Wiedereinstieg

Wie Zeitarbeit zum Sprungbrett werden kann

07. Oktober 2014
Von Kerstin Dämon
Zeitarbeit verbindet man häufig mit Tarifkonflikten und Niedriglohnsektor. In den meisten Fällen trifft das zu. Es gibt aber auch Anbieter, die Hochqualifizierte vermitteln. Wer von der Zeitarbeit profitiert - und wie.

Dieter Zöller, 59 Jahre alt, hat Anfang der Siebzigerjahre eine Ausbildung zum Elektriker abgeschlossen. Nachdem ihn sein Ausbildungsbetrieb nicht übernahm, arbeitete er jahrelang für ein Unternehmen, das Spielautomaten aufstellte und reparierte. Mit seinem gelernten Beruf hatte das nicht viel zu tun. "Das war ja mehr Mechanik als Elektronik", sagt Zöller. "Ich habe 34 Jahre nicht in meinem eigentlichen Beruf gearbeitet."

Dann verlor er seinen Job und fing bei der KMS Zeitarbeit GmbH an, die ihn an verschiedene Arbeitgeber, unter anderem auch an die Deutsche Bank, vermittelte. Damit ist er ein ganz klassischer Zeitarbeiter, wie Elke Jahn vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigt. "60 Prozent der Zeitarbeiter kommen aus der Arbeitslosigkeit", sagt die Expertin, zu deren Forschungsschwerpunkten flexible Arbeitsverhältnisse gehören. "Viele haben gar keine andere Wahl: Arbeitslosigkeit oder Zeitarbeit."

43,8 Prozent kamen über die Zeitarbeit zu einer Festanstellung

Studien belegen allerdings, dass Zeitarbeiter - zumindest die geringer qualifizierten unter ihnen - ein deutlich höheres Risiko haben, arbeitslos zu werden. Auch müssten viele von ihnen ihr GehaltGehalt zusätzlich aufstocken. "Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist im Vergleich zur Gesamtökonomie höher, da Zeitarbeiter im Median drei Monate in einem Unternehmen bleiben, während der Median bei regulär Beschäftigten etwa vier Jahre beträgt", erklärt Jahn. Und die Frage, ob jemand aufstocken muss oder nicht, hänge stark von der Familiensituation und der Qualifikation ab. Während dem Single das Geld, das er als ungelernte Kraft bei einer Zeitarbeitsfirma verdient, vielleicht ausreicht, ist es für den Vater von drei Kindern viel zu wenig. Alles zu Gehalt auf CIO.de

Und selbstverständlich verdient der Hilfsarbeiter auch in der Zeitarbeit weniger als der Maschinenbauer.

Für Zöller hat sich der Schritt allerdings ausgezahlt: Zweieinhalb Jahre lang war er als Zeitarbeiter beim Unternehmen Heinemann Projektleistungen in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt als Zeitarbeiter beschäftigt, bevor er übernommen wurde. Heinemann Projektleistungen ist ein Dienstleister für Elektro-, Datentechnik und Schaltschrankbau. "Die machen auch Strom, nicht nur Datentechnik", so Zöller. Der Betrieb sei auf ihn zugekommen und habe ihn abgeworben.

Damit steht er nicht alleine da, wie eine Studie der Personalberatungs- und Personalvermittlungsgesellschaft Page Personnel zeigt: 43,8 Prozent der von der Personalberatung befragten Fachkräfte, die bereits als Zeitarbeiter tätig waren, wurde eine Festanstellung angeboten.

Hier dürfe man allerdings die Kausalität nicht außer Acht lassen, erklärt Jahn. Sie gibt ein Beispiel: Zwei Personen mit gleicher Bildung, Berufserfahrung und Soft Skills werden zum gleichen Zeitpunkt arbeitslos. Einer geht in die Zeitarbeit, der andere nicht. Finden beide nach sechs Monaten eine Festanstellung, liegt es an ihrer Qualifikation - in diesem Fall ist die Zeitarbeit kein Sprungbrett aus der Arbeitslosigkeit gewesen.