Klinik-IT muss Industrie-Wissen nutzen

Aus dem Unterpriviligierten-Status herauskommen

Autor(en): Alexander Freimark

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Um aus seinem Unterprivilegierten-Status herauszukommen, muss der Klinik-IT-Chef die Lernkurve nutzen, die Industrie-CIOs schon hinter sich haben. Die CIOs der Uniklinik Aachen, des Klinikums Rechts der Isar und eines Amberger Klinikums zeigen, was das heißt.

Udo Poth, CIO, Klinikum Rechts der Isar: Vergrößern
Udo Poth, CIO, Klinikum Rechts der Isar: "Die Subsysteme in der Klinik sind funktional sehr viel mächtiger als ihre"
Angesichts der bedeutenden Stellung des Arztes im Krankenhaus und seines über Generationen gewachsenen Selbstverständnisses wundert es nicht, dass sich andere Funktionsträger der Healthcare-Branche schwer tun, aus dem Schatten der Mediziner zu treten. Dies betrifft auch die IT in der Klinik, an deren Spitze sich im Gegensatz zur Industrie die modische Abkürzung "CIO" noch nicht etabliert hat. Im Bereich Healthcare amtieren IT-Leiter, in deren Positionsbeschreibungen häufig der Begriff "Rechenzentrum" sämtliche technologischen Hype-Wellen überstanden hat. Das klingt nicht wirklich zeitgemäß, und irgendwie hat man das Gefühl, darauf komme es im Krankenhaus auch gar nicht an.

Den traditionellen Vorwurf aber, die IT in der Klinik sei angestaubt und führe seit jeher das Leben auf einer isolierten "Technologieinsel", will Udo Poth zumindest für sein Haus nicht gelten lassen. Der Manager leitet die IT im Klinikum Rechts der Isar (MRI) der TU München, ein Großbetrieb mit über 1.000 Betten. "Wir steuern Prozesse, haben eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung und bieten alle anderen IT Funktionen eines Industrieunternehmens“, trägt der Manager als Argumente vor. Und in der Tat sieht altbackene Datenverarbeitung anders aus: Das MRI arbeitet mit Service-orientierten Architekturen (SOA) in der Intensivmedizin, mit Fluid-Management für Körpersäfte und der Finite- Elemente-Methode (FEM) zur Wiederherstellung von Körperpartien.

IT-Manager wähnen sich industrietauglich

Auch in der Universitätsklinik Aachen bedient sich IT-Leiter Volker Lowitsch gängiger IT-Technologien und -Verfahren zur Steuerung sowie Kontrolle des Betriebs: "Wir haben 2005 begonnen, eine umfangreiche Business-Intelligence- Umgebung zu etablieren", berichtet der Manager, der wie Poth auch vor dem Wechsel ins Krankenhaus in der Industrie tätig war. In Aachen wird BI als Integrationsplattform genutzt, um Informationen aus medizinischen und kaufmännischen Systemen zusammenzuführen. Alle Teilkliniken erhalten Auswertungen über ein Webportal; monatsgenaues Reporting zeigt ihre Erlöse und den internen Ressourcenverbrauch.

In der Industrie gehört das ab einer gewissen Firmengröße auch zum guten Ton. Rund 80 bis 90 Prozent seiner Arbeit haben mit Informations- und Materiallogistik zu tun, berichtet Lowitsch: "Diese Steuerung ist auch Aufgabe eines Industrie-CIOs, daher sehe ich keinen großen Unterschied." In den betriebswirtschaftlichen Prozessen falle die Abweichung ebenfalls nicht ins Gewicht, sagt Dietmar Bräuer, IT-Leiter des Amberger Klinikums St. Marien.

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