Pay as you drive

Wer rast, zahlt mehr

26.06.2007, von Johannes Klostermeier

In Deutschland will die Württembergische Gemeinde-Versicherung (WGV) aus Stuttgart etwas Ähnliches versuchen. Als Erstes startet sie mit der Verkehrssicherheitsstudie "young & safe" ein Pilotprojekt mit 1.500 Fahranfängern. Es soll ihnen ein finanzielles Anreizsystem bieten, nicht schneller zu fahren als erlaubt. Die WGV bietet dafür um 30 Prozent niedrigere Prämien. Die technische Basis bildet eine im Auto eingebaute Freisprechanlage oder ein PDA von HP, in denen ein GPS-System integriert ist, das die Bewegungsdaten des Fahrzeuges erfasst. Die Kunden müssen zu der Freisprechanlage einmalig 500 Euro dazubezahlen.

15 Sekunden, um vom Gas zu gehen

Das in den Autos eingebaute Fahrerassistenzsystem überprüft die zulässige Geschwindigkeit und warnt bei Überschreitungen. Dann muss der Fahrer innerhalb von 15 Sekunden vom Gas gehen. Bei längerer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit wird auf der On Board Unit ein Minuspunkt inklusive zulässiger Höchstgeschwindigkeit und gefahrener Geschwindigkeit gespeichert. Das darf nur zwölfmal im Jahr passieren, denn beim dreizehnten Mal wird der gewährte Rabatt widerrufen. Während Datenschutz bei den britischen Nachbarn kein großes Thema ist, ist die "Big Brother"-Furcht hierzulande weit verbreitet. "In Deutschland ist die Verfolgung von Bewegungsmustern sehr kritisch. Wir haben deswegen alles gründlich mit den Datenschützern abgestimmt", sagt Achim Schweizer, Abteilungsleiter Kfz-Versicherungen bei der WGV. Deshalb werden die Maluspunkte nur auf der On Board Unit gespeichert und erst bei Überschreitung des Punktestandes verschlüsselt an die WGV weitergeleitet.

Telematik: Weitere Kontrollansätze.Vergrößern
Telematik: Weitere Kontrollansätze.

Der Versicherungsnehmer kann jedoch jederzeit seinen Punktestand abrufen. Dieser wird vom Versicherungsnehmer angefordert und bei der nächsten Fahrzeugbewegung über den Betreiber aus der On Board Unit abgerufen. Der Versicherungsnehmer kann dann über seinen Schlüssel die Daten einsehen. Für Betreiber und Versicherung sind die Daten nicht lesbar

HP dient als Systemintegrator der fünf am System beteiligten Firmen. "Es ist ein völlig neues Geschäftsmodell für Versicherungen. Die Resonanz auf das Projekt ist sehr gut", freut sich Uwe Krüger, Berater für Mobilty und Multimedia bei HP. PAYD ermöglicht durch die durchgängige elektronische Übermittlung aller relevanten Daten auch die Industrialisierung der Abläufe, bestätigt Detecon. Da die Fahrtdaten automatisch erfasst, übertragen und in Prämien umgerechnet werden, erwarten die Versicherungen sinkende Bearbeitungs- und Produktkosten. Und für die Versicherten liegt der Vorteil auf der Hand: Sie sind nicht mehr gezwungen, Fahrer mit hohen Risiken mitzufinanzieren, nur weil sie das gleiche demografische Profil aufweisen.

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Andreas Grahl, Leiter Bankbetrieb der Allianz Deutschland AG
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