Checkliste nachhaltiges Outsourcing

Zielkonflikte beim Outsourcing

02. Mai 2012
Von Alexander Müller-Herbst
  • 4. Entwicklung eines CSR-Kodex. Zumindest für Key-Supplier sollten Regeln niedergeschrieben sein, in denen die betroffenen Services, KPI und Zertifikate festgelegt sind. Sie können auch Selbstverpflichtungen des Dienstleisters enthalten, beispielsweise zu sozialen Themen wie Kinderarbeit. Hier sollten auch Maßnahmen im Fall von Regelverletzungen genannt werden, etwa Pönalien (wie sie bei SLA üblich sind) oder bei schwerwiegenderen Verstößen auch Kündigungsrechte.

CSR-Kodex, Implementierung und Governance

  • 5. Implementierung. Wie bei jeder Innovation sind die Chancen und Spielräume bei Ausschreibungen und Neuverhandlungen von Verträgen am größten. Im RfI, RfP etc. können die CSR-Anforderungen definiert und bei der Bieterauswahl berücksichtigt werden. Entsprechende Regeln in bestehende Beziehungen aufzunehmen funktioniert ebenfalls am besten, wenn z.B. neue Services integriert werden sollen.

  • Diese können auch als Pilotprogramme dienen, die bei Bewährung auf andere Bereiche ausgedehnt werden. Sinnvoll kann es auch sein, zuerst in Test- und Entwicklungsumgebungen, dann in ausgewählte Produktionssysteme und schließlich in die Breite zu gehen.

  • Auf jeden Fall sollten die Regelungen für beide Seiten akzeptabel sein und deren Interessen berücksichtigen. Wie schwer es sein kann, ein CSR-Thema in bestehende Verträge aufzunehmen, musste beispielsweise ein großer internationaler Konzern erfahren, der mit dem Thema Compliance/Korruption konfrontiert war. Er verlangte von allen Lieferanten Informationen über die familiären Beziehungen zwischen den eigenen Mitarbeitern und derjenigen der Dienstleister sowie die Art dieser Beziehungen. Nicht ein Lieferant war bereit, diese Anforderung zu erfüllen. Über das Ziel hinauszuschießen kann also das Scheitern einer Initiative nach sich ziehen.

  • 6. Governance. Wie jede Innovation muss auch das Thema Nachhaltigkeit in der Outsourcing-Beziehung nachhaltig gelebt werden. Dazu gehört das Reporting über das Einhalten des Kodex ebenso wie regelmäßige Reviews. Trotzdem wird bei diesem komplexen Thema ein gewisses Vertrauen unverzichtbar sein. Es kann zum Beispiel durch den Ruf des Dienstleisters am Markt oder auch durch eine langjährige Zusammenarbeit begründet sein. Ein Rest an Unsicherheit wird dennoch vor allem im internationalen Kontext bleiben, solange Zertifikate noch nicht breiter entwickelt werden und auch eine entsprechende Reife haben, die wiederum eine eigene, verlässliche Governance der ausstellenden Institution voraussetzt.