Elektronische Zollabwicklung

Zoll goes IT

04. November 2002
Von Marita Vogel
Nach massiven Startschwierigkeiten freunden sich mittlerweile viele Spediteure mit der neuen digitalen Einfuhrzollanmeldung Atlas an. Während Logistiker die kürzeren Wartezeiten loben, halten sich Industrieunternehmen, die ihre Zollanmeldungen selbst durchführen, noch zurück.
Wolfgang Schwab, Geschäftsführer CSF
Wolfgang Schwab, Geschäftsführer CSF

Wolfgang Schwab, Geschäftsführer CSF: "Um Atlas einsetzen zu können, muss für ein Netzwerk mit vier Arbeitsplätzen mit zirka 14000 Euro gerechnet werden."

Überschwemmte Grenzübergänge, unterspülte Straßen - die Flut im August stoppte auch vor den Zollstellen des sächsischen Grenzraums nicht. Die Zeitvorteile, mit denen die Zollverwaltung das IT-Verfahren Atlas anpreist, waren hinfällig. Im Hauruckverfahren mussten provisorische Grenzzollstellen eingerichtet werden, in denen das elektronische Abwicklungssystem läuft.

Denn ein Jahr nach seiner Einführung wird Atlas, das "Automatisierte Tarif- und Lokale Zoll-Abwicklungssystem", von den meisten größeren Speditionen in Deutschland intensiv genutzt. Kein Wunder: Die Kommunikation zwischen Wirtschaft und Zollverwaltung - traditionell ein nervenzerfetzender Papierkrieg - wird damit vollständig elektronisch abgewickelt. Speditionsmitarbeiter können im Büro die Einfuhrzollanmeldung erstellen, an die jeweilige Zollstelle mailen und auf die Antwort warten. Der Lkw-Fahrer, der später mit dem Gut am Schalter ankommt, fährt auf eine Sonderspur und holt sich die bereits bearbeiteten Anträge ab. "Manchmal sind unsere Fahrer nach zehn Minuten durch, während andere bis zu vier Stunden warten", sagt Ute Klaus von der internationalen Spedition Klaus aus Schulendorff.

Auch Jutta Krell zieht ein positives Fazit: "Unsere Branche ist mit Atlas mittlerweile sehr zufrieden", lobt die Atlas-Verantwortliche des Bundesverbandes Spedition und Logistik (BSL), Bonn, das Projekt. Die Umsetzung hat lange genug gedauert: Bereits 1997 fanden im Bundes-finanzministerium die ersten Atlas-Besprechungen statt; jahrelang dümpelte die Sache dort - ohne Beteiligung der Speditionen und absolut praxisfern - vor sich hin. Nachdem es 1999 "behördenmäßig chaotisch fast an die Wand gefahren wurde", wie ein Kritiker bemängelt, trat als Retter des Projekts der neue Leiter, Ditmer Sturies, auf. Der 57-Jährige richtete zuerst ein Kompetenzteam ein, in dem auch Unternehmensvertreter ihre Interessen einbringen konnten. Nach mehreren Terminverschiebungen ging Atlas dann im Sommer 2001 endlich bundesweit an den Start.

Kosten- und Zeitersparnis

Bisher scheint das IT-System die Erwartungen zu erfüllen: "Atlas führt tatsächlich zu einer enormen Zeit- und damit Kostenersparnis", sagt Hans-Peter Grage, Qualitätsbeauftragter und Atlas-Verantwortlicher der Osnabrücker Spedition Hellmann Worldwide Logistic. "Die Wartezeiten beim Zoll sind kürzer geworden, und die Einfuhrsteuerbescheide kommen sofort zurück. Früher dauerte das zwei Tage, bis sie per Post eintrafen." Bei einem monatlichen Einfuhrsteuervolumen von zehn Millionen Euro werden bei Hellmann durch den schnelleren Rechnungsversand erhebliche Zinsen gespart. Auch Fehler in der Anmeldung werden nun vom Zöllner schon kurz nach Eingang der E-Mail entdeckt und nicht erst, wenn der Container zur Abholung bereitsteht.