Managern schlagen Ängste schwer aufs Gemüt

Wie Führungskräfte mit ihren Krisenzuständen umgehen

27. April 2009
Von Christina  Kestel
Die Arbeitsbelastung für Führungskräfte steigt zurzeit noch mehr. Hinzu kommen Sorgen um Karriere, Mitarbeiter und Zukunft. Jeder kämpft für sich. Appetit- und Schlafstörungen bis hin zu Depressionen sind die Folge. Executive Coach und Psychoanalytiker Georg Fischer über Ängste, und falsche Selbstbilder.

mm.de: Sie coachen seit über einem Jahrzehnt Manager aus den oberen Führungsriegen. Welche Veränderungen in Ihrer täglichen Arbeit bemerken Sie derzeit im Umgang mit Ihren Klienten?

Fischer: Zu meinem Metier gehören unter anderem die Beratung bei der Übernahme einer neuen Verantwortung, Leadership-Themen, Selbstmanagement und die Begleitung als Sparring-Partner, auch ohne ein konkretes Problem. Diese Anlässe treten ein Stück weit zurück und brennende Krisenthemen überwiegen. Ebenso kommen Aufträge hinzu, die aus speziellen Belastungen in besonderen Situationen oder Geschäftsbereichen entstehen.

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de
Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de
Foto: manager-magazin.de

mm.de: Welche Themen sind es konkret, die jetzt in den Vordergrund rücken?

Fischer: Da ist zum einen die hohe Arbeitsbelastung zu nennen, die aktuell noch größer geworden ist. Auch die Zwickmühle zwischen den eigenen Belangen und denen des Unternehmens und der Mitarbeiter ist ein Thema. Hinzu kommen Sorgen um die eigene KarriereKarriere und eigene Existenzängste und zum anderen die Sorgen und Ängste der Mitarbeiter sowie schließlich der Marktkampf des Unternehmens. Diese Konstellation hat sich sehr verschärft. Alles zu Karriere auf CIO.de

mm.de: Wie offen äußern sich die Führungskräfte angesichts der Probleme Ihnen gegenüber? Benennen sie ihre Ängste ganz konkret? Oder wird in Unkenntnis ein bisschen drum herumlaviert?

Fischer: Sie sagen es - oft in Unkenntnis. Vielleicht auch in Ermangelung eines Vokabulars. Eine Führungskraft ist dazu da, Probleme aufzuspüren und Lösungen zu finden. Es ist ein rationales Vorgehen, das nach Möglichkeit nicht zu sehr von Emotionalität überlagert werden soll. Und wenn so etwas wie Angst aufkommt, wird diese nicht immer konkret benannt. Vielfach auch, weil man glaubt, sie nicht benennen zu dürfen.

mm.de: Wie ist die Nachfrage nach Ihren Coaching-Leistungen?

Fischer: Es werden mehr Klienten. Das normale Executive Coaching geht ganz normal weiter. Aber es gibt darüber hinaus die Coachings und die Seminare, die speziell aus dieser Krise heraus motiviert sind. Zurzeit besteht eine Tendenz zur Desintegration. Das heißt, fast jeder hat beispielsweise Angst um seine ProjekteProjekte und versucht, sich selbst so gut wie möglich zu positionieren. Deswegen habe ich das Konzept entwickelt, Führungskräfte auch in Teamcoachings zusammenzubringen, um diesem Desintegrationsvorgang entgegenzuwirken. Alles zu Projekte auf CIO.de