E-Commerce

Blitz-Expansion

Zalando - eine Nummer zu groß?

09.01.2013, von Rebecca Eisert

Die Profitabilität wurde immer wieder angezweifelt. 2009 wies das Unternehmen im Bundesanzeiger einen Fehlbetrag von 1,6 Millionen aus - 2010 waren es 20,4 Millionen. Alles kein Drama, findet Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein. "Verluste sind in der Anlaufphase völlig normal". An der bisherigen Erfolgsgeschichte von Zalando hat der Experte wenig zu mäkeln. "Zalando hat bisher mehr richtig als falsch gemacht."

Für die Blitzexpansion innerhalb von ein, zwei Jahren hat das Unternehmen viel Geld in die Hand genommen - mehrere hundert Millionen, so schätzen Experten. "Das ist im E-Commerce absolut notwendig und richtig." Zalando sei mit dem Mut zur Investition in der Größenordnung im deutschen Handel die Nummer eins. "Der Break-Even ist erst nach etwa sechs Jahren erreicht", weiß Heinemann "Zalando ist also gerade mal auf der halben Strecke und macht bisher einen guten Job."

Ein bisschen wie bei Amazon

Beim Blick auf die Umsatzentwicklung dürften manchem gestandenen Händler die Augen übergehen: 150 Millionen im Jahr 2010, schon 510 Millionen im Jahr 2011 und Ende 2012 will Zalando die Milliardenmarke knacken. Nicht schlecht für eine Schuh-Bude, die 2008 als Traum vom großen Geschäft der beiden Uni-Absolventen Robert Gentz und David Schneider in Berlin ihren Anfang nahm. Ihr Büro diente als Warenlager, der Service lief über ihre Mobiltelefone.

In nur drei Jahren hat sich Zalando einen Marktanteil von acht Prozent im Schuhhandel erarbeitet. Im Ranking Deutschlands beliebtester Händler der Beratergesellschaft OC & C liegt der Onlinehändler bereits auf Platz 15 und nach einer Studie von Nielsen Media Research vom Sommer dieses Jahres ist Zalando die unangefochtene Nummer eins der Fashion-Anbieter im Internet.

So viel Erfolg ruft Neider auf den Plan. Die Debatte erinnert an die Anfänge von Amazon. Vor gut zehn Jahren traute kaum jemand den verrückten Amerikanern zu, jemals schwarze Zahlen zu schreiben. Heute ist Amazon der größte Onlinehändler der Welt "zerlegt den deutschen Buchhandel", wie Heinemann es ausdrückt und ist auch von einem aggressiven Emporkömmling wie Zalando nicht mehr einzuholen.

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