| Inhalt dieses Artikels: | |
| Kennzahlensysteme und ihre Schwächen | |
| Kennzahlen-Systeme - was auf Schwächen hinweist | |
31.03.2010, von Katharina Friedmann
Vizethum hat die wichtigsten Indizien zusammengestellt, die auf typische Schwächen der bestehenden Kennzahlensysteme hinweisen:
Die Interpretation der Kennzahlen wird subjektiven Einschätzungen überlassen: Obwohl auf Basis von Kennzahlen Unternehmensentscheidungen von mitunter weitreichender Bedeutung getroffen werden, fehlt für eine möglichst sachgerechte Bewertung häufig ein klarer und ganzheitlicher Orientierungsrahmen mit übergreifenden und Werte schaffenden Unternehmenszielen, ausgerichtet am Geschäftsmodell. Als Folge bleibt die Interpretation der Kennzahlen dem sehr spezifischen Verständnis sowie der Sichtweise einzelner Personen oder Gruppen (Teams oder Abteilungen) überlassen. Dadurch können Entscheidungen von subjektiven Sichtweisen statt gesamtheitlichen Interessen geprägt sein.
Es besteht Unklarheit, wie eine Kennzahl entstanden ist: Die Analyse von Sachverhalten im Business, etwa die Ermittlung einer bestimmten Stornoquote für ein Produkt, unterstützt nur begrenzt bei Entscheidungen. Die Frage, warum es zu diesem Sachverhalt (etwa der betreffenden Stornoquote) gekommen ist, lässt sich allein aus einer Kennzahl heraus nicht beantworten. Das Wissen um die Herkunft einer Kennzahl ist jedoch eminent wichtig, denn nur anhand einer Ursachenbetrachtung können die notwendigen Maßnahmen zur Optimierung eingeleitet werden.
Es ist nicht nachvollziehbar, warum sich eine Kennzahl verändert hat: Die kontinuierliche Veränderung etwa von Kundenverhalten oder Wettbewerbsbedingungen drückt sich auch in der positiven oder negativen Entwicklung der Kennzahlen aus. Um jedoch daraus die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen zu können, müssen die Einflussfaktoren für die Veränderungen verständlich sein. Ist diese Transparenz nicht oder nur unzureichend gegeben, weist dies sowohl auf eindeutige Schwächen im Kennzahlenkonzept als auch auf einen Mangel an substanziellem Wissen über die Herkunft der Kennzahlen hin.
Es werden isolierte Betrachtungen der Kennzahlen vorgenommen: Die Business-Verhältnisse sind meist sehr komplex. Dadurch ist die Aussagekraft einer einzelnen Kennzahl häufig begrenzt, weil sie in einem breiteren Kontext betrachtet werden beziehungsweise eine Bewertung der Gesamtsituation erfolgen müsste - beispielsweise, ob ähnliche Auffälligkeiten in der Verkaufsentwicklung unterschiedlicher Produkte in einer bestimmten Zielgruppe bestehen. Fehlt diese Kenntnis, besteht die Gefahr, durch einen zu isolierten Blick bei den Rückschlüssen auf der falschen Fährte zu landen.
Die Zusammenhänge von Kennzahlen sind nicht transparent: Die Bewertung von Kennzahlen selbst in einem breiteren Kontext hat ihre Grenzen, wenn die mitunter sehr komplexen Wirkungsbedingungen verschiedener Kennzahlen unbekannt sind. Solche Wirkungsverhältnisse zu verstehen, muss jedoch Ziel sein, damit ein gesichertes Verständnis der zu bewertenden Gesamtsituation von Wertschöpfungsprozessen möglich wird.
Die analysierten Kennzahlen bieten keine praktischen Handlungsempfehlungen an: Die Beschränkung auf bloße Zahlen in den Reports lassen den Entscheider allein: Im günstigen Fall beschreiben sie zwar einen ausreichend verständlichen Status, im Regelfall sind sie jedoch frei von Hilfestellungen für die daraus resultierenden erforderlichen Entscheidungen. Handlungsempfehlungen und Interpretationshilfen könnten hingegen positiv bewirken, dass sich die Entscheidungen durchgängig an übergreifenden Geschäftszielen orientierten.
Kennzahlen sind widersprüchlich: In der Praxis sind inhaltlich identische Kennzahlen in verschiedenen Datenbankanwendungen oft mit unterschiedlichen dimensionalen Ausprägungen und in unterschiedlicher Granularität vorhanden. Die Folge sind abweichende Kennzahlen für den gleichen Sachverhalt. Eine solche Inkonsistenz verursacht hohen Koordinationsaufwand, aber auch Unsicherheit, Missverständnisse und Misstrauen, so dass sie ein erhebliches Risikopotenzial in den Entscheidungsprozessen erzeugen.
Angesichts der allgemeinen Tendenz, selbst sehr komplexe Verhältnisse auf einfache Zahlen zu reduzieren, um bequemere Entscheidungsprozesse zu schaffen, seien derartige Schwächen in fast allen Unternehmen anzutreffen, berichtet Vizethum. Das erhöhe allerdings die Gefahr von Fehlinterpretationen. Als eine Lösung empfiehlt der Berater das so genannte Kennzahlen-Profiling. Damit könnten Unternehmen ihren Kennzahlen eine deutlich höhere Aussagekraft verleihen.
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