Vernetze Unternehmen

Wie CIOs das Silodenken aufbrechen

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Für Forrester kommt IT-Chefs die zentrale Rolle zu, die Zusammenarbeit in übergreifenden Teams voranzutreiben und näher an die Kunden heranzurücken.

Die Ära der digitalen Transformation ist ausgerufen. Ein Wandel steht also an, aber wo führt er hin? Die Antwort mag sich in diversen Formulierungen ausdrücken lassen, eine davon lautet in jedem Fall "Connected Business". Hinter dieser nächsten Zweiwort-Begrifflichkeit, ohne die die IT nicht sein kann, verbirgt sich laut Forrester Researchein "neuer Stil, Geschäfte zu machen". Was das konkret bedeutet und welcheRolle der CIORolle der CIO dabei spielt, führt Forrester-Analyst Dan BielerDan Bieler in einer aktuellen Studie aus. Profil von Dan Bieler im CIO-Netzwerk Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

4 strategische Aufgabenfelder

"Die Verantwortung für die Umgestaltung eines Unternehmens in ein Connected Business trägt letztlich der CEO, aber der CIO spielt auch eine zentrale Rolle", erläutert Bieler. "CIOs werden verantwortlich für die Bereitstellung technologischer Lösungen sein, die beim Aufbrechen von Silos helfen, die Zusammenarbeit in abteilungsübergreifenden Teams vorantreiben, das End-to-End-Kundenerlebnis verbessern und eine engere Verbindung mit den Kunden ermöglichen."

Forrester-Analyst Dan Bieler: "CIOs werden verantwortlich für die Bereitstellung technologischer Lösungen sein, die beim Aufbrechen von Silos helfen."
Forrester-Analyst Dan Bieler: "CIOs werden verantwortlich für die Bereitstellung technologischer Lösungen sein, die beim Aufbrechen von Silos helfen."
Foto: Forrester

Um dabei erfolgreich zu sein, müssen CIOs nach Forrester-Analyse aber über die Technologie hinausgehen und die organisatorische und kulturelle Transformation unterstützen. Zu befolgen seien strategische Aufgaben auf vier Ebenen der Transformation: Kultur, Organisation, Abteilung und Umwelt.

Selbstverständlich finden die Leser in der Forrester-Studie für jede dieser Ebenen genaue Empfehlungen. Zur ersten Einordnung der genannten Dimensionen nennt Bieler aber jeweils ein Evaluationskriterium, das die grundsätzliche Richtung der Transformation anzeigt.

Für die Kultur ist dies das Online-Verhalten. Als Faustformel gilt: Im Connected Business gibt es die Tendenz, möglichst viele Menschen in die Online-Kommunikation einzubinden. Kriterium auf der Organisationsebene ist die strukturelle Rigidität - Agilität und Offenheit ersetzen verknöcherte Prozesse und funktionelle Silos. In der Abteilung herrschen bestenfalls flache Hierarchien vor statt Anweisung und Kontrolle. Im Ökosystem sind APIs (Application Programming Interface) und Standards offen statt proprietär. Je mehr diese Kriterien gelten, umso einfacher stellt sich der Weg zum Connected Business dar.

Abteilungen zusammenwürfeln hilft nicht

Um die Problematik eines Denkens in Silos zu unterstreichen, zitiert Bieler Freddie McMahon vom Anbieter Fusion Experience. "CIOs haben Siloismus und Segregation", lautet dessen wenig schmeichelhaftes Verdikt. "Sie haben das Unconnected Enterprise geschaffen." Wie Bieler meint, befördert das Silodenken auch politisches, machtorientiertes Handeln der Führungskräfte. Es sei aber kein Ausweg, einfach Abteilungen zusammenzuschmeißen wie etwa Marketing und Technologie-Management. Stattdessen müssten die einzelnen Abteilungen spezifische Aufgaben erhalten und sich anhand maßgeschneiderter KPIs messen lassen.

Der Wandel ist ein Top-Down-Prozess

Im Übrigen sei kultureller Wandel ein Top-Down-Prozess, der von der Unterstützung durch den Vorstandsvorsitzenden, durch den Aufsichtsrat und letztlich durch die Anteilseigner abhänge. Als positives Beispiel dafür nennt Forrester Philips. Dort hätten CIO und CSO Pläne für eine Transformationsstrategie entwickelt, was letztlich zu einer Neuformulierung der gesamten Unternehmensstrategie auf oberster Management-Ebene führte.

Interdisziplinäre Teams bilden

Die Umgestaltung auf organisatorischer Ebene muss sich laut Studie auf Collaboration fokussieren. Forrester empfiehlt die Ernennung eines zentralen Transformationsteams, das als Kommandozentrale agiert, und die Formierung interdisziplinärer Teams als Rückgrat für digitale Vorhaben.

Warum die Entwicklung globaler Plattformen zur Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen wichtig ist, illustriert die Studie mit einem anschaulichen Beispiel. Bei einem US-Blumengroßhändler starteten Marketing und Sales eine Muttertagskampagne - ohne zu wissen, dass die ahnungslose IT-Abteilung gleichzeitig mit aufwändigen Upgrades beschäftigt war. Die Registrierung von Bestellungen und Zahlungen funktionierte deshalb nicht reibungslos, was zu einem Verlust im siebenstelligen Bereich führte.

IT braucht Management-Skills

Auf der Abteilungsebene sind laut Bieler eine ganze Reihe von Anpassungen nötig, um fit fürs Connected Business zu werden. Die Personalabteilung etwa müsse den Anreizrahmen verändern und sich überdies aufs Knowledge Management fokussieren. "Die IT-Abteilung unterhalb der CIO-Ebene wird dafür nicht nur technologische Expertise, sondern auch Projekt- und Vendor-Management-Skills beisteuern müssen", konstatiert der Forrester-Analyst.

Die Produktentwicklung folge künftig "Customer Journeys", so Bieler weiter. Was mit diesen Kundenbewegungen gemeint ist, erläutert der Analyst abermals am Beispiel Philips. Dort basiere die Strategie auf der Ansicht, dass alle Produkte auch auf breiterer Basis Mehrwert abwerfen können. So dienen die Healthcare-Produkte auch als Blaupause für den Consumer Lifestyle-Bereich, mit Beispielen wie Luftreinigung oder vernetzte Lichtlösungen. Ein weiteres Element der Entwicklung auf Abteilungsebene ist laut Forrester Research, dass der CFO die Zügel bei der Ausgabensteuerung weiter anziehen dürfte.

Vier Ebenen hat der Wandel zum Connected Business laut Forrester.
Vier Ebenen hat der Wandel zum Connected Business laut Forrester.
Foto: Forrester Research

Ökosysteme sind nach Bieler Einschätzung ein weiterer Baustein für die vernetzte Ökonomie und Gesellschaft. Für Firmen bedeute, dass sich das Teilen von Daten und APIs anbiete. Man benötige eine zentrale Perspektive auf den Kunden. Zudem sollten Prozesse mit externen Partnern integriert werden, um die Reichweite zu erhöhen. Dazu ein letztes Mal das Beispiel Philips: Dort tüftelt man einem Magnetresosanz-Bildgebungsverfahren, das auf einer 3D-Gaming-Software von Amazon.com basiert.

"Alle CIOs wollen eine stabile, sichere und kosten-effektive technologische Infrastruktur bereitstellen", konstatiert Bieler. "Der CIOs des Connected Business agiert aber in erster Linie als Treiber von Business-Innovationen."