Bühne frei für CIOs

Wie Schauspieltraining die Karriere fördert

10. Januar 2014
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Der Wechsel zwischen Coach, Motivator und klassischem Boss gelingt mit ein paar Stunden Schauspieltraining besser. Davon ist jedenfalls Stefan Häseli überzeugt, Kabarettist und Führungskräfte-Coach. Seine These: Schauspiel ist eine Methode, mit sich selbst sehr intensiv in Kontakt zu kommen.
Wer heute Führungsverantwortung trägt, muss zwischen vielen verschiedenen Rollen wechseln. Der Schweizer Coach Stefan Häseli erklärt, wie Schauspieltraining dabei helfen kann.
Wer heute Führungsverantwortung trägt, muss zwischen vielen verschiedenen Rollen wechseln. Der Schweizer Coach Stefan Häseli erklärt, wie Schauspieltraining dabei helfen kann.
Foto: Stefan Häseli

Alles guckt auf den Trompeter. Irgendwo zwischen hochkonzentriert und superlässig intoniert Randy Brecker seinen Jazz, der dem eleganten Publikum in der kleinen Münchener Bar in Herz und Beine geht. Wer Brecker lauscht, weiß, warum der Mann von Bruce Springsteen und Frank Zappa gebucht wird. Was kaum einer weiß: der Saxofonist, der sich nach des Superstars Trompetensolo in die Ohren des Publikums schmeichelt, ist August-Wilhelm Scheer. Firmengründer (IDS Scheer), vormaliger Präsident des Branchenverbands Bitkom, Professor - und Saxofonspieler.

Der Wechsel zwischen all diesen Rollen hat viel mit Jazz zu tun, findet Scheer. "Gekonnt zu improvisieren heißt, spontan und unter höchstem Zeitdruck kreativ zu sein. Gleichzeitig muss der Jazzmusiker den Zusammenhalt zu den anderen Musikern bewahren und seine spontanen Einfälle müssen einen musikalischen Sinn ergeben", erklärt er. "Viele dieser Eigenschaften sind auch in der IT-Welt gefragt."

Geht es nach dem Schweizer Kabarettisten und Manager-Coach Stefan Häseli, sollten sich mehr Führungskräfte auf solche kreativen Erfahrungen einlassen. In seinem Buch "Traumrolle Chef" rät er zu Schauspieltraining.

Für Häseli muss eine Führungskraft heute sehr viele Rollen erfüllen: Die des Motivators in schwierigen Zeiten, die des Coaches, wenn Mitarbeiter gezielt gefördert werden sollen. Sie sind Kopf-Hinhalter, die Druck von weiter oben abfedern oder unpopuläre Entscheidungen treffen. Werden Arbeitsprozesse in Frage gestellt, agieren sie als Organisatoren. Auch klassischer "Boss" müssen sie sein und sich ohne große Diskussionen durchzusetzen können - in anderen Situationen aber verständnisvolle Zuhörer geben. Diese Liste lässt sich fortsetzen: Kontrolleur, Ratgeber, Kundenberater, Verkäufer....

Inwiefern kann Schauspiel Führungskräften in ihrem Arbeitsalltag helfen? "Weil es eine Methode ist, mit sich selbst sehr intensiv in Kontakt zu kommen", sagt Häseli. "Was habe ich für Facetten, was hat diese und jene Rolle mit Teilen meiner selbst zu tun, wie fühle ich mich in dieser Rolle, wie in jener? Wie viele Varianten machen meine Persönlichkeit aus? Auf solche Fragen findet man Antworten."

Für diese Art, die Wahrnehmung seiner selbst zu trainieren, muss man übrigens nicht extrovertiert sein, betont Häseli. Er kenne Clowns, die auf der Bühne jeden zum Lachen bringen, sich privat aber sehr zurückgezogen zeigten. Die einzige Voraussetzung für ein Schauspieltraining sei, sich darauf einzulassen.

Wer das getan hat und Spaß am Spiel der Rollen findet, sollte das jedoch vor allem für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit nutzen, sagt der Coach. Bühnenqualitäten in der Firma zu präsentieren, empfiehlt er nur bedingt. Als gelungenes Beispiel dafür nennt er einen 62jährigen CEO, der an einem Tanzwettbewerb teilgenommen hatte. Bei einer Unternehmensfeier legte er eine kesse Sohle aufs Parkett - die Mitarbeiter waren begeistert. Selten hatten sie ihren Chef so von seiner menschlichen Seite gesehen. "Das hat deswegen funktioniert, weil dieser CEO eine seiner echten Lebensrollen gezeigt hat, und weil es zum Anlass passte", erklärt Häseli. Scheer spricht in diesem Zusammenhang vom "Mut zum Outen der Persönlichkeit".

Bühnenqualitäten nicht überstrapazieren

Wer aber nun meint, er habe Spaß daran, den Clown zu spielen, und fürderhin bei jedem Meeting die rote Nase aufsetzt, macht etwas falsch. "Der Wechsel in die Rolle des Clowns oder Tänzers muss nicht nur zu dem Menschen passen, sondern auch zur jeweiligen Situation", gibt Häseli zu bedenken.

Ein weiterer Manager, der den Rollenwechsel zwischen Informatik und Kreativität beherrscht, ist Matthias Moritz. Der vormalige Bayer- und jetzige Almirall-CIO muss nicht überall Chef sein - in der Band seiner Frau Elena Lay, der "Magic Moments Band", gibt er den Bassisten. So beispielsweise auch bei der Zehnjahres-Gala des CIO-Magazins Ende 2011 in Bonn. Alle Blicke richten sich bei solchen Gigs auf Sängerin Elena. Wenn sie in ihrem langen schwarzen Glitzerkleid "The look of love" anstimmt - welche Rolle könnte dann noch ein CIO spielen?

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