CIO Auf- und Aussteiger


Henning Stams: vom CIO zum CEO

"Wie hast du das denn gemacht?"

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Henning Stams hat es geschafft. Der CIO wurde jetzt CEO von Almatis. Ein Patentrezept für den Aufstieg kennt er zwar nicht, hat aber einige Empfehlungen für Kollegen parat.
Hennings Stams, wurde Ende 2015 als CIO zum CEO von Almatis berufen.
Hennings Stams, wurde Ende 2015 als CIO zum CEO von Almatis berufen.
Foto: Almatis

Henning StamsHenning Stams (53) ist seit Dezember 2015 neuer CEO beim Aluminiumoxidhersteller Almatis mit Hauptbüro in Frankfurt. "Das ist kein ganz normaler Vorgang", findet auch Stams. Denn dass ein CIO zum CEO ernannt wird, passiert noch nicht allzu oft in Deutschland. Sein Vorgänger Taco Gerbranda war aus Altersgründen ausgeschieden, berät das Unternehmen aber weiterhin. Profil von Henning Stams im CIO-Netzwerk

Viele Gratulanten und kein Neid

Nach Stams Ernennung gab es viele Gratulanten und keinen Neid. "Viele wollten von mir wissen, wie hast du das denn gemacht?", berichtet er. Für ihn ist es ein aber eigentlich ein ganz logischer Vorgang. Und auch wenn er kein Patentrezept für den Aufstieg kennt, das er seinen Kollegen verraten könnte, so hat er doch einige Empfehlungen für die daran interessierten Kollegen.

"Ein CIO sollte sich vor allem sehr intensiv um die Prozesse kümmern", sagt er. Stams war schon immer auf alle Dinge neugierig, auch über den IT-Tellerrand hinaus. Sowieso wird ja fast überall die IT zum Kern des Business erfolgreicher Unternehmen. Strategisch zu denken, nicht nur Enabler zu sein, sondern kreativer Gestalter, das sei besonders wichtig, sagt Stams.

Herauslösung der Alcoa-IT begleitet

Der Almatis-CEO stieg 2004 als CIO beim Tonerdehersteller ein. Er sollte vor allem die Herauslösung der IT des Spin-Offs der ehemaligen Aluminium-Chemiesparte des Alcoa-Konzerns begleiten. Für zwei Jahre war Stams dann 2006 Manager der europäischen IT-Services bei Alcoa. 2008 wurde er Vice President bei Almatis, zuständig für die Supply Chain und die IT, und arbeitete sich immer tiefer in alle Business-Bereiche ein.

"Meine Ausbildung zum zertifizierten Mitglied im Aufsichtsrat und im Beirat - über die Board Academy und vom TÜV SüdTÜV Süd geprüft - war sicherlich nicht hinderlich", gibt Stams noch einen Hinweis unter Kollegen. Dadurch habe sich sein Blick auf Finanz- und Steuerthemen geschärft. In den Jahren beim "CIO-Circle" und später bei der CIO-Anwendervereinigung VoiceVoice e.V. habe er viel gelernt. Die Zeit habe ihm dabei geholfen, den Horizont zu erweitern. Seitdem wisse er, wie es gelingt, Themen ins Unternehmen und seine Entwicklung einzubringen. Top-500-Firmenprofil für TÜV Süd Alles zu Voice auf CIO.de

Türkischer Pensionsfonds Oyak übernahm von DIC

Dazu kam allerdings auch der Kollege Zufall: 2010 wäre das Unternehmen fast zusammengebrochen; der ursprüngliche Mehrheitsaktionär Dubai International Capital (DIC) hatte kein Glück mit seinem Investment. Durch eine Chapter-11 Restrukturierung wurden weitere Banken und Investoren gefunden, die Almatis Ende August 2015 an den türkischen Pensionsfonds Oyak verkauften. "Sie haben ein langfristiges Interesse und schielen nicht auf einen schnellen Exit", sagt Stams.

Oyak besitzt inzwischen ein weltweites Industrie-Konglomerat mit rund 28.000 Mitarbeitern und ist in der Türkei der größte Stahlproduzent. Die neuen Eigentümer machten Stams zum Chef, nachdem er den Verkaufsprozess aktiv begleitet hatte.

Feuerfeste Auskleidungen für Anlagen und Öfen

Die Erzeugnisse des Spezialchemieherstellers findet man in feuerfesten Auskleidungen von Anlagen und Öfen, wegen der sehr guten Isoliereigenschaften auch in Zündkerzen und Hochspannungsisolatoren, aber auch in Katalysatorträgern, sogar in Autopolitur oder in Polituren für Töpfe und Pfannen - bis hin zur Zahnpasta.

1150 Mitarbeiter erreichten 2014 weltweit rund eine halbe Milliarde Dollar Umsatz. Zehn Werke in sechs Ländern gibt es, unter anderem in China, Japan, Indien und den USA. "Wir müssen die Prozesse über die Werke organisieren. Unsere gesamte Wertschöpfungskette, vom Rohstoff über Werk-zu-Werk-Transporte bis zur Auslieferung zum Kunden, dauert oft mehrere Monate. Das alles zusammenzubringen, ist auch eine IT-Herausforderung", sagt Stams.

Unter Innovationsdruck

Momentan kämpft der CEO dagegen an, dass einige der Almatis-Produkte von der Spezial-Chemie in Richtung Commodity gedrückt werden. Die Nachfrage in China sinkt, gleichzeitig gibt es Überkapazitäten, die ausgelastet werden müssen. In Folge dessen geraten die Preise unter Druck. Innovation ist gefragt. Wo kann man den Rohstoff Aluminiumoxid noch überall unterbringen? Mit dem neuen Almatis-CIO pflegt er übrigens ein freundschaftliches Verhältnis. "Ich verstehe ja worum es geht."

Sein Foto allerdings ist nicht mehr ganz aktuell. Stams hat inzwischen fünfzehn Kilo abgenommen. "Ich hatte aber noch keine Zeit, ein neues zu machen", sagt er. CEO zu sein, erfordert eben den ganzen Mann. Es mache ihm aber großen Spaß, und eine andere Aufgabe, die kann er sich inzwischen kaum noch vorstellen.

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