Outen oder nicht?

Wie man mit depressiven Verstimmungen umgeht

07. Dezember 2009
Von Christina  Kestel
Depressive Verstimmung - im Gegensatz zur Depression als Krankheit - kann jeden treffen: in einer schwierigen Situation, bei hoher Dauerbelastung oder in Krisen. Doch niemand muss Rechenschaft darüber ablegen.
Georg Th. Fischer.
Georg Th. Fischer.
Foto: Georg TH Fischer

In seiner Coaching-Praxis auf der Düsseldorfer Königsallee begleitet Georg Th. Fischer Manager der ersten und zweiten Führungsebene. Sein Ansatz basiert auf tiefenpsychologischen, hirnbiologischen und systemischen Konzepten. Der promovierte Arzt und Psychoanalytiker ist außerdem Lehrbeauftragter an der Wirtschaftsfakultät der Privaten Universität Witten/Herdecke.

Wir haben erlebt, wie Robert Enkes Witwe von dessen Depression und Ängsten vor der Veröffentlichung seiner Krankheit erzählte. Solche Erkrankungen können jeden treffen - übertragen auf die Arbeitswelt sowohl Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. In welchem Zustand befinden sich die Betroffenen?

Fischer: Die wahren Hintergründe dieses konkreten Falls entziehen sich meiner Kenntnis, sodass sich Mutmaßungen darüber verbieten. Jedoch muss man zur Depression als Krankheit wissen, dass die betroffenen Menschen einen entsetzlich quälenden Zustand der "Losigkeit" erleben, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit und sogar Trauerlosigkeit. Man sagt von den schwer depressiv Kranken, dass sie nicht nur eine massive Angst haben, sondern dass sie Angst sind. Suizid ist bei Depressiven - in Abhängigkeit, aber auch unabhängig von äußeren Begebenheiten und Umständen - nicht selten.

Welche Situationen können das Entstehen von Depressionen begünstigen?

Fischer: Generell muss man unterscheiden zwischen der Depression als Krankheit, die genetisch mit determiniert ist, und einer depressiven Verstimmung. Die depressive Verstimmung kann jeden von uns treffen in einer schwierigen Situation, bei hoher Dauerbelastung, in Krisensituationen, wenn im privaten oder im beruflichen Bereich das Verarbeitungsvermögen überfordert ist. Eine depressive Verstimmung ist immer im Kontext der Biografie und der jeweiligen Lebenssituation zu sehen. Ihr Grad ist abhängig von der Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen, von dem System in dem er interagiert und von seinem Beziehungsgeflecht.

Und welche Situationen setzen bei den Leistungsträgern im Unternehmen die Daumenschrauben an?

Fischer: Depressive Verstimmungen können entstehen, wenn jemand über eine längere Zeit frustrierende Verhandlungen führt oder wenn ihm Aufgaben misslingen. Oder nehmen wir als Beispiel die derzeitige Krise: Neben dem ohnehin anstrengenden Tagesgeschäft hat man Sorge um die eigene KarriereKarriere und die eigenen unternehmerischen Ziele zu verkraften. Alles zu Karriere auf CIO.de

Foto: manager-magazin.de

Gefunden im manager magazin.