Moritz Freiherr Knigge im Interview

Wie kündigt man wertschätzend?

28.09.2017
Von Sven Ohnstedt

Wertschätzende Kündigung

Wie kommuniziert man eigentlich eine Kündigung wertschätzend?

Knigge: Schwierig. Wie kam die Kündigung denn zustande? Beruht sie auf Fehlverhalten oder wirtschaftlicher Notwendigkeit? In welcher Beziehung stehen die Leute zu der gekündigten Person? Allein diese Überlegungen beeinflussen die Art und Weise, wie die Kündigung kommuniziert werden sollte. Ich fordere von Leuten, die in ebendiese Situation kommen, andere kündigen zu müssen, dass sie sich dessen bewusst sind, wie existenziell das für den Gekündigten ist.

Schön und gut. Aber damit helfen Sie nicht weiter.

Knigge: Ich kann Ihnen nicht vorgeben, was Sie zu tun haben. Wie soll das funktionieren? Natürlich könnte ich behaupten, dass es eine einfache Lösung gibt und ich sie kenne, aber das wäre doch unseriös. Ich kann auch nicht in die Köpfe anderer Menschen hineinschauen.

Aber Sie können sich in andere Menschen hineinfühlen.

Knigge: Ja, das sollte man auch tun. Sie sollten sich allerdings dessen bewusst sein, dass dies auch nur begrenzt geht. Leichtfertige Sprüche wie "Ich weiß genau, was Sie gerade fühlen" machen unangenehme Situationen meistens nur noch schlimmer.

Ist es denn wertschätzend, stets ehrlich zu sein?

Knigge: Nein. Oder halten Sie Dieter Bohlen für wertschätzend?

In Unternehmen wird Ehrlichkeit geschätzt

Knigge: In Umfragen unter Mitarbeitern, welcher Wert ihnen denn am wichtigsten sei, gewinnt grundsätzlich Ehrlichkeit. Aber welche Ehrlichkeit eigentlich? Wahrscheinlich auch nur die Ehrlichkeit, die sie haben möchten - und bestimmt nicht diejenige, die ihnen weh tut.

Es wird sich nicht vermeiden lassen, den Mitarbeitern weh zu tun.

Knigge: Ja, aber der Respekt gegenüber anderen Menschen steht immer ganz oben. Sie haben andere Menschen nicht als Beiwerk zu betrachten, sie haben nicht über Leichen zu gehen. Das ist nicht legitim - ausnahmslos! Da bin ich sehr moralisch.

Zur Startseite