E-Commerce

Beinahe Millionen-Schaden

Otto muss falsche Gutscheine stornieren

27.11.2012, von Hartmut Wiehr

50.000 Bestellungen gingen am Sonntagabend bei Otto ein, die auf gefälschten Gutscheinen beruhten. Verbreitet wurden sie über soziale Netze.

Einige der Slogans, mit denen der Otto-Versand seit langem für sich wirbt, lauten "Otto find‘ ich gut" oder "Mein Otto". Dies fanden am vergangenen Sonntag auch zahlreiche Online-Kunden, die für ihre Bestellungen Gutschein-Codes benutzten, die frei in sozialen Netzwerken kursierten. Allerdings kamen sie nicht vom Otto-Versand selbst, sondern waren Fälschungen.

Der Otto-Versand ist durch die starke Online-Konkurrenz von Amazon, Zalando und anderen unter Druck geraten. Mit Gutscheinen will man dagegen halten. Wie die aktuelle Panne zeigt, klappt das nicht immer.Vergrößern
Der Otto-Versand ist durch die starke Online-Konkurrenz von Amazon, Zalando und anderen unter Druck geraten. Mit Gutscheinen will man dagegen halten. Wie die aktuelle Panne zeigt, klappt das nicht immer.
Foto: Otto

Otto merkte dies erst nach Stunden, als am Sonntagabend bereits 50.000 solcher Bestellungen eingegangen waren. Als Grund für diese Panne spricht man bei Otto von einem nicht näher ausgeführten "technischen Problem": "Auch Otto ist vor technischen Problemen nicht immer gefeit. Am Sonntagabend hatte genau ein solches technisches Problem dazu geführt, dass Besteller beliebig oft auf immer die gleichen nicht autorisierten Gutscheincodes zurückgreifen konnten."

Gutscheine für 88 bis 400 Euro

Als man es in der IT dann doch bemerkte, war es fast schon zu spät: Die 50.000 "nicht autorisierten" Gutscheine beruhten auf einer Preisspanne von 88 bis 400 Euro und hätten voraussichtlich zu einem finanziellen Schaden von mindestens 5 Millionen Euro geführt. So ist es erst einmal nur bei einem nicht unbeträchtlichen Image-Schaden geblieben.

Die Aktion trifft einen Versender, der sich einer zunehmenden Konkurrenz durch große Online-Shops wie Amazon oder Zalando ausgesetzt sieht. Diese gewinnen durch aggressive Preisgestaltung, viele Sonderaktionen oder kostenlosen Versand und Umtausch immer größere Marktanteile.

Otto Group (Mehr Fakten über die IT in diesem Unternehmen)
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Godelef Kühl - 29.11.2012 17:57
Unternehmen aus dem Versandhandel unterliegen einer enormen Marktdynamik. Wie kaum eine andere Branche muss sie sich permanent mit technischen Neuerungen zur intensiven Kundenausrichtung und rasant steigenden Wettbewerbssituation auseinander setzen. Die Gutschein-Panne bei Otto zeigt, dass eine moderne, leistungsstarke und zuverla¨ssige ERP-Lo¨sung, die sa¨mtliche Businessfunktionen abdeckt, heute das A und O ist. Von außen betrachtet la¨sst sich nicht sicher sagen, an welcher Stelle der Fehler aufgetreten ist, vermutlich aber war die bei Otto im Einsatz befindliche Gutschein-Engine fehlerbehaftet. Otto hat wahrscheinlich Gutschein-Codes ausgegeben, die bei der Bestellannahme nicht auf ihre Gu¨ltigkeit gepru¨ft worden sind, so dass einige findige User Codes mehrfach verwenden konnten. Das Resultat: 50.000 Bestellungen und Auftra¨ge in einem hohen einstelligen Millionenwert mussten storniert werden. Und wie man der Medienberichterstattung entnehmen kann, war es fu¨r Otto nicht einmal mo¨glich, den ehrlichen Kunden vom „kreativen“ Einka¨ufer zu unterscheiden. Mit einer innovativen Gutschein-Engine ha¨tte diese Technik-Panne vermieden werden ko¨nnen. Diese pru¨ft vor der Ausgabe die Gu¨ltigkeit der Gutscheine respektive entwertet sie nach dem Einlo¨sen automatisch. Damit sind Unternehmen stets auf der sicheren Seite. Godelef Ku¨hl, Gru¨nder und Gescha¨ftsfu¨hrer des Mainzer ERP-Anbieters godesys
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