Freiberufler werden unzuverlässiger

SAP-Experten kosten 80 Euro

20.12.2011, von Andrea König

SAP- und Java-Experten sind die gefragtesten und teuersten IT-Freelancer. Laut Page Contracting lässt die gute Auftragslage manchen unzuverlässig werden.

Für die meisten IT-Freiberufler war 2011 ein gutes Auftragsjahr: "Was den Einsatz von Freiberuflern angeht, war 2011 ein Boomjahr", bestätigt Gerd Schorn, der als Director beim Personalvermittler Page Contracting tätig ist. Die Nachfrage habe sich im Vergleich zu 2010 gesteigert, so Schorn. Und dabei war bereits 2010 ein gutes Jahr für IT-Freiberufler: Sie waren besser ausgelastet als in den Vorjahren und erwirtschafteten laut der IT-Projektbörse Gulp einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 115.000 Euro.

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2011 war ein Boomjahr für IT-Freiberufler, sagt Gerd Schorn vom Personalvermittler Page Contracting.
Foto: Page Contracting

Wie gefragt Freiberufler momentan sind, merkten auch schnell die Unternehmen, die sie beauftragen wollten. "Wer sich als verfügbar gemeldet hat, war sehr häufig nur kurz frei, bevor ein neues Projekt angenommen wurde", sagt Gerd Schorn von Page Contracting. Teilweise wäre das nicht einmal eine Frage von Tagen sondern nur von Stunden gewesen. Auch die Marktforscher von Lünendonk berichteten kürzlich in einer Studie davon, dass der Markt an IT-Freiberuflern bald leergefischt sein könnte. Wer dabei nicht vorausschauend rekrutiere, müsse mit langen Wartezeiten und überproportional steigenden Honorarforderungen rechnen, so die Lünendonk-Studie.

Was für Unternehmen zur Belastung werden kann, ist eine komfortable Situation für die IT-Freiberufler. Denn sie können sich ihre Auftraggeber momentan aussuchen und mit den richtigen Projekten hohe Stundensätze erzielen. "Auch 2012 werden die Freiberufler im SAP-Bereich die gefragtesten sein", sagt Schorn. Erfahrene SAP-Freelancer könnten zurzeit Stundensätze von 80 Euro und mehr verlangen. Auch die Nachfrage nach Java-Entwicklern sieht Schorn im kommenden Jahr ungebrochen. Sie könnten 70 bis 85 Euro pro Stunde verlangen, wer Java-Architekturen aufsetzen kann, bekommt sogar bis zu 95 Euro Stundenhonorar. Ein dritter Freelancer-Bereich, der auch 2012 mit vielen Angeboten rechnen darf, sind die Spezialisten im Bereich Webentwicklung, sowohl im Frontend- als auch im Backendbereich.

Sogar bei Nischenthemen sieht Schorn im kommenden Jahr gute Möglichkeiten für IT-Freiberufler. "Beim Mainframe-Thema beobachten wir seit Jahren, dass Spezialisten vielfach das Rentenalter erreichen und es schwierig ist, Jüngere in diesem Bereich zu finden." Der Mainframe-Bereich wachse zwar nicht mehr, aber gerade bei Banken und Versicherungen suche man nach wie vor Experten, die sich mit diesem Thema auskennen. Erst kürzlich nannte unsere amerikanische Schwesterpublikation Computerworld die Vertrautheit mit alten Systemen als eine von sechs Fähigkeiten, an denen es IT-Absolventen mangelt. Denn auch wenn es bereits neuere Technologien gibt, suchen Unternehmen nach wie vor Mainframe-Experten zur Wartung der laufenden Anwendungen.

