Strategien


Forrester über Roboter und Jobs

Wie wir 2025 arbeiten

22. Oktober 2015
Christoph Lixenfeld, seit 25 Jahren Journalist und Autor, vorher hat er Publizistik, Romanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert.

1994 gründete er mit drei Kollegen das Journalistenbüro druckreif in Hamburg, schrieb seitdem für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, Focus, den Tagesspiegel, das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und viele andere.

Außerdem macht er Hörfunk, vor allem für DeutschlandRadio, und produziert TV-Beiträge, zum Beispiel für die ARD-Magazine Panorama und PlusMinus.

Inhaltlich geht es in seiner Arbeit häufig um die Themen Wirtschaft und IT, aber nicht nur. So beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren auch mit unseren Sozialsystemen. 2008 erschien im Econ-Verlag sein Buch "Niemand muss ins Heim".

Seit 2014 betreibt er die Informationsplattform www.wohinmitmutter.de.

Christoph Lixenfeld schreibt aber nicht nur, sondern er setzt auch journalistische Produkte ganzheitlich um. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Süddeutscher Zeitung und Computerwoche produzierte er so komplette Zeitungsbeilagen zu den Themen Internet und Web Economy inklusive Konzept, Themenplan, Autorenbriefing und Redaktion.
Viele Experten beschäftigen sich mit der Frage, ob und wie uns Roboter irgendwann die Arbeit wegnehmen. Dabei haben sie das doch schon längst getan.

Jede Vision, die als solche funktionieren will, ist auf revolutionären Wandel angewiesen, auf die Prognose, dass sich Dinge drastisch verändern. Denn wer wollte schon einen Artikel lesen, der sagt: "Breit angelegte wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass auf dem Gebiet XY in zwanzig Jahres alles noch genauso läuft wie heute."?

Auch beim Thema Zukunft der Arbeit wettet aktuell niemand einen Cent auf den Erhalt des Status Quo. Wobei der vielstimmige Chor des ‚alles wird anders‘ vor allem zwei sich in ihrer Dramatik steigernde Strophen singt.

Die eine geht ungefähr so: Digitalisierung und künstliche Intelligenz und Roboter vernichten fast alle einfachen Jobs, Millionen von Menschen werden dadurch arbeitslos. Aktueller Höhepunkt dieser Prophezeiung waren die Worte von VW-Personalvorstand Horst Neumann, der Anfang August der F.A.Z. sagte, etwa die Hälfte der "taktgebundenen" Arbeitsplätze in der VW-Produktion würden in den kommenden zwanzig Jahren wegfallen.

Roboter als Chefs

Die zweite Strophe erzählt dann davon, dass nicht nur die Angestellten, sondern auch deren Führungskräfte überflüssig werden. So überschrieb vor etwa einem Jahr die ZEIT eine Geschichte zur Zukunft der Arbeit: "Roboter als Chefs und kaum noch Festanstellungen."

Führungskräfte, denen an dieser Stelle der Schreck in die Glieder fährt, weil sie sich bisher für unersetzlich hielten, können sich wieder beruhigen. Jedenfalls wenn man den Analysten von Forrester Research glaubt, die im August den Report ‚The Future oft Jobs‘ herausgegeben haben.

Schlagzeile: "2025: Working side by side with robots." Vorspann: "Automatisierung wird nicht alle Jobs vernichten. Aber es wird die Belegschaft verändern - auch Ihre."

Forrester formuliert in dem Paper drei Kernthesen. Erstens: Roboterisierung wird zwar Jobs kosten, aber unterm Strich nicht so viele, wie andere Propheten vorhersagen, weil eben durch Digitalisierung auch neue Arbeit entstehe.

Der Bürokollege ist elektrisch

Zweitens: Automatisierung verändert die Struktur von Belegschaften nachhaltig in dem Sinne, dass Menschen in Zukunft Seite an Seite mit Robotern, Software-Agenten und anderen digitalen Maschinen arbeiten.

Teamwork mit Kollege Roboter? In der Audi-Produktion ist das längst Wirklichkeit.
Teamwork mit Kollege Roboter? In der Audi-Produktion ist das längst Wirklichkeit.
Foto: Audi

Drittens schließlich sollten CIOs und andere Führungskräfte sich schon heute fragen, wie sich solche gemischten Belegschaften managen lassen und welche Typen von Mitarbeitern sich dazu eigenen, mit einem automatischen Kollegen das Büro zu teilen. Forrester bietet beim Managen dieses Problems - wenig überraschend - tatkräftige Unterstützung an.

Die erste These, wonach der Verlust einfacher Jobs nicht so verheerend ausfällt wie von manchen befürchtet, untermauert Forrester mit einem überzeugenden Argument: Viele manuelle Fähigkeiten von Menschen sind schwerer zu ersetzen als intellektuelle.

Es ist einfacher, einen Computer zu bauen, der im Schach einen menschlichen Weltmeister schlägt - IBMs Deep Blue tat dies mit Garry Kasparov schon 1997 - als einen Roboter zu konstruieren, der eine Treppe hinunterläuft.

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