicht? Anreizsysteme, um Mitarbeiter zu mehr Leistung anzuspornen, gibt es viele. Wissenschaftler aus Hannover haben jetzt eine Open-Source-Software entwickelt, mit der produzierende Unternehmen ihre Motivationsprogramme zielgenauer steuern können sollen. Validiert haben die Wissenschaftler um den Ingenieur Jens Knigge ihre Ergebnisse auch - mit Schokolade.

Entstanden ist die Software "SoConAu" am Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) und dem Hannoveraner Uni-Institut für Fabrikanlagen und Logistik. Bevor Knigge das Programm baute, ließ er Mitarbeiter von Partner-Firmen des Projekts befragen, zum Beispiel im Werkzeugbau. Seine Erkenntnis: "Der klassische Motivator ist Geld", sagt Knigge. "Aber er wirkt nur sehr kurzfristig." Hingegen seien Anerkennung, eine offene Unternehmenskultur und Events, die die Gemeinschaft stärken, viel langfristieger motivierend."

Stellschrauben: Termintreue und Lagerbestände

Termintreue, kurze Durchlaufzeiten, eine hohe Auslastung und niedrige Bestände - das sind die Stellschrauben, an denen produzierende Unternehmen für ihren Geschäftserfolg drehen. Anreizsysteme für die Mitarbeiter, zum Beispiel über zusätzliche Urlaubstage, setzen aber meistens nicht gezielt dort an. Sie beziehen sich in der Regel auf die generelle Produktivität der Belegschaft.

Doch es geht auch zielgenauer: Als Beispiel nennt Knigge, wie ein Industriepartner des Projekts die Mitarbeiter dazu bringen wollte, mehrere Maschinen gleichzeitig zu bedienen - also die eine Maschine laufen lassen, während sie die andere rüsten. Viele Kollegen waren dagegen; doch fanden die Wissenschaftler mit der Firma einen Weg: Sie verknüpften die Zahl der bearbeiteten Aufträge direkt mit einem Anreizsystem. So ließen sich die Kollegen eher dazu motivieren, eine Maschine zu laden, während die andere selbstständig ihren Dienst tat.

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