Anonym User - 29.03.2012 12:08
Sehr witziger Beitrag. Ich bin seit 25 Jahren als Freiberufler in der IT unterwegs. Früher waren wir mal Experten. Ich habe lange Zeit 5 Tage im Monat als Troubleshooter gearbeitet und mein Geld damit in der Tasche gehabt. Die Stundensätze haben sich in den vergangenen 20 Jahren so gut wie nicht verändert. Spitzenleute lagen schon zu DM Zeiten bei 160,00 DM pro Stunde. Dafür sind die Preise, Steuern explodiert und die Abschreibungsmöglichkeiten reduziert worden und die Ansprüche der Kunden erheblich gestiegen. Heute braucht man ein Zertifikat für dies das und jenes. Wer mal eine Vorlesung zum Thema Netzwerke besucht hat, der lacht sich schlapp über MCSE Lernstoff. Zertifikate sind nur Druckmittel um Stundensätze zu reduzieren. Dann kommen wir mal zu den Consultingfirmen. Ich bin mal von einer großen Firma mit Sitz in Deutschland, die jeder Freelancer über dasInternet kennt, in Basel der SwissCom vorgestellt worden. Man hatte mir einen Vertrag zugeschickt der ein halbes Jahr gehen sollte und an dem Wochenende an dem ich nach Basel gereist war kam (sonst lief die gesamte Kommunikation per email) ein Brief mit einer Vertragsänderung von 6 Monaten auf 4 Wochen. Ich bin nach hause gefahren. Der Endkunde war sicher sauer. In einem anderen Fall war ich bei einer großen Bank in Hannover, das Consultingunternehmen über das ich über ein weiteres Consultingunternehmen dort war zahlte nicht. Obendrein wurde ich noch krank und wer musste es ausbaden? Wer? Der Freelancer? In einem anderen Fall habe ich 2 Jahre für eine bekannte Firma mit Sitz nahe Gummersbach als Freiberufler gearbeitet. Schöne Stundensätze aber man bekam sein Geld auch nur nach Monaten. In einem anderen Projekt war ich für T-Systems über eine bei Kiel ansässige Firma viele Jahre unterwegs. Die sagten mir, dass T-Systems die Fahrtzeiten nicht bezahlen würde und man an meiner Stunde gerade 5,0 Euro verdienen würde. Jahre später traf ich den T-Systems Manager im Restaurant, der für das Projekt zuständig war und der sagte, wir haben die Fahrt von Detmold nach Kiel natürlich bezahlt und der Stundensatz, den die Consultingfirma bekommen hatte war 85,00 Euro und somit fast doppelt so hoch, wie angegeben. Wir Externe haben weder eine Lobby noch sonstwen, der unsere Interessen vertritt. Wenn wir krank werden oder die Nase nicht passt oder die politische oder steuerpolitische Meinung nicht mit der der Auftraggeber übereinstimmt, dann ist man raus aus dem Geschäft. Am Ende seines Lebens hat man dann 40 Jahre tag und nacht geschuftet, höchste Beiträge für diverse Kassen und Steuern entrichtet und musste sich dann auch noch permanent von jedermann beleidigen lassen. Es wird Zeit, dass die IT Freiberufler eine ordentliche Interessengemeinschaft gründen. Wie ich das sehe ist das die Piratenpartei. Unter diesen Umständen ist es auch absolut okay, dass ein Freiberufler kurzfritig abspringt, wenn er ein bessere Angebot erhält. Jeder ist sich selbst der nächste. Im Übrigen machen das nur exhte Experten. Luschen lassen sich alles gefallen und da kommen wir zum nächsten Problem: Heute ist die Konkurrenz relativ groß, weil jeder der nur COmputer schreiben kann als Freelancer arbeitet. Was ich in den vergangenen 15 Jahren sehen muß ist auch, dass wir heute in allen Unternehmen wieder wild rumbasteln. Keiner redet mehr über Verfahren. Man sucht ABAP Entwickler, will aber keine Prozesse des üblichen Software Engineering, wundert sich aber über Redundanzen