Blick hinter die Kulissen der Fußball-WM

Wie Großereignisse den Datenverkehr beeinflussen

12. August 2014
Von Ingo Lalla
Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 veranschaulichen ein Manko der Datenübertragung über das Internet: Kurze Verzögerungen beim Datentransport im Netzwerk verursachen großen Ärger, wenn etwa die Kollegen oder die Nachbarn das Bild per Kabel oder Satellit früher erhalten und über Tore jubeln.

Tooor! Dieser Jubelschrei ertönte bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien nicht nur aus den Fernsehern zu Hause und von den Public-Viewing-Arenen, sondern immer häufiger auch aus Smartphones und Tablet-PCs. Denn immer mehr Menschen holen sich dank Streaming-Angeboten Großereignisse ins Büro oder an die Bushaltestelle, wenn sie sich gerade auf dem Heimweg befinden.

Schon zu den Olympischen Spielen in London vor zwei Jahren wurde ein erheblicher Anstieg der Nachfrage nach Video-Streams ermittelt, und die diesjährige Weltmeisterschaft übertraf das Großereignis aus dem Jahr 2012 noch einmal deutlich. Dies war eine globale Anstrengung, denn zahlreiche Anbieter weltweit stellten hunderte Terabyte an Daten zur Verfügung.

Wie bei kaum einer anderen Großveranstaltung wurde bei der Übertragung der Weltmeisterschaft ein Manko der Datenübertragung über das Internet deutlich: Schon extrem kurze Verzögerungen konnten Ärger verursachen, etwa wenn die Umgebung das Bild früher erhalten hatte und sich bereits über Tore freuen konnte, während man auf dem Bildschirm erst nach einigen Sekunden die neuesten Infos erhielt.

Einige dieser Verzögerungen sind bei allen Nutzern gleich - den Vergleich zwischen Internet und regulärem TV-Empfang über Satellit, Kabel oder DVB-T behandeln wir an dieser Stelle nicht. Dazu gehört etwa die Konvertierung des Videoformats. Wiederum andere sind allerdings vom Internet und vom gewählten Netz abhängig. Nutzer des Entertainment-Angebots eines bekannten Telekommunikationsanbieters freuen sich zum Beispiel darüber, dass ihre Inhalte über ein privates Netzwerk ausgeliefert werden. Sie erhalten die Bilder einige Sekunden eher als die Nutzer frei verfügbarer Angebote.

Content Delivery Network (CDN) als Problemlöser

Weltweit haben sich einige Sender bei der Auslieferung von frei empfangbaren Inhalten für Content Delivery Networks (CDNs) entschieden. Die privaten NetzwerkeNetzwerke haben den entscheidenden Vorteil, dass Bandbreiten garantiert werden. Bei der Übertragung von Signalen über das öffentliche Internet ist es nämlich vollkommen unklar, welchen Weg die Daten eigentlich nehmen und welche Leistung die ServerServer auf dem Weg zum Endnutzer bieten. Aufgrund der Verzögerungen muss beim Zuschauer ein größerer Videopuffer eingebaut werden, der dann zu den ungeliebten Verzögerungen führt. Alles zu Netzwerke auf CIO.de Alles zu Server auf CIO.de

An einem Spieltag wird ein CDN mit über 3,6 Tbit/s belastet. Tausende Nutzer greifen von ihren iOS- und Android-Geräten oder Spielekonsolen auf die Web-Streams zu. Beim Spiel Deutschland gegen die USA schauten sich das Spiel allein 750.000 Nutzer über den Live-Stream des amerikanischen Sportsenders ESPN an. Ein einziger Netzwerk-Provider zum Beispiel nutzte bei diesem Spiel bis zu 1 Tbit/s.

Damit es zu keinen Ausfällen kommt, treiben CDNs einen erheblichen Aufwand:

• Zehntausende Server akzeptieren Verbindungen von den Endgeräten und liefern die Video-Streams weltweit aus.

• Hunderte Arbeitsstunden sind für Betrieb und Support an jedem Spieltag notwendig; im sogenannten Network Operations Center haben die Verantwortlichen einen Überblick über den weltweiten Datenverkehr.

• Die Software analysiert den Traffic und bietet ein Echtzweit-Feedback darüber, wie viele Personen was, wann, wo und wie schauen.

CDNs sind also in der Lage, auch bei großem Datenaufkommen für ausreichend Leistung zu sorgen. Verwenden Anbieter keine dedizierte Lösung, dann sorgen Verzögerungen, Ruckler oder sogar komplette Serverzusammenbrüche für Ärger.