Microsoft-Chef

Wie Satya Nadella das Windows-Erbe retten will

03. April 2014
Microsofts goldene Jahre scheinen vorbei. Mit Apple und Google sind in einer Welt von Smartphones und Tablets aggressive Rivalen aufgetaucht. Doch der neue Microsoft-Chef Satya Nadella will ihnen nicht so einfach das Feld überlassen. Er kämpft um das Windows-Erbe.

"Es sind aufregende Zeiten für uns", sagt der neue Microsoft-Chef Satya Nadella. Der Satz ist eine Untertreibung. Der Konzern steckt mitten im wahrscheinlich größten Umbruch der Firmengeschichte. Die "Cash Cow" Windows wirft wegen schrumpfender PC-Verkäufe weniger ab; in der mobilen Welt ist MicrosoftMicrosoft nicht der Marktführer, sondern nur ein Herausforderer. Jetzt stellt das Team um den vor zwei Monaten angetretenen Nadella bei der Entwicklerkonferenz Build in San Francisco die Neuheiten vor, die Microsofts Weg in die Zukunft sichern sollen. Alles zu Microsoft auf CIO.de

"Ein Computer auf jedem Schreibtisch und in jedem Haushalt", war die Parole, die Gründer Bill Gates in den Anfangstagen von Microsoft ausgegeben hatte. Er meinte damit natürlich einen Windows-Computer. In den 90er Jahren hatte Gates mit Windows 95 dieses Ziel erreicht. Sein langjähriger Weggefährte und Nachfolger Steve Ballmer verpasste es dann aber, ein Windows-Smartphone in jede Hosentasche zu stecken. Den Job erledigten AppleApple mit dem iPhoneiPhone und GoogleGoogle mit den diversen Android-Handys. Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de Alles zu iPhone auf CIO.de

Doch Nadella will Apple und Google, aber auch neuen Herausforderern wie AmazonAmazon das Feld nicht kampflos überlassen. Dazu ist er sogar bereit, heilige Kühe zu schlachten. Für SmartphonesSmartphones und kleinere TabletsTablets verlangt Microsoft von den Herstellern künftig keine Lizenzgebühr mehr für die Nutzung von Windows. Im Klartext: Nadella verschenkt das Betriebssystem, um die Plattform Windows PhoneWindows Phone im Markt zu stärken. Zudem spendiert er den Windows-Smartphones dringend benötigte Funktionen wie die persönliche Assistentin Cortana, eine Kollegin - und Rivalin - von Apples Siri. Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Smartphones auf CIO.de Alles zu Tablets auf CIO.de Alles zu Windows Phone auf CIO.de

"Wir werden mobile Geräte quer durch alle Preiskategorien sehen", verspricht Nadella den rund 4000 Entwicklern im prallvollen Saal in San Francisco. Denn die Software-Spezialisten müssen schließlich die passenden Apps programmieren. Und das lohnt sich für sie nur, wenn die Verbraucher am Ende auch Windows-Smartphones und -Tablets kaufen. Der Schritt ziele auf das schnell wachsende Geschäft in Schwellenländern, erklärt Gartner-Analystin Carolina Milanesi: "Ein kostenloses Windows Phone ist der einzige Weg, um neue Partner relevant zu machen, da Hersteller wie Micromax, Foxconn, Longcheer mit Lizenzkosten nicht konkurrenzfähig sein können."

Zeitgleich will Nadella die Arbeit mit Windows auf dem PC wieder zu einem Vergnügen machen. Microsoft hatte viele Nutzer mit der Kachel-Oberfläche von Windows 8Windows 8 vergrault. Mit dem nächsten Update wird der klassische Desktop aufgewertet. Selbst das Startmenü kehrt in naher Zukunft zurück. Nadella vollzieht damit eine Rolle rückwärts. "Microsoft hat endlich zugehört", twitterten erfreute Windows-Nutzer. "So hätte Windows 8 von Anfang an aussehen müssen", schreibt die Journalistin und Microsoft-Kennerin Mary Jo Foley. Alles zu Windows 8 auf CIO.de

Für Nadella sind dies aber alles nur Zwischenschritte. Er will "die breiteste Plattform" für Geräte überhaupt erschaffen. PCs, Smartphones, Tablets, ja sogar die Spielekonsole Xbox - auf allen Apparaten sollen die gleichen Apps laufen und alle sollen über die Clouddienste von Microsoft untereinander problemlos Daten austauschen können. Ein Windows-Kühlschrank scheint nur noch eine Frage der Zeit.

Auf der Bühne im Moscone Center in San Francisco ist diese Vision schon Realität. Nadella lässt vor dem Publikum keinen Zweifel daran aufkommen, dass Microsoft auch in der neuen Welt der mobilen Geräte und Cloud-Services erfolgreich sein wird. (dpa/rs)