und "Tabellen Wildwuchs" und darüber, dass die Größen von Datenbanken explodieren und damit die Kosten für Hardware steigen und Antwortzeiten sinken. In den 80'igern waren wir mal Experten und Ausnahmen und das know how was man braucht, um in meinen Augen als IT Freelancer arbeiten zu können haben nichmal 1% derer mit denen ich in den vergangenen Jahren zusammen gearbeitet habe. Wer Programmierer sucht soll sie ausbilden oder geeignete einstellen. Das ist billiger. Der ganze IT Beratungsmarkt ist "krank". Da werden Experten vermittelt, die keine sind und die machen den echten Experten das Leben schwer. In unserer Gesellschaft wird in den Unternehmen selbst über technische Fragen mehrheitlich entschieden, weil keine "Führung" mehr da ist, die know how hat.
G. Schorn - 27.02.2012 14:21
@ Herr Nguyen: Sie haben sicherlich recht, wenn Sie die Verantwortung für diese Entwicklung nicht nur einseitig sehen. Eine längerfristige, vertrauensvolle Zusammenarbeit kann nur entstehen, wenn alle Seiten (Freiberufler, Agentur und Endkunde)offen kommunizieren und sich an ihre Zusagen halten. Dass der Anbieter mit dem günstigsten Stundensatz den Zuschlag für ein Projekt erhält mag heutzutage oft zutreffen, glücklicherweise erfolgt aber bei den meisten Kunden eine separate fachliche und preisliche Einschätzung. Bei der Auswahl des geeignetsten Kandidaten fällt die fachliche Qualifikation letzendlich dann doch am stärksten ins Gewicht. @Lee und Freiberufler: Es liegt mir fern, zu pauschalisieren. Die Zusammenarbeit zwischen Freiberuflern und Vermittlungsunternehmen sollte von gegenseitiger Fairness geprägt sein - sowohl hinsichtlich der Honorarkalkulation als auch in Bezug auf die Information über Alternativangebote.
Freiberufler - 17.01.2012 16:09
Krass. Ein Beratungsvermittler macht Angst vor freien Beratern: "die sind unzuverlässig!" Die unverhohlene Botschaft -- nur Berater von der Vermittlungsagentur sind gut. Ist der Artikel gekauft? Warum erscheint der im CIO-Newsletter?
Neptun - 17.01.2012 12:38
Die genannten Preise sind nur die halbe Wahrheit. Die Endpreise für den Kunden liegen in der Regel sehr viel höher, wenn die Freiberufler über eine solche Firma wie Page gehen, weil deren Margen on-top kommen. Kritisch ist bei vielen Firmen wie einer Page aber, die ja von der Vermittlung der Freiberufler leben, dass sich die bisherigen Vermittlungsmargen von 30-40% oft nicht mehr durchsetzen lassen. Da der Apparat der Vermittler jedoch so teuer ist, versucht man die Freiberuflerpreise zu drücken. Auf Dauer wird es wohl eine Marktbereinigung geben, nach der nur noch die Billigjobs bei den Vermittlern bleiben und die hochwertigen Beraterdienstleistungen über Netzwerke direkt vertrieben werden.
papoose - 12.01.2012 17:50
und Deutsch seien schwere Sprache
Lee - 11.01.2012 13:17
Es ist ja klar, wenn Page Consulting als ein der Preisdrücker dermass so schlecht über Freiberufler spricht. Es bleibt nur die Hoffnung, dass die Freiberufler die gute von der schlechte Vermitllungsagenture unterscheiden können.
Nguyen - 20.12.2011 22:41
Die Zuverlässigkeit bei den Vermittler waren und sind auch nicht unbedingt eine vertrauenvolle Sache. Es wird immer den "günstigsten Berater" gesucht und vermittelt, daher durfte man sich ja nicht wundern, warum die Berater schnell oder kurz vor dem Vertragabschluß abgesprungen haben. Man soll den Finger auf sich, bevor sie auf die anderen zeigen, Hr. Schorn!
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