Nicht abschalten können

Warum Angestellte im Urlaub arbeiten

20.07.2011, von Andreas Schaffry

Von diesen arbeiten fast 72 Prozent heute im Urlaub gleich viel oder mehr als früher. Nur 27 Prozent arbeiten aktuell weniger in ihrer freien Zeit als vorher.

Urlaubsarbeiter im Job überlastet

Die Studie ging auch der Frage nach, warum Berufstätige im Urlaub arbeiten. 46 Prozent gaben an, dass sie sich auch in der Freizeit verantwortlich fühlen. Ein Drittel ist so überlastet, dass sonst zu viel Arbeit liegen bleibt. 29 Prozent teilten mit, dass sie sich endlich um Dinge kümmern können, zu denen sie im Arbeitsalltag nicht kommen.

Berufstätige arbeiten aus den verschiedensten Gründen im Urlaub. Die meisten fühlen sich auch in der Freizeit ihrem Job verpflichtet. Vielen macht Arbeiten im Urlaub schlicht "Spaß".Vergrößern
Berufstätige arbeiten aus den verschiedensten Gründen im Urlaub. Die meisten fühlen sich auch in der Freizeit ihrem Job verpflichtet. Vielen macht Arbeiten im Urlaub schlicht "Spaß".
Foto: lastminute.de

Immerhin 28 Prozent arbeiten im Urlaub, weil es ihnen "einfach Spaß" macht. 15 Prozent gaben zu, nicht loslassen zu können. Fünf Prozent opfern ihre freie Zeit für den Job, weil ihr Vorgesetzter es so will. Und zwei Prozent arbeiten, weil sie sonst zu viel Zeit mit der Familie oder dem Partner verbringen müssen.

Bei den Urlaubsarbeitern gibt es auch geschlechterspezifische Unterschiede. Während von den berufstätigen Männern 61 Prozent in Urlaub und Freizeit arbeiten, sind es bei den Frauen nur 54 Prozent. Auch das Alter spielt eine Rolle: Unter den Jüngeren arbeiten sehr viele in ihrer freien Zeit. Mit steigendem Alter legt sich dies jedoch.

Gutverdiener arbeiten in der Freizeit mehr

Darüber hinaus untersuchte die Studie, ob mit der Höhe des Einkommens auch die Bereitschaft steigt, im Urlaub zu arbeiten. Bei den Berufstätigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro und mehr, liegt der Anteil der Urlaubsarbeiter bei 72 Prozent. Die Studienautoren wundern sich auch darüber, dass deutsche Berufstätige, die im Urlaub arbeiten, im Schnitt pro Jahr 2.612 Euro für Urlaub und Reisen ausgeben, während Nicht-Urlaubs-Arbeiter durchschnittlich nur 2.333 Euro dafür hinblättern.

strappers - 20.07.2011 16:13
Wie die Studie zeigt, läßt die Bereitschaft oder auch das Wollen im Urlaub zu arbeiten, mit zunehmenden Alter wieder nach. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, heute sehe ich vieles gelassener und nutze die Abwesenheit auch mal "startegisch", nach dem Motto 'da seht ihr mal wie wichtig ich bin, wenn ich nicht da bin, geht gar nichts'. Dafür muß man natürlich ein gewisses Standing haben, und da wiederum hilft in der Regel das Alter und die erreichte Position/Erfahrung. Trotzdem checke ich meine Mails ab und an, aber bei weitem nicht mehr so intensiv wie früher. Scherbenhaufen muß ja auch nicht sein...
Wolfgang Gold - 20.07.2011 16:06
Ich erwische mich gerade selbst dabei: Ich lese diesen interessanten Artikel, obwohl ich im Urlaub bin. Egal, ich muss "Ano Nym" vollkommen zustimmen. Das Chaos bleibt kleiner, wenn man im Urlaub erreichbar bleibt. Denn wer nicht handelt, der wird behandelt. Und das kann manchmal ziemlich unangenehm werden. Ich als CIO lasse mir das Heft des handelns nicht aus der Hand nehmen.
Werner Goldmann - 20.07.2011 15:46
Vielleicht liegt es aber auch einfach daran das zu viel "virtuell" liegen bleibt wenn man 2-3 Wochen gar nicht ins Mail schaut. Das E-Mail Postfach nimmt nämlich brav auch während der Urlaubszeit die Mails an egal ob der "Out of Office Agent" sagt "Bin gerade im Erholungsurlaub". Es geht nicht wirklich darum wichtig oder nicht wichtig zu sein - es geht darum das wir uns zu Tode kommunizieren und in vielen Bereichen die Erwartungshaltung aufgebaut wurde „Man muss immer und überall erreichbar sein“ und das dies ab einem bestimmten Stufe einfach erwartet wird. Communication Overkill - wer in einer globalen Firma arbeitet den trifft das Problem besonders hart denn da ist immer jemand wach der was zu mailen hat – 24 Stunden und 365 Tage im Jahr. Und wir sollten nicht vergessen alle Firmen reduzieren Personal und somit verteilt sich die Menge der wichtigen Mails eben auf weniger Schultern - wohl dem der davon nicht betroffen ist und noch darüber nachdecken wie wichtig Sie/Er ist ;-)
M S C - 20.07.2011 15:37
Ich habe es in diversen Jobs eher wie von "Ano Nym" beschrieben, handhaben müssen, nach schmerzlichem Lernprozess, gerade weil man den Kollegen und professionellen Entscheidungsträgern eine gewisse Kompetenz und Handlungsfähigkeit zugetraut hatte. Der Scherbenhaufen war vielfach in der Tat größer als das geringere Übel im Urlaub erreichbar zu sein. Vielfach gibt es auch Personen die aufgrund von Kostenstrukturen im Unternehmen nicht redundant verfügbar sind und so Tätigkeiten nicht delegierbar sind.
Ichsachma Was - 20.07.2011 15:12
Ich denke eher, daß viele sich für einzigartig wichtig und ausschließlich ihre eigenen Entscheidungen für richtig halten. Da ist es natürlich schwierig, den Kollegen eine gewisse Handlungsfähigkeit zuzutrauen und sich eine entspannte Auszeit zu nehmen. Das sollte eigentlich kein Problem sein, wenn man ein fähiger Manager ist und richtig delegieren kann oder ein Teamplayer, der auch in der Gemeinschaft funktioniert. Nicht nur die "dummen Kollegen", sondern auch Konzentrationsverlust durch Überarbeitung sind eine mögliche Fehlerquelle...
Ano Nym - 20.07.2011 14:38
Es ist nicht das Problem des loslassen können, sondern vielmehr die Tatsache, daß wenn man nicht im Büro ist, Entscheidungen von anderen gefällt werden und man nach der Rückkehr wieder auszubaden hat. So nach dem Motto: "..das mussten wir entscheiden weil sie nicht greifbar waren ..." Das geringere Übel ist dann ein paar Stunden im Urlaub dafür zu opfern als nach dem Urlaub einen Scherbenhaufen zu haben.
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