9 Absagegründe

Unzuverlässigkeit ist das Aus für Freiberufler

13.03.2012, von

Kurz vor Projektstart springt der externe IT-Spezialist ab - das ist für neun von zehn Entscheidern ein Grund, den Freien nie wieder zu engagieren. Überhaupt richtet sich Kritik an Freelancern vor allem gegen deren Unzuverlässigkeit, wie die Projekt-Börse Gulp berichtet.

Der Markt meint es derzeit gut mit IT-Freelancern - was diese offenbar übermütig macht. Endkunden wie Projektanbieter klagen über Unzuverlässigkeit bei IT-Freien. Das geht aus einer Umfrage der Münchener Projektbörse Gulp hervor. Teilgenommen haben 107 Projektanbieter und 15 Einkäufer in Unternehmen.

Wie freie IT-Fachleute laut Gulp ihre Kunden vergraulen.Vergrößern
Wie freie IT-Fachleute laut Gulp ihre Kunden vergraulen.
Foto: Gulp

Die Autoren der Umfrage wollten wissen, aus welchen Gründen Entscheider die Zusammenarbeit mit einem IT-Freien für immer beenden würden. Hauptgrund für neun von zehn Befragte: Der Freie springt trotz Zusage kurz vor Projektstart wieder ab.

Fast ebenso viele, 81 Prozent, würden nie wieder einen Freelancer beauftragen, der das Projekt wegen eines attraktiveren Angebots abbricht. Mehr als jedem Zweiten (53 Prozent) reicht es schon, wenn der Externe einen Interviewtermin nicht einhält.

Alles kreist um Unzuverlässigkeit

Alle diese Punkte kreisen um das Thema Unzuverlässigkeit. Wie Gulp berichtet, tauchte dieses Stichwort auch unter dem Sammelbegriff "Anderes" auf. Hier konnten die Befragten freie Angaben machen - und nannten oft Unzuverlässigkeit, Nichteinhalten von Terminen und Nichteinhalten von Stundenabsprachen als Probleme mit Freien.

