Marissa Mayer

Yahoo-Chefin sucht eine Lösung für die Zukunft

31. Januar 2016
Wenn Yahoo am kommenden Dienstag aktuelle Quartalszahlen vorlegt, geht es um mehr als nur Gewinn und Umsatz. Konzernchefin Mayer stellt unter massivem Druck Weichen für die Zukunft des Internet-Urgesteins.
Yahoo CEO Marissa Mayer: Ein aggressiver Finanzinvestor fordert bereits lautstark Mayers Ablösung.
Yahoo CEO Marissa Mayer: Ein aggressiver Finanzinvestor fordert bereits lautstark Mayers Ablösung.
Foto: via speakerbookingagency.com

Zum Amtsantritt als Yahoo-Chefin wurde die erfolgreiche Google-Managerin Marissa Mayer als Retterin gefeiert. Rund dreieinhalb Jahre später ist die Stimmung zur Vorlage der Zahlen für 2015 an diesem Dienstag ganz anders. Die Aktie verlor in einem Jahr ein Drittel ihres Werts, Top-Manager gehen, Anleger sind verärgert über den Zick-Zack-Kurs beim Verkauf der milliardenschweren restlichen Beteiligung an der chinesischen Handelsplattform Alibaba. Ein aggressiver Finanzinvestor fordert bereits lautstark Mayers Ablösung.

Die 40-Jährige gab rund drei Milliarden Dollar für Zukäufe aus, lautet ein Kritikpunkt. Rund eine Milliarde kostete die Übernahme der Blogplattform Tumblr, um mehr jüngere Nutzer ins Yahoo-Universum zu holen. Aber das Geschäft ist nicht gewachsen und Yahoo wird bei seiner wichtigsten Geldquelle, der Online-Werbung, von Facebook und Google abgehängt.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Im dritten Quartal vergangenen Jahres machte Yahoo einen Umsatz von 1,22 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal 2012, zu Mayers Amtsantritt, waren es ebenfalls rund 1,2 Milliarden. Bei Facebook sprang der Quartalsumsatz in dieser Zeit von 1,3 auf 4,5 Milliarden Dollar hoch, beim Web-Primus Google rückte er von 14 auf fast 19 Milliarden Dollar vor.

Yahoo entstand 1994 aus der Idee, alle Websites in eine Art riesigen Katalog zu packen. Einst stand das Unternehmen als Synonym für das Web. Doch das Netz wurde schnell zu groß für den Ansatz. Viele Nutzer wandten sich ab, gleiches galt für die Werbekunden.

Yahoo tut sich auch unter Mayers Regie schwer mit der zentralen Frage, an der schon mehrere ihrer Vorgänger scheiterten: Wie münzt man die Reichweite von mehreren hundert Millionen Nutzern in ein profitables Geschäft um? Zu Mayers Antwort gehörte ein Ausbau des Mediengeschäfts mit Investitionen in Themen-Websites und Video-Inhalte. So ließ sie die im TV abgesetzte Serie "Community" online wieder aufleben, bei der sie auf eine eingefleischte Fangemeinde hoffte. Dennoch brachte die Video-Offensive einen Verlust von 40 Millionen Dollar ein.

Jetzt will Mayer laut Medienberichten den Rotstift ansetzen. Nach Informationen der Tech-Journalistin Kara Swisher beim Silicon-Valley-Blog "Recode", die seit Jahren bestens über die Geschehnisse bei Yahoo informiert ist, analysiert Mayer gerade das Geschäft des Konzerns. Ihre Liste habe drei Rubriken: Investieren, beibehalten, aufgeben. Sie wolle mehr Geld in die Suche auf mobilen Geräten stecken, gut laufende Websites wie "Yahoo Finance" weiterbetreiben und den Stecker bei mehreren internationalen Diensten und mehreren Medienangeboten ziehen.

Damit einher gehen dürfte ein weiterer Stellenabbau, der am Dienstag bekanntgegeben werden könnte, heißt es unter Berufung auf Informationen aus dem Unternehmen. Zuletzt zog sich Yahoo bereits aus Mexiko und Argentinien zurück. Einer der ersten Schritte nach Mayers Amtsantritt war, das Geschäft in Südkorea dicht zu machen.

Der größte Konfliktherd bleibt die Frage, was mit der verbliebenen Alibaba-Beteiligung passieren soll. Sie kostet an der Börse ungefähr genauso viel, wie ganz Yahoo. Die Anleger sehen im Kerngeschäft des Konzerns also kaum noch einen Wert. Der ursprüngliche Plan war, den Alibaba-Anteil von 15 Prozent abzustoßen und den Erlös an die Aktionäre auszuschütten. Doch auch kurz vor dem geplanten Abschluss der Transaktion Anfang 2016 blieb unklar, ob sie steuerfrei umgesetzt werden kann. Der aktuelle Plan seit Anfang Dezember ist, statt des Alibaba-Anteils nun das bisherige Internet-Kerngeschäft in eine neue Firma auszulagern. Dabei könnten zwei börsennotierte Unternehmen entstehen. Gehören würde die neue Firma den bisherigen Yahoo-Anteilseignern. (dpa/rs)

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