Personaler: Zu positiv

Arbeitszeugnisse ohne Aussagekraft

03.12.2012, von

Personaler im Dilemma: Sie räumen Arbeitszeugnissen hohen Stellenwert ein - gleichzeitig bezweifeln sie laut Studie von Personal Total deren Informationsgehalt.

Personalexperten in Deutschland bezweifeln die Aussagekraft von Arbeitszeugnissen, denn diese fallen oft zu positiv aus und werden häufig sogar von den Angestellten selbst verfasst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Personalberatung Personal Total, an der sich 266 Personalexperten in Deutschland beteiligt haben.

Mehr als 80 Prozent der Personalexperten kennen Fälle, in denen Mitarbeiter ihr Zeugnis selbst geschrieben haben.Vergrößern
Mehr als 80 Prozent der Personalexperten kennen Fälle, in denen Mitarbeiter ihr Zeugnis selbst geschrieben haben.
Foto: shoot4u - Fotolia.com

Die Ergebnisse spiegeln den Widerspruch beim Thema Arbeitszeugnisse wider: Denn obwohl Personaler den Informationsgehalt von Arbeitszeugnissen anzweifeln, räumen sie ihnen einen hohen Stellenwert bei der Bewerberauswahl ein. So halten 87 Prozent der Befragten eine Bewerbung ohne qualifiziertes Arbeitszeugnis für unvollständig und 77 Prozent lehnen Bewerbungen häufig oder zumindest gelegentlich aufgrund der vorgelegten Zeugnisse ab.

Angst vor Konflikten mit Arbeitnehmern

Mehr als zwei Drittel der befragten Personalexperten haben nach eigenen Angaben bereits selbst eine zu positive Beurteilung ausgestellt, um möglichen Auseinandersetzungen mit dem Arbeitnehmer aus dem Weg zu gehen. Über 80 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass sie einige (63 Prozent) oder sogar zahlreiche (20 Prozent) Fälle kennen, in denen ein Zeugnis vom Mitarbeiter selbst verfasst worden ist.

Solche selbst geschriebenen Arbeitszeugnisse spiegeln nicht unbedingt die tatsächliche Leistung und das tatsächliche Engagement des Mitarbeiters wider. Da erscheint die Unsicherheit von Personalern bei der Zeugnisbewertung nur verständlich. Nicht einmal jeder Vierte glaubt von sich, aus qualifizierten Zeugnissen immer oder zumindest in den meisten Fällen eine korrekte Bewertung ableiten zu können.

Stendal - 06.12.2012 12:05
Im Grunde sind Arbeitszeugnisse eine gute Sache. Sie helfen Unternehmen, sich das Recruiting zu vereinfachen. Wer sich den Zirkus einmal in anderen Ländern anschaut (siehe z.B. UK), wird das bürokratisierte Zeugniswesen in Deutschland nicht mehr ganz so lächerlich finden. Eine weitere Standardisierung der Formulierungen wäre aber wünschenswert. Tools wie http://www.arbeitszeugnisgenerator.de weisen da m.E. schon den richtigen Weg. Man sollte die Freiheit bei Formulierungen etwas einschränken, um Missverständnisse zu vermeiden. Dann muss auch nicht bei jedem fehlenden Komma oder vermuteten Code ein Gericht bemüht werden.
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