www.ABAP-Entwickler.de.ms - 10.05.2012 09:17
"Endkunden klagen über Unzuverlässigkeit bei IT-Freien." Nun liebe Endkunden, auch wenn Ihr es nicht gerne hört: Fasst Euch bitte einmal an die eigenen Nasen! Stellt die IT-Freiberufler wieder direkt ein, anstatt nur noch über 'Seelenverkäufer' - sorry, Prefered Supplier!? Der Freiberufler erbringt die Leistung [Punkt]. Warum dürfen die Seelenverkäufer dann den Löwenanteil der Entlohnung einsacken? Sie, als Endkunde, zahlen 250,- Euro pro Stunde und erwarten eine entsprechende Gegenleistung. Beim IT-Freien kommen aber nur 60,- bis 70,- Euro pro Stunde an, damit kann der Freiberufler keine Gegenleistung im Wert von 250,- EUR erbringen... Ein Freiberufler, der unterm Strich weniger bekommt als ein IT-Festangestellter (70...80 EUR/Stunde), kann auf lange Sicht seine Aufgaben nicht erfüllen. Woher soll das Geld für dringend notwendige Schulungen, zur Überbrückung von Krankheits- sowie Leerlaufzeiten und last but not least für die Altersrücklagen ('Rente') kommen? Was Sie als Unzuverlässigkeit wahrnehmen, ist in wirklichkeit 'reine Notwehr'. Quintessenz: -------------- Beschäftigen Sie die Freiberufler direkt, damit sich Leistung und Entlohnung wieder decken - dann haben Sie auch keine Unzuverlässigkeitsprobleme mehr! .
Anonymer User - 30.03.2012 13:05
Der nächste Fall ist Computacenter. Computacenter sollte man aus meiner Sicht eben so wie einige andere Beratungshäuser dem Bundeskartellamt melden. In viele Konzerne kommt man nur über zwei oder drei dieser Sklavenvermittler rein und die wissen das und nutzen es auch aus. So ist mir mit Computacenter unter anderem folgendes passiert: Es wurden ohne Vorankündigung Folgebeauftragungen verändert. So hat CC, um Kunden zu halten, einfach mal Rufbereitschaften in den Leistungsumfang aufgenommen und das für mich als Freelancer zum Endpreis von 4,00 Euro pro Stunde! Als ich dann anmerkte, dass mich mein Büro und der Strom mehr kosten und ich (7 Tage pro Woche Rufbereitschaft) ein Problem hätte von Montag 18:00 bis Montag 09:00 Uhr Rufbereitschaften zu machen und ich auch nicht die Möglichkeit sehe am Montag in der Nacht eine Störung zu bearbeiten und dann, wie vom Kunden gewünscht, auch noch um 09:00 Uhr vor Ort zu sein, da schlug man das in den Wind. Der Kunde war so schlecht aufgestellt, dass man jede Nacht 2-3 mal geweckt wurde. Allein der Ausfall der dadurch entstand, dass man am Freitag früher abreisen musste und oft am Montag nicht anreisen konnte war erheblich. In der IT zieht langsam eine Art des Umgangs mit den Experten ein, die uns wie leicht auszutauschende Hampelmänner einstuft. Vor einigen Jahren habe ich mal den CEO einer Niederlassung einer großen Lebensmittelkette am Mittagstisch gehabt. Der sagte wortwörtlich: Für uns sind die EDV Experten nichts anderes als unsere LKW Fahrer, Mittel zum Zweck, und dafür haben die zu hohe Gehaltsvorstellungen. Ich dachte nur: Was kostet ein LKW, welches know how braucht man, um ihn zu fahren? Wer auf dem Niveau Leute sucht, der muß sich nicht über Fluktuation wundern. Mit Experten geht man anders um, als es derzeit in Deutschland üblich ist. Die Drohung mit "Blue Card" Experten zu bekommen finde ich lächerlich. Deutsch ist sehr schwer zu lernen und man muss auch die Eigenheiten unserer Gesetzgebung kennen, wenn man hier ordentlich arbeiten will. Woran erkennt man schlecht laufende Unternehmen? An der Fluktuationsrate! Ein anderer Punkt ist der, dass die meisten IT Freelancer falsch eingesetzt werden. Früher ging ich mal ein paar Tage zu einem Kunden und bekam dafür astronomische, auch für heutige Verhältnisse, Tagessätze. Man löste ein konkret anstehendes Problem und verschwand wieder. Heute suchen die Unternehmen eher Angestellte. Programmierer, Administratoren auf Zeit. Ein IT Freelancer ist jedoch ein Experte, der Probleme im Bruchteil der Zeit löst, die andere benötigen. Leider ist der Markt seit ein paar Jahren komplett versaut. Vor 20 Jahren war ich als Externer die Ausnahme in Unternehmen. Heute sitzen in jeder IT Abteilung etwa 50-75% Externe und die meisten haben zu geringes know how. Mal eben einen MCSE Lehrgang oder vergleichbares besucht reicht nicht aus, um als Berater in komplexen Umgebungen tätig zu sein. Aber, das sind ja auch keine Berater sondern meist Administratoren und Programmierer. Da kommen wir zu dem nächsten Problem: Die Einstellungsvoraussetzungen in den meisten Unternehmen. Man beschäftigt zwar einen externen Programmierer/ Admin für 70,00 Euro pro Stunde über Jahre aber dem Angestellten will man dann 3.000,00 im Monat zahlen und der sollte mindestens ein Diplom und zwei Master mitbringen, um einen Sharepoint zu administrieren. Die Branche müsste eigentlich gesund schrumpfen und die, die keine Freelancer sind müßten den Markt verlassen oder eben über einschlägige Zeitarbeitsfirmen und nicht die sogenannten "Consultingfirmen" in die Unternehmen gelangen.
Anonymer User - 29.03.2012 12:22
Gerade Gulp hat gut reden. Ich habe von Gulp mal ein Angebot in der Schweiz bekommen. Schöner Vertrag. 6 Monate Laufzeit, guter Stundensatz. Ich fahre an einem Samstag in die Schweiz, wohne bei Berlin, bis nach Bern. Wohnung gemietet etc.. Ich komme am Abend in Bern an und rufe meine Frau an und die sagt mir: Heute ist ein Brief von Gulp gekommen. Soll ich den öffnen? Der Brief enthielt eine Vertragsänderung. Die Laufzeit wurde von 6 Monaten auf 6 Wochen reduziert und der Stundensatz ebenso. Das war ein Lockangebot. Ich bin am selben Abend wieder zurück gefahren. Gulp ist ein unseriöser Laden. Punkt! Natürlich hatte der Endkunde dafür kein Verständnis. Und? In Deutschland dreht sich jeder der Macht hat die Wahrheit so, wie er sie gerne hätte..... viele Firmen haben eine schlechte Zahlungsmoral, dann geht man als Externer auch. Oft stecken zwei Händler dazwischen und damit sehr hoher Verwaltungsaufwand bei der Abrechnung. Viele Unternehmen möchten, dass man als Externer die Stunden in deren Systemen bucht. Ich überlege mir, ob ich nicht irgendwann mal so ein Unternehmen wegen Scheinselbständigkiet verklage. Jeder Freelancer der was auf sich hält springt ab. Für Stundensätze von 40-70 Euro, die man schon vor 20 Jahren in DM (also mal zwei) bekam, kann man heute kaum arbeiten und wenn ich sehe, dass die "Blue Card" kommt und noch mehr Lohndumping betrieben wird, dann weiss ich eines: Dem die rote Karte zeigen ist angezeigt!
Ralf Scholler - 14.03.2012 09:00
Mag vielleicht auch daran liegen, dass Berater vermehrt nach primär monetären Gesichtspunkten ausgewählt werden. Es heißt nicht umsonst so schön: „You pay peanuts, you get monkies“.
Sigrid Hauer - 13.03.2012 12:56
"Auch das Menschliche muss stimmen..." Das ist ein Punkt, den Freiberufler gerne unterschätzen, werden sie doch wegen ihrer Expertise in fachlichen Themen beauftragt. Und dennoch: der Faktor Mensch und Kommunikation ist entscheidend für den Projekterfolg. Daher ist jeder Freiberufler gut beraten, bei der Planung seiner persönlichen Weiterbildung auch solche Themen aufzunehmen. Nicht nur das "was" auch das "wie" ist oft ausschlaggebend für eine Beauftragung.
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