IT-Projekte besetzen

Wie CIOs den Fachkräftemangel weitergeben

03. Dezember 2015
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Unternehmen professionalisieren ihre IT-Sourcing-Strategie – das heißt, sie lagern den Fachkräftemangel an externe Dienstleister aus. Das beobachtet jedenfalls der Marktforscher Lünendonk.
Laut Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk, vergeben Anwenderunternehmen „immer größere Auftragspakete im Umfeld von Digitalisierungsstrategien an externe IT-Dienstleister“.
Laut Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk, vergeben Anwenderunternehmen „immer größere Auftragspakete im Umfeld von Digitalisierungsstrategien an externe IT-Dienstleister“.
Foto: Lünendonk

Die Nachfrage nach IT-Services habe dieses Jahr einen neuen Höhepunkt erreicht, schreibt der Marktforscher Lünendonk aus Mindelheim in seiner Studie "RecruitingRecruiting für die digitale Transformation". Bedingt durch den digitalen Wandel hätten Unternehmen viel in IT-Projekte investiert. Im gleichen Atemzug spricht Lünendonk vom FachkräftemangelFachkräftemangel. Der Studie liegen Angaben von rund 100 Dienstleistern und 37 CIOs zugrunde. Alles zu Fachkräftemangel auf CIO.de Alles zu Recruiting auf CIO.de

Kein neues Thema. Große Konzerne wie auch Mittelständler hätten denn auch in den letzten Jahren "ihre Sourcing- und Rekrutierungsstrategien überarbeitet und professionalisiert", wie Lünendonk bescheinigt. Konkret heißt das: Sie geben den Druck, IT-Projekte zu besetzen, an externe Dienstleister weiter. Diese wiederum kontaktieren Personaldienstleister. Rund zwei Drittel der führenden IT-Serviceprovider arbeiten laut Lünendonk mit Personaldienstleistern zusammen, um freie IT-Experten an Land zu ziehen. Die Marktforscher rechnen damit, dass dieser Anteil noch zunimmt.

Recruiting von IT-Fachkräften "schwierig" bis "sehr schwierig"

So bezeichnen denn auch 79 Prozent der befragten Provider das Recruiting von IT-Fachkräften als "schwierig" bis "sehr schwierig". Unter ihren Kunden sind es "nur" 61 Prozent. Als Folge dessen sprechen 65 Prozent der Dienstleister von "großen" bis "sehr großen Problemen" für ihren Geschäftserfolg beziehungsweise die Leistungserbringung. Von den CIOs erklären das mit 32 Prozent deutlich weniger.

Lünendonk wollte wissen, wie die IT-Dienstleister vorgehen. Die klassische Ausschreibung offener Stellen scheint der Königsweg zu sein: 71 Prozent schreiben immer aus, weitere 24 Prozent häufig. 62 Prozent suchen intern über ihre Website immer oder oft nach geeigneten Spezialisten. Ebenso viele wenden sich an Staffing-Agenturen. Bei 60 Prozent werden die bestehenden Berater stärker ausgelastet.

Mehr als jeder zweite IT-Dienstleister (52 Prozent) beauftragt andere IT-Serviceprovider als Sub-Unternehmer. Eine Minderheit von 19 Prozent kontaktiert die Freelancer direkt.

Lünendonk erwartet eine weitere Anspannung des Marktes. Es zeichne sich ab, dass Anwenderunternehmen "immer größere Auftragspakete im Umfeld von Digitalisierungsstrategien an externe IT-Dienstleister vergeben", erklärt Mario ZillmannMario Zillmann, Leiter Professional Services bei dem Marktforscher. Profil von Mario Zillmann im CIO-Netzwerk

Scheinselbstständigkeit und Rentenversicherung

Wie der Bremer Rechtsanwalt Benno Grunewald betont, spielen Aspekte wie Scheinselbständigkeit und Rentenversicherungspflicht in dieses Thema hinein. CIOs, die IT-Dienstleister beauftragen, entlasten sich auch davon. "In der 'klassischen' Situation hat der IT-Freelancer mit seinem Auftraggeber, einer Personalberatung, einen Vertrag, ist aber für einen Dritten, den Endkunden, tätig. Zwischen dem IT-Freelancer und dem Endkunden bestehen keine rechtlichen Verbindungen", erklärt Grunewald. Im Falle einer Überprüfung durch die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRB) habe der Endkunde nichts zu befürchten.

Lünendonk schreibt, mit den Ressourcen des deutschen Fachkräftemarktes werde sich die "Herausforderung der Projektbesetzung" nicht lösen lassen. Denn die Ziele der befragten IT-Serviceprovider sind hoch: im Schnitt wollen sie 2016 eine Umsatzsteigerung von zehn Prozent erreichen.

Die Unternehmen müssten also häufiger als bisher alternative Rekrutierungs- und Sourcing-Strategien entwickeln, so die Marktforscher weiter. Dazu gehöre beispielsweise das Anwerben von IT-Fachkräften aus dem Ausland oder die Verlagerung von Aufgaben über Ländergrenzen hinweg. Schwierigkeiten aufgrund kultureller Unterschiede und Sprachbarrieren will Lünendonk dabei nicht wegdiskutieren.