Symptom-Früherkennung

Jeder Karriereschritt fördert Burnout-Gefahr

01.03.2012, von

Mit jedem Aufstieg nimmt die Fremdbestimmung weiter zu. Nicht allen liegt das. Personalberater Hans-Joachim Maar rät zur frühzeitigen Beschäftigung mit Burnout.

In den vergangenen Monaten wurde viel über Burnout diskutiert. Die einen sehen im Ausgebranntsein eine Modediagnose, andere sprechen von einer Volkskrankheit. Verlässliche Zahlen und Fakten sind kaum zu bekommen, denn bislang fehlt eine klare Definition für die Diagnose Burnout. In einer GfK-Umfrage im Auftrag der Apotheken Umschau gaben neun Prozent der befragten deutschen Berufstätigen an, sie seien so gestresst und belastet, dass ein Burnout für sie nicht mehr weit entfernt sei. Hans-Joachim Maar, Partner der Unternehmens- und Personalberatung Rochus Mummert plädiert im Interview mit CIO für eine frühzeitige Prävention.

CIO: Was halten Sie von der aktuellen Diskussion, dass es sich bei Burnout um eine Modediagnose handelt?

Für Hans-Joachim Maar von Rochus Mummert beginnt Burnout-Prävention am besten viele Jahre bevor die ersten Symptome auftauchen.Vergrößern
Für Hans-Joachim Maar von Rochus Mummert beginnt Burnout-Prävention am besten viele Jahre bevor die ersten Symptome auftauchen.
Foto: Rochus Mummert

Hans-Joachim Maar: Ich glaube nicht, dass es sich bei Burnout nur um eine Modediagnose handelt. Das Berufsleben hat sich verändert, stellt ständig neue Anforderungen, der Arbeitsplatz ist heute unsicherer als früher. Unsicherheit ist immer ein Stressfaktor und erzeugt Belastung.

CIO: Geht das Thema nur diejenigen an, die sich bereits ausgebrannt und erschöpft fühlen?

Maar: Nein, man muss sich deutlich früher damit beschäftigen. Wer sich vor Burnout schützen möchte, beginnt damit am besten viele Jahre bevor die ersten Symptome auftauchen. Es geht also um eine gezielte Prävention, die viele Karriereschritte vor einem möglichen Zusammenbruch ansetzt.

Denk- und Arbeitsweisen immer wieder hinterfragen

CIO: Und wie schützt man sich rechtzeitig?

Maar: Mit jedem Karriereschritt nehmen die fachlichen, zeitlichen und psychischen Belastungen zu. Man sollte sich also bei Zeiten selbstkritisch fragen, ob man von der eigenen Denk- und Arbeitsweise her diesen Belastungen überhaupt gewachsen ist. Hierbei hilft es zu reflektieren, mit welchen fachlichen und persönlichen Fähigkeiten man bisher seinen Job gemeistert hat und ob diese echten oder eben auch nur vermeintlichen "Stärken" auch zu den neuen Anforderungen passen.

Berno Schwehn - 17.08.2012 15:02
Gerade in einem immer perfektionistischeren Arbeitsumfeld ist es gerade für den Manager ein "Muß" statt auf Perfektionismus auf Plausibilität zu setzen. Er muss sich davor hüten, den Wald vor lauter Bäume nicht mehr zu sehen.
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