iPhone

Kommentar zu den neuen iPhones

Apple langweilt

11.09.2013, von

Daran, dass die Präsentation eines neuen Telefons mittlerweile wie ein Hochamt zelebriert wird, haben wir uns gewöhnt. Doch was Apple mit dem iPhone 5C und 5S präsentierte, war mehr als dürftig. Verliert der einstige Smartphone-King Anschluss an die technische Weiterentwicklung?

Computerwoche-Redakteur Jürgen Hill kommentiert Apples neue iPhone-Generation.Vergrößern
Computerwoche-Redakteur Jürgen Hill kommentiert Apples neue iPhone-Generation.
Foto: Joachim Wendler

In Redmond müssten angesichts der letzten iPhone-Präsentation eigentlich die Champagner-Korken geknallt haben. Wann, wenn nicht jetzt, waren für Microsoft die Chancen besser, verlorenes Terrain im Smartphone-Markt wieder gut zu machen? Blackberry, der einstige Star unter den Smartphones und lange das Non plus ultra für Unternehmenskunden schwächelt weiter und Apple, das Smartphones erst zu einem Massenmarkt machte, verliert die Innovationskraft. Eine Lücke, die Microsoft/Nokia mit ihren Lumias füllen könnten.

Das poppige Farbdesign, mit dem Apple nun beim 5C aufwartet, haben die Lumias bereits. Allerdings mit dem feinen Unterschied, dass sie deutlich weniger als ein iPhone 5C kosten. 599 Euro für ein Smartphone mit Technik aus dem letzten Jahr zu verlangen, kann man nur als dreist bezeichnen. Dass die einstige Edelmarke Apple dabei auch noch auf Plastik als Gehäusematerial setzt, entbehrt nicht einer gewissen Komik: In den letzten Jahren wurde immer wieder besonders betont, dass man - im Gegensatz zur Konkurrenz aus Korea - nicht auf billiges Plastik setze, sondern wertigere Materialien verbaue. Gleichzeitig dürfte es mit diesem Gerät kaum gelingen, in den immer wichtiger werdenden Märkten der Schwellenländer zu punkten. Will Apple diese Märkte wirklich kampflos der Konkurrenz überlassen?

Bereits 2007 hatte das Toshiba G500 einen Fingerabdrucksensor.Vergrößern
Bereits 2007 hatte das Toshiba G500 einen Fingerabdrucksensor.
Foto: Toshiba

Auch das neue 5S ist leider kein Hort der Innovation. Schnellere Prozessoren verbauen andere Hersteller in ihren neuen Modellen auch. Und ein Fingerscanner ist nun wirklich nichts Neues. Damit erlitt Toshiba schon 2007 mit dem Portégé G500 Schiffbruch, da die User dieses Features schlicht nicht wollten. Zudem muss die Frage erlaubt sein, wie der Fingersensor ein Sicherheits-Features sein soll, wenn ihm die Lebenderkennung fehlt. Wie solche Sensoren mit Tesafilm und Co. ausgetrickst werden, wurde schon zur Genüge demonstriert.

Absolut nicht verständlich ist, warum Apple noch immer keinen NFC-Chip verbaut - und das in Zeiten, wo alle Welt vom Zukunftsmarkt Mobile Payment spricht. Das Argument der Apple-Jünger, NFC brauche kein Mensch, da es eh keine Anwendungen gebe, sticht langsam nicht mehr. Messen wie der Mobile World Congress zu Jahresanfang zeigen zur Genüge, was mit der NFC-Technik alles machbar ist. Und sieht man einmal über den Apple-Tellerrand hinaus und blickt nicht nur auf Deutschland, dann finden sich Städte wie Nizza, wo NFC im öffentlichen Nahverkehr, in Museen etc. längst zum gelebten Alltag gehört. Zudem dürfte es die zahlungskräftige iPhone-Klientel künftig sicherlich nicht cool finden, wenn die Freunde mit Android-Gerät im Hotel ihre Zimmertüre per Smartphone öffnen und sie selbst noch eine der altmodischen Schlüsselkarten benötigen, weil ihr Handy kein NFC spricht.

