Cloud, Big Data und Software im Fokus

Wie EMC die Marktführerschaft ausbauen will

14. Mai 2013
Von Hartmut  Wiehr
EMC CEO Joe Tucci hat viel vor: mit Software-Defined Storage, Flash-Performance und Programmen für Cloud- und Mobil-Anwendungen soll die Konkurrenz weiter abgehängt werden. Allein die neue ausgegliederte Tochter "Pivotal" soll bis 2016 das ehrgeizige Umsatzziel von mehreren Milliarden Dollar erreichen.

Joe Tucci hat nach seiner Amtsübernahme als CEO im Jahr 2001 EMC schon einmal aus der Krise geführt. Damals waren die großen Speicherschränke der Symmetrix-Produktlinie – hauptsächlich im Mainframe- und Unix-Umfeld eingesetzt – ähnlich wie die großen Unix-Server von Sun in dem Internet-Bubble in die Schieflage geraten. Der Absatz brach dramatisch ein, die Aktienkurse fielen in den Keller, und es entstand sogar ein grauer Markt für gebrauchte Symmetrix-Schränke. Tucci setzte auf Diversifizierung und dem Zukauf von Technologie. Vor allem mit der Akquisition von VMware landete er einen großen Coup.

So sieht sich EMC gern: Superman, der mächtige Held gegen alles Böse (sprich: Konkurrenten).
So sieht sich EMC gern: Superman, der mächtige Held gegen alles Böse (sprich: Konkurrenten).
Foto: EMC

Die eigenständig am Markt operierende Tochter sollte auch Nicht-EMC-Kunden ohne Bauchschmerzen zur Verfügung stehen. Die Rechnung ging in kürzester Zeit auf – VMware ist heute ein wesentlicher Umsatzträger für EMC. In Las Vegas auf der diesjährigen EMC World präsentierte Tucci mit "Pivotal“ das gleiche Geschäftsmodell noch einmal: Diesmal sollen Software-Produkte rund um Cloud und Big Data dem Konzern eine zweite "unabhängige“ Revenue-Quelle erschließen. Denn allein mit den klassischen Speicherprodukten ist weiteres Wachstum kaum noch möglich.

Pivotal wird von dem ehemaligen VMware-CEO Paul Maritz geführt, dem man ein zweites Wunder zutraut. Pivotal besteht zunächst aus folgenden Software-Elementen, die bisher bei VMware und EMC untergebracht waren: Greenplum (Analytics, Hadoop), Pivotal Labs, spring, Cloud Foundy, CETAS und Gemfire. Sie geben die Basis ab für die Entwicklung einer neuen Software-Plattform mit Namen "Pivotal One“, die noch dieses Jahr das Licht der Welt erblicken soll. Sie soll sich vor allem um Automatisierung, Big Data und die Einbindung mobiler Geräte in die Unternehmens-IT kümmern.

Die neue Tochter hat neben EMC (62 Prozent) und VMware (28 Prozent) auch General Electrics (GE) mit 10 Prozent Kapitaleinlage als Finanzier gewinnen können. Laut Maritz erwartet sich GE vor allem von der offenen Plattform "Pivotal One“ Impulse für seine Rückbesinnung auf klassische Industrieprojekte. So sollen zum Beispiel für die Luftfahrtindustrie neue Produkte und Services entwickelt werden. An spezielle Entwicklungen für GE ist aber offenbar nicht gedacht. GE vertraue dem offenen Ansatz von Pivotal.

Maritz und Tucci sehen in dem Engagement von GE den Beweis, dass die neue Tochter auf dem richtigen Weg sei und gleich mehrere Milliarden Dollar Umsatz bis 2016 schaffen wird. Der Gesamtmarkt wird dann auf 17 Milliarden Dollar Umsatz geschätzt. Davon einen größeren Anteil einzustecken, ist ein extrem ehrgeiziges Ziel, denn für 2013 rechnet man gerade mit 300 Millionen Einnahmen bei Pivotal. Und das, obwohl Produkte aus den Bereichen Greenplum, spring oder Cloud Foundry teilweise schon länger als ein Jahr erhältlich sind.

