Healthcare IT


Arzt- und Kliniksysteme

Standard in Reichweite

Eigentlich tut sich der IT-Chef des Freiburger Uniklinikums Udo Timmermann mit internen IT-Standards uniklinikgemäß schwer. Dafür könnte sich bald im „intersektoralen Austausch“ etwas tun. Mit der elektronischen Fallakte und der Marktkonzentration der Compugroup auf Arztpraxissysteme sieht Timmermann einen Standard in Reichweite.
Udo Timmermann, IT-Chef, Universitätsklinikum Freiburg zur elektronischen Gesundheitskarte: "Nachdem das technische Konzept stand, stellte man fest, dass die Prozessabläufe in der Arztpraxis und im Krankenhaus so nicht optimal unterstützt werden konnten."
Udo Timmermann, IT-Chef, Universitätsklinikum Freiburg zur elektronischen Gesundheitskarte: "Nachdem das technische Konzept stand, stellte man fest, dass die Prozessabläufe in der Arztpraxis und im Krankenhaus so nicht optimal unterstützt werden konnten."
Foto: Uniklinik Freiburg

Herr Timmermann, Sie setzen seit Ende der 80er Jahre ein System für die stationäre und ambulante Patientenversorgung ein, das die IT der Uniklinik selbst entwickelt hat. Ist das nicht ein Anachronismus zu den Standardisierungsbemühungen in Kliniken derzeit?

Es stimmt, wir haben 1989 ein neues System für das Patientenmanagement und den klinischen Arbeitsplatz gesucht. Und uns seinerzeit für die Eigenentwicklung entschieden, weil am Markt kein System zu bekommen war, das unseren Anforderungen genügte. Seitdem haben wir unsere Software natürlich auch redesigned und es den aktuellen Anforderungen angepasst. Mit dem Eigensystem haben wir den Vorteil, dass die Anwendung sehr stark auf unsere individuelle Prozesse angepasst ist und wir sind nicht teurer, als mit einer der etablierten Lösungen wie Orbis, i.s.h. med oder andere. Das Customizing zum Abbilden der eigenen Organisationsabläufe ist doch manchmal sehr aufwändig.

Oder liegt es an der Universitätswelt, die ja den Klinikbetrieb und die Wissenschaft unter einen Hut bringen muss?

Es ist natürlich im wissenschaftlichen Umfeld eine besondere Herausforderung, Standards durchzusetzen, denn mit dem Hinweis auf die Freiheit von Forschung und Lehre stehen einige Exoten gewissermaßen „unter Artenschutz“. In einem Universitätsklinikum ist die Forschung stark mit der Krankenversorgung verwoben. Dennoch setzen wir alles daran, kontinuierlich die Prozesse in den Kliniken zu verbessern und zu verschlanken. Da aufgrund von QM-Maßnahmen innerhalb der Abteilungen die Organisation schon angepasst wurde, sehe ich besonderes Verbesserungspotenzial derzeit noch bei den interdisziplinären Prozessen. Hierfür sind zentrale Systeme notwendig, die die Patientenbewegungen optimal unterstützen und steuern. Notwendig ist aber in jedem Fall eine gute Prozessanalyse und Festlegung der Organisationsabläufe. Erst danach sind die Informatiker gefragt, wie sie die Abläufe mit Hilfe der IT unterstützen können. Zunächst sollten die Prozesse stehen, ehe die technische Lösung nachgezogen wird.

Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ist das beste Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte …

Bei der Entwicklung der eGK stand zunächst die Technik im Vordergrund. Die Gematik fühlte sich für die Prozessanalysen auch nicht zuständig. Nachdem das technische Konzept stand, stellte man fest, dass die Prozessabläufe in der Arztpraxis und im Krankenhaus so nicht optimal unterstützt werden konnten. Jetzt sind aufgrund der Erfahrungen in den Testregionen Veränderungen und Anpassungen notwendig, die man hätte vermeiden können.

Meiner Meinung nach, sind noch viele Fragen offen, auch jene, ob es so überhaupt in vollem Umfang machbar ist. Wir sind vom Arbeitskreis der Leiter der Rechenzentren der Universitätskliniken zusammen mit anderen Interessengruppen sogar beim Gesundheitsministerium gewesen, um die Probleme zu diskutieren und unsere Unterstützung anzubieten, leider mit nur geringem Erfolg.

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