Das Smartphone als Türöffner - für iPhone-User bleibt das weiterhin ein Traum, da Apple kein NFC-Chip verbaut.Vergrößern
Das Smartphone als Türöffner - für iPhone-User bleibt das weiterhin ein Traum, da Apple kein NFC-Chip verbaut.
Foto: HID

Unter dem Strich bleibt Apples iPhone-Vorstellung eine Enttäuschung: Innovativ ist etwas anderes und potenzielle Sicherheitsprobleme (laut Berichten eines deutschen Nachrichtenmagazins witzelt man bei der NSA über iPhone-Benutzer als Zombies, weil der remote Zugang zu den Geräten so einfach ist) werden totgeschwiegen. Die Situation erinnert ein wenig an den Niedergang von RIM/Blackberry. Sich auf ihren Lorbeeren ausruhend verschliefen die Kanadier ebenfalls aktuelle Markttrends. Als das Management dann aufwachte, war es bereits zu spät und Blackberry spielte im dynamischen Smartphone-Markt keine Rolle mehr. Immerhin gibt die nächste iOS-Version 7 Anlass zur Hoffnung, da sie mit einigen interessanten Features aufwartet - und an einem möglichen Duopol aus Android und Windows Phone kann nun wirklich niemand Interesse haben, denn Innovation wurde bislang immer durch Konkurrenz und Wettbewerb gefördert.

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daB - 13.09.2013 12:16
Diesen Artikel kann ich nur als peinlich bezeichnen´. Er erinnert mich an die Niedermache von Microsoft Windows8. Anderen hinterhergeheult ohne wirklich reellen Bezug oder wahrhaftige Recherche. Einzig wahr ist die fehlende NFC-Funktion. Das negative Kommentieren der C-Version könnte man mit einem Augenzwinkern noch hinnehmen. Aber zu behaupten es gäbe keine wirkliche Innovation ist weit übertrieben. Zumal es schwer ist an einem solchen Produkt noch wirklich etwas zu verbessern was einem geforderten Quantensprung gleichkäme. Auch Fehlinformationen zu verbreiten was den Fingerabdruckscanner des IPhone 5S betrifft, ist nicht wirklich hilfreich. Erst überprüfen und dann schreiben. Oder abwarten was die Realität bringt. Aber - ich vergaß - das bringt ja keine Leserzahlen.
Lang - 12.09.2013 17:07
Es ist leicht gefordert, dass es jedes Jahr was ganz neues gibt. Die Realität ist aber, dass neue Produkte anfangs eine sehr hohe Innovationsrate haben die mit der Zeit immer weiter nachlässt.
G.Bayer - 12.09.2013 14:43
Sorry es sollte natürlich heißen, ... ich kann dem Artikel nur zustimmen :-)
G.Bayer - 12.09.2013 14:36
Es wird eben immer schwieriger die Kunden ständig zu einem Neukauf zu bewegen. Aber wenn es keine wesentlichen Verbesserungen gibt sollte lieber den Ball flach halten. Ist wohl nur eine Frage der Zeit bis die Appel Gemeinde merkt, dass ein Apfel nicht alles ist. Es gibt (zum Glück) auch andere Inovative Anbieter. Ich kann dem Artikel nicht zustimmen.
Rolf Hartmann - 11.09.2013 18:19
Ist zwar ein bisschen übertrieben, was der gut Mann da abseiert, aber leider hat er auch nicht ganz unrecht. Das fehlende NFC dürfte für einige potentielle Käufer ein Hinderungsgrund sein, das 5s zu kaufen. Den Fingerabdrucksensor finde ich hingegen sehr gut, auch wenn er angeblich keine Lebenderkennung hat. M. E. stimmt das nicht, denn der Scanner scannt subcutan, also auch die unteren Hautschichten. Mit einem Tesafilm ist dann also nichts zu machen. Kurz: Wieder einmal ein Kommentar, der versucht, einem Produkt, das kaum noch verbessert werden kann, am Zeug zu flicken. Soll er doch eine koreanische Reisschüssel oder ein supertolles Windows-Phone (baaahhhh!!!) kaufen, wenn er glaubt, damit glücklicher zu werden.
luminous - 11.09.2013 16:56
Herr Hill, Sie erwarten dem Artikel nach, dass Apple statt Modellpflege wie jeder andere Hersteller, jedes Jahr einen hochinnovativen Quantensprung veranstaltet und Produkt-Feuerwerke platzen lässt? "Langweilig" finde ich nun eher diesen Artikel.
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