Wachstum über alles

"Big Data“, "Fast Data“, "Applications“ oder "Cloud Independence“ stehen im Focus der neuen Plattform. Maritz verwies darauf, dass man mit "Data fabric“, "Application fabric“, "Cloud fabric“ oder "In-memory data grid“ die Automatisierung der IT vorantreiben will. Ziel sei ein kontinuierlicher Betrieb von 24/7, sämtliche Updates in einem RechenzentrumRechenzentrum müssten zum Beispiel ohne Pausen am Wochenende durchgeführt werden. Das könne sich kein Unternehmen heute mehr leisten. Maritz: "Der Feind von Hochverfügbarkeit ist der Mensch.“ Man baue – so Maritz – eine Community von Entwicklern und Interessierten auf, die Produkte werde es aber keineswegs "for free“ geben. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Während EMC auf der Kundenveranstaltung im Mai 2012 kaum brisante Neuigkeiten aufzufahren hatte, sondern den Akzent auf über 40 kleinere Updates und Features da und dort legte, ging es dieses Jahr um strategisch ausgerichtete Ankündigungen. Zu den bereits vor der EMC World vorgestellten neuen Flash-Karten von XtremIO (letztes Jahr eingekauftes israelisches Start-up) und neuen All-Flash-Arrays gab es zahlreiche Produktvorführungen und vertiefende Sessions. EMC konterkariert nun die Technologien von Start-ups wie Fusion-io oder Violin, die schon länger mit Flash-Speicher zur Performance-Steigerung auf dem Markt sind, wobei man als großer Konzern auf ganz andere Kundenkontakte, Vertriebskanäle und Marketingkonzepte zurückgreifen kann. Allerdings muss EMC erst noch die Balance zu seinen bisherigen Speicherlinien VMAX, VNX oder Isilon herstellen, sonst droht womöglich eine selbst angezettelte Kannibalisierung. Offiziell heißt es lediglich, man will allen Kundenbedürfnissen gerecht werden – Flash und Platte, statt Flash oder Platte.

CEO Joe Tucci, der starke Mann von EMC, ist sich sicher, dass sein Unternehmen mit Big Data und Cloud weiter den Storage-Markt beherrschen kann.
CEO Joe Tucci, der starke Mann von EMC, ist sich sicher, dass sein Unternehmen mit Big Data und Cloud weiter den Storage-Markt beherrschen kann.

In Sachen Storage-Virtualisierung gab es in Las Vegas einen neuen Anlauf zu verzeichnen. Unter dem Kürzel ViPR (= Virtualization Platform Reinvented) präsentierte Amitabh Srivastava, Chef der EMC-Division "Advanced StorageStorage“, die Version seines Unternehmens von "Software-defined Storage“. Gemeint ist damit die Integration heterogener Speicher-Hardware im Zeitalter von Cloud und Big Data. Ein neuer Software-Layer, erhältlich im zweiten Halbjahr 2013, soll Unternehmen und Service Providern den Umstieg in die Cloud-Welt erlauben, ohne dass sie ihre alte Storage-Infrastruktur wegwerfen müssten. Man will APIs und Adapter zur Verfügung stellen, mit denen unterschiedlichste Geräte und Programme miteinander kommunizieren können. Technisch soll das ermöglicht werden durch eine Trennung von Control Path und Data Path auf Speicherebene. Alles zu Storage auf CIO.de

Srivastava spricht ebenfalls viel von Automatisierung und Offenheit. Die existierenden Silo-Umgebungen sollen in eine "offene virtualisierte Storage-Infrastruktur“ überführt werden, die allen anderen Herstellern sowie Commodity-Produkten über APIs zugänglich sein soll. Als erster prominenter anderer Hersteller soll NetApp – nicht gerade ein EMC-Freund – mit seinen Produkten integriert werden. Interessant dürfte werden, ob andere Hersteller (und ihre Kunden) wirklich mitziehen werden. Überdies müssten ja auch die EMC-Storage-Arrays wie VMAX oder Isilon ihre eigene Identität zumindest ein Stückchen weit aufgeben. Eine abstrahierte Speicherebene wäre allerdings neben Software-defined Network (SDN) ein weiterer Baustein für das Software-defined Datacentre (SDDC), das seit einer Weile im Mittelpunkt der VMware-Strategie steht.

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