Gut bezahlt, flexibel

Freelancer von Festangestellten beneidet

17.04.2012, von Thomas Pelkmann

Die meisten Freelancer hatten schon einmal das Gefühl, dass Festangestellte sie beneiden. In einer Umfrage von Solcom spekulieren sie über die Gründe.

So stellen sich wohl viele Festangestellte in der IT ihre freiberuflichen Kollegen vor. Viele Freie spüren deshalb den Neid der Mitarbeiter beim Auftraggeber.Vergrößern
So stellen sich wohl viele Festangestellte in der IT ihre freiberuflichen Kollegen vor. Viele Freie spüren deshalb den Neid der Mitarbeiter beim Auftraggeber.
Foto: MEV Verlag

Freiberufler schauen mitunter neidisch auf ihren festangestellten Berufsgenossen: bezahlter Urlaub, bezahltes Krankfeiern und manchmal bezahltes Nichtstun sind Dinge, die man als Selbständiger nicht kennt. Aber auch umgekehrt gibt es schon mal Anlass für Missgunst: Sich Arbeitstage und Freizeit selbst einteilen zu können, keine Chefs, die auf Anwesenheit pochen, dafür mal ein Latte Macchiato im Lieblingscafé um die Ecke sind Privilegien, die festangestellte Kollegen in der Regel nicht in Anspruch nehmen können.

Was es sonst noch zu berichten gibt vom Binnenverhältnis fester und freier Mitarbeiter, hat eine Online-Umfrage des Projektdienstleisters Solcom unter den mehr als 6600 Abonnenten seines Magazins in Deutschland ermittelt - 365 von ihnen nahmen letztlich teil. Dabei gaben satte 71,2 Prozent an, dass sie es als Freiberufler schon einmal mit Festangestellten zu tun hatten, die neidisch auf sie gewesen sind.

Freiraum beim Arbeiten lässt fest Angestellte neidisch werden

"Neid seitens festangestellter Kollegen", da lassen die Autoren der Studie keinen Zweifel, "scheint steter Begleiter eines Freiberuflers zu sein". Dieser Schluss mag auch deshalb zulässig sein, weil sich gerade einmal 8,2 Prozent der befragten Freelancer sicher sind, noch keinen Neid zu spüren bekommen zu haben. Jeder Fünfte ist sich darob unsicher.

Nach dem Anlass für die Missgunst befragt, gaben 68,5 Prozent die vermeintlich bessere Bezahlung der freien Kräfte an. Weitere 18,9 Prozent glauben, dass es der größere Freiraum beim Arbeiten ist, der beim Angestellten Bitterkeit hervorruft. Eine eher kleine Minderheit von 7,7 Prozent ist überzeugt, als Freiberufler eine qualitativ höherwertige Tätigkeit auszuführen, "die im IT- und Engineering-Umfeld meist so speziell ist, dass das Know-How dafür intern nicht vorgehalten werden kann". Daher müsse man dafür auf externe Spezialisten zurückgreifen.

Sibylle - 09.05.2012 13:00
Ich wollte nicht mit den meisten Freelancern tauschen. Die meisten, die ich in meinem Berufsleben kennengelernt habe, saßen seit mehreren Jahren (teilweise 6 oder länger) schon beim selben Kunden und betreuten dasselbe Langzeitprojekt oder dasselbe System und hatten sich da oft unentbehrlich gemacht. Die verdienten da zwar gutes Geld, aber ich hatte meist nicht den Eindruck, dass der Job noch Spaß machte. Um des Geldes willens blieb man aber dort. Als Beraterin will ich normalerweise nicht länger als 6, maximal 12 Monate beim selben Kunden oder im selben Projekt bleiben, sonst bin ich schnell gelangweilt und sehne mich nach Abwechslung. Als Angestellte habe ich bessere Chancen auf mehr Projektabwechslung. Ich glaube auch nicht, dass ich mich finanziell besser stellen würde als Freelancerin. Der für mich erzielbare Tagessatz (davon habe ich eine ganz gute Vorstellung, weil ich weiß, was Freelancer in meinem Bereich verdienen) würde nur ausreichen, um die zusätzlichen Kosten für Altersvorsorge, Absicherung gegen Verdienstausfälle bei Krankheit, Verdienstausfälle in den Zeiten, in denen man nicht arbeitet (Krankheit, Urlaub, Weiterbildung) usw. zu tragen, wenn ich eine sehr gute Auslastung hätte. Die ist aber nur zu erreichen, wenn man sich auf Langzeiteinsätze bei Kunden einlässt, worauf ich aber keine Lust habe.
ich - 26.04.2012 16:21
Bei dem Thema Honorar eines freelancers kann man nicht pauschal mit 50000€ Jahresgehalt eines Angestellten rechnen. Schließlich hat der freelancer in der Regel eine Rolle, die auch bei Festanstellung oft höher bewertet wäre. Hinzu kommt, dass diese Rechnung zu einfach ist. Hier sind keine Rücklagen berücksichtigt. Und selbst bei dieser Berechnung müssten dann noch sämtliche NK obenauf kommen, sonst wäre man ja sogar noch schlechter gestellt als ein Festangestellter.
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