Ratschläge und Fehler

Wie ITler mehr Gehalt aushandeln

03.09.2013 (aktualisiert), von

Wer Zusatz-Aufgaben übernimmt, Jobs schneller erledigt als andere oder Bereiche konsolidiert, sollte dafür mehr Gehalt fordern. Größter Fehler bei solchen Verhandlungen: mit Kündigung drohen.

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Foto: eyewave - Fotolia.com

Krise hin oder her - wer überdurchschnittlich viel leistet, sollte auch mehr Gehalt bekommen. Informatiker machen dabei häufig den Fehler, zu stark mit ihren Technik-Skills zu argumentieren. Mary K. Pratt von unserer US-Schwesterpublikation Computerworld gibt Tipps, wie man es besser macht.

1. Zunächst einmal die Stellenbeschreibung klären

Basis jeder beruflichen Verbesserung ist eine klare Job Description. Der Beschäftigte muss wissen, was genau von ihm verlangt wird. Dann kann er gemeinsam mit seinem Vorgesetzten Parameter für den Erfolg festlegen.

2. Zusatzaufgaben übernehmen

Sobald geklärt ist, was zum eigenen Job zählt, wird auch deutlich, was ein Angestellter zusätzlich leistet. Solche Leistungen muss der Mitarbeiter dokumentieren, sonst hat er sie beim Gehaltspoker nicht parat. Dazu Nicole Spicer vom Recruiting-Berater OARIP: "Schreiben sie alles auf, was sie über ihren eigentlichen Job hinaus leisten. Im Alltagsstress vergessen viele Leute schnell, was sie getan haben."

Eine gute Möglichkeit ist es auch, in der Freizeit etwas für die Firma zu tun. Pratt zitiert das Beispiel eines Informatikers, der Kollegen abends Java beigebracht und speziell jüngeren Mitarbeitern unter die Arme gegriffen hat. Das hat sich für ihn ausgezahlt.

3. Erfolge dokumentieren

Wer für seine Arbeit lobende Worte hört, sollte darum bitten, diese Anerkennung in einer kurzen, formlosen E-Mail zu erhalten. Am Besten, der Absender setzt den Chef auf Kopie.

4. Sich über das Gehaltsniveau informieren

Über Gehaltsstudien und Stellenausschreibungen erfährt man, wie viel in der Branche gezahlt wird. Jerry Luftman, Professor an der School of Technology Management, rät außerdem, sich in Netzwerken umzuhören. Luftman gibt zu Bedenken, dass Gehälter regional variieren. Das muss bei Gesprächen über die Bezahlung berücksichtigt werden.

5. Die eigene Arbeit in Business-Maßstäben messen

Technisches Wissen wird kaum einen Entscheider beeindrucken, sei er noch so Technik-affin. Wenn es um’s Geld geht, zählen andere Maßstäbe. Laut Dave Willmer von Robert Half Technology sollten ehrgeizige Mitarbeiter den Wert ihrer Arbeit so gut wie möglich in Dollar und Cent (respektive Euro und Cent) umrechnen. Wer etwa den eigenen Bereich konsolidiert hat und jetzt mit einem kleineren Team auskommt, kann die Ersparnisse ausrechnen. Wer bestimmte Arbeiten schneller erledigt als andere, ebenso. "Sie sollten einen Mindestbetrag an Einsparungen oder Mehrumsatz nennen können, den sie generieren", sagt Willmer.

6. Den Verhandlungspartner verstehen

Luftman glaubt, dass der Erfolg eines Gehaltsgespräches auch von weichen Faktoren wie zum Beispiel dem Einfühlungsvermögen abhängt. Was für ein Mensch ist der Verhandlungspartner? Kommt er gleich zum Punkt? Oder sollte man zum Gesprächseinstieg allgemein über die Situation der Firma sprechen und erst allmählich auf das Thema Geld zusteuern? Hier muss sich anpassen, wer mehr Gehalt haben will. Luftmans Tipp: Wer einen absolut vertrauenswürdigen Kollegen hat, kann mit diesem ein solches Gespräch üben. Das hilft, die Selbst- und Fremdwahrnehmung zu korrigieren.

7. Alternativen zum Geld anbieten

Gerade in Krisen wird die erste Antwort lauten, das Unternehmen habe derzeit schlicht und einfach kein Geld. Kein Grund, sich abwimmeln zu lassen, so der Berater Alan Vengel. Man sollte Alternativen in petto haben: Unternehmens-Aktien, mehr Urlaub oder eine Weiterbildung zum Beispiel.

8. Die Verhandlungen nicht versanden lassen

Wer mit seinen Forderungen keinen Erfolg hat, sollte das Gespräch nicht einfach abhaken. Zum Mindesten kann man vereinbaren, in sechs Monaten noch einmal über das Thema zu sprechen. Stimmt der Vorgesetzte zu, sollte das schriftlich festgehalten werden. Dann ist es wichtig, zeitig an den neuen Termin zu erinnern und darauf zu bestehen, dass es ein weiteres Gespräch gibt.

Weitere typische Fehler bei der Gehaltsverhandlung

Vor zwei typischen Fehlern warnen die Experten: Erstens darf man keinesfalls mit Kündigung drohen. Dazu Willmer: "Warum sollte ein Unternehmen einem Mitarbeiter mehr Gehalt zahlen, der mit einem Fuß schon aus der Tür ist?" Zweitens nützt es nichts, mit gestiegenen Lebenshaltungskosten zu argumentieren. Die betreffen schließlich jeden.

Mary K. Pratts Text ist unter dem Titel "Your IT career: Talk your way to a raise, even now" auf itworldcanada.com erschienen.

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