Kontroverse um Green IT

"Wir Kunden müssen mehr Druck machen"

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Über den Sinn von Green IT ist eine Diskussion entbrannt. DLR-CIO Hans-Joachim Popp ärgert es, wie die Medien das Thema verheizen. Seine These: Wir haben mit Green IT doch gerade erst begonnen. Und ein guter Anfang wäre doch, endlich auf das Kühlen von Rechenzentren zu verzichten.
Hans-Joachim Popp, DLR-CIO: "Ein Green-IT-Siegel? Ich bin immer vorsichtig mit solchen Zertifikaten. Häufig werden einzelne Komponenten isoliert betrachtet."
Hans-Joachim Popp, DLR-CIO: "Ein Green-IT-Siegel? Ich bin immer vorsichtig mit solchen Zertifikaten. Häufig werden einzelne Komponenten isoliert betrachtet."

Herr Popp, wie grün kann IT sein?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits geht es darum, wie viel Energie wir für den Rechenvorgang - sozusagen für die Herstellung eines CPU-Cycles - benötigen. Andererseits müssen wir auch versuchen, von diesen Cycles dann so viele wie möglich zu nutzen, anstatt sie leerlaufen zu lassen. Klar ist, dass der Bedarf an Rechenleistung weiter ansteigen wird.

… und das trotz Virtualisierung und Konsolidierung?

Ja, ich denke schon. Ganz offensichtlich durchdringt die IT immer mehr Prozesse immer intensiver. Und das wird auch so weitergehen. Die Anforderungen an die Verfügbarkeit der IT-Werkzeuge steigen ständig.

Wo zum Beispiel?

Nehmen Sie Voice over IP (VoIP). Noch vor wenigen Jahren war es selbstverständlich, dass die Telefonanlage die höchste Verfügbarkeit haben musste. Wollte man über das Netzwerk telefonieren, dann musste es dringend aufgerüstet werden. Inzwischen ist aber klar, dass niemand mehr ohne einen funktionierenden Arbeitsplatzrechner telefonieren kann. Woher sollte er oder sie die Telefonnummer wissen, woher die benötigten Informationen bekommen? Und schon ist die Verfügbarkeit der Telefonanlage in den Hintergrund getreten und das Rechnernetz entscheidend für die Produktivität der ganzen Abteilung. Da wir kaum noch Dinge ohne Rechner tun, sind wir vollkommen handlungsunfähig, wenn die Infrastruktur ausfällt.

Bedeutet Verfügbarkeit automatisch mehr Kapazität?

Ja, höhere Verfügbarkeiten führen quasi zwangsläufig zu mehr Bedarf, denn echte Redundanz lässt sich kaum anders herstellen. Hinzu kommen die ständig steigenden Datenvolumina und die Forderung nach kürzeren Antwortzeiten. VirtualisierungVirtualisierung ist da ein wichtiger Ansatz, um die heute leerlaufenden Prozessoren mit einsetzen zu können. Aber das ganze Thema Energieeffizienz beim Betrieb von Komponenten ist noch völlig in den Kinderschuhen. Die Art, wie wir heute Rechenzentren betreiben, hinkt - was die Energienutzung angeht - vielerorts weit hinter dem her, was technologisch eigentlich möglich wäre. Wir müssen dringend mehr Rechenleistung aus der Energie herausholen. Wir als Anwenderunternehmen müssen da von den Herstellern viel mehr verlangen. Alles zu Virtualisierung auf CIO.de

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