Glücksmanager Paul Dolan im Interview

Wie das Glück bei uns bleibt

20. Januar 2014
Von Thorsten Firlus-Emmrich
Einen Stift zwischen die Zähne stecken und grinsen ist albern, macht aber auch glücklich. Paul Dolan, Verhaltensforscher der London School of Economics erklärt, wie man sonst noch glücklich wird und vor allem bleibt.
Dr. Paul Dolan
Dr. Paul Dolan
Foto: Dr. Paul Dolan

Herr Dolan, was ist Glück?

Bevor ich die Frage beantworte, lassen Sie mich Erkenntnisse aus unseren Untersuchungen mitteilen. Die Spanne, in der im Schnitt eine Ehe glücklich ist, beträgt fünf Jahre. Mein Rat: Verschieben Sie den Zeitpunkt der Hochzeit, dann sind Sie länger ein glückliches Paar. Oder dies: Reich sein hilft! Die unzufriedensten Menschen sind übrigens männlich, weiß und Mitte 40. Exakt wie ich. Übrigens: Auch Affen haben eine Midlife-Crisis.

Danke, das ist sehr hilfreich.

Ein Schlüssel zu Zufriedenheit besteht darin, die Erwartungen zu senken. Alles, was darüber hinausgeht, macht Sie glücklich. Ich hoffe, es ist mir gelungen, Ihre Erwartungen an das Gespräch zu senken.

Nicht genug. Ich frag noch mal: Was ist Glück?

Das ist die große Frage. Wir verwenden oft eher den Begriff des "subjektiven Wohlbefindens", verwendet als "Happiness". Es geht bei Umfragen über das Gefühl von Glück im Grunde immer um die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Gerne gemessen auf einer Skala von 1 bis 10, und meist beantwortet der Einzelne damit die Frage nach dem Gleichgewicht von angenehmen und unangenehmen Dingen im Leben. Im Gegensatz dazu steht das Erlebnis von Zufriedenheit. Sprich, wie wohl fühle ich mich, wenn ich Dinge tue wie fernsehen oder spazieren gehen.

Das klingt ein wenig abstrakt.

Ich habe ein Beispiel. Vor Kurzem traf ich mich mit einer Freundin, die bei der BBC arbeitet. Den ganzen Abend schimpfte sie. Über den Weg zur Arbeit, den Chef, die Kollegen, die Inhalte ihrer Arbeit. Sie hat richtig Dampf abgelassen. Gegen Ende des Gespräches sagte sie dann: "I love working for the BBC!" Sie meinte das ganz ernst. Trotz der täglichen Ärgernisse hatte sie ein positives Bild ihres Tuns und war glücklich.

Wie funktioniert das?

Wenn es über die Annehmlichkeiten des Lebens hinausgeht, dann benötigen wir für das Gefühl von Glück und Zufriedenheit die Begriffe "Purpose" und "Pointlessness". In etwa Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit. Das betrifft besonders die Arbeit, bei der wir Zufriedenheit oft aus Tätigkeiten gewinnen, die nicht unbedingt Spaß machen - lustiger wäre es vermutlich, Freunde im Pub zu treffen. Sinnhaftes muss nicht unbedingt Spaß machen - wie zum Beispiel fünf Abende hintereinander dem Kind die gleiche Geschichte vorzulesen. Aber es gibt Ihnen ein Gefühl von Zufriedenheit.