Gentleman-Papst Bernhard Roetzel

Was die Kleidung über den Mann aussagt

10.09.2013, von Ferdinand Knauß

Wer Anzüge mit viel Schnickschnack trägt, macht sich lächerlich. Stil-Experte Bernhard Roetzel über Business-Kleidung als Uniform und den schmalen Grat zwischen Gentleman-Look und albernem Emporkömmling.

Bernhard Roetzel gilt mit seinem in 19 Sprachen übersetzten Buch "Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode" als Gentleman-Papst. Im Herbst wird sein "Schuh-Guide für Männer" erscheinen.Vergrößern
Bernhard Roetzel gilt mit seinem in 19 Sprachen übersetzten Buch "Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode" als Gentleman-Papst. Im Herbst wird sein "Schuh-Guide für Männer" erscheinen.
Foto: Claudia Piras

Kleider machen Leute, sagt der Volksmund. Stimmt das?

Bernhard Roetzel: Ja, aber natürlich nur bis zu einem gewissen Maße. Auf jeden Fall macht Kleidung einen gravierenden Unterscheid für die Erscheinung eines Menschen. Jeder Mensch ist wie eine Leinwand, die man so oder so bemalen kann. Stellen Sie sich den Schauspieler Pierce Brosnan vor, den können Sie als Rocker stylen oder als Gentleman. Das heißt aber nicht, dass die Kleidung einen Gentleman machen kann, wenn er es vom Verhalten und vom Wesen her nicht ist. Umgekehrt kann man dem Menschen zum Beispiel durch Häftlingskleidung seine Persönlichkeit nehmen - oder es zumindest versuchen.

Welche Funktion hat der Anzug im Berufsleben?

Es geht um die Darstellung von Status und Kompetenz. Das wird in Deutschland immer unterschätzt.

Der wahre Gentleman ist immer noch Engländer?

Das Wissen um die Bedeutung von Kleidung für den Ausdruck von Status und Kompetenz ist in anderen Ländern ausgeprägter. In Frankreich, Italien. England hat eine Sonderstellung, weil es immer noch mehr eine Klassengesellschaft ist als die anderen europäischen Länder. Da drückt der Gentleman-Look immer auch ein wenig Snobismus aus. England ist das Geburtsland des Gentleman aber auch das Land, indem man gelernt hat, sich darüber lustig zu machen.

Passt das Gentlemanideal überhaupt zum Bild eines fleißigen, ehrgeizigen Geschäftsmannes?

Jedenfalls hetzt der Gentleman nicht ins Büro. Er ist eher ein Müßiggänger. Ursprünglich waren das ja auch Männer, die genug Geld hatten, damit sie keine Erwerbsarbeit machen mussten. Männer, die sich den Luxus leisten können, sich nicht nur mit ihrer Kleidung sondern mit allen möglichen Interessen und Hobbies zu beschäftigen. Ich kenne in England einen Lord, der Fledermaus-Experte ist. Er wohnt mit seinem Bruder - einem UFO-Experten - in einem Schloss, dessen Unterhalt alles Geld verschlingt. Darum leben die beiden eigentlich recht genügsam in kleinen Zimmern des Schlosses.

Im Vorwort Ihres Bestsellers "Der Gentleman" schreibt Nick Yapp , dass ein "wahrer Gentleman nichts dem Zufall überlässt", sondern sich nach dem Frühstück stets fragt, ob "die Fingernägel gut manikürt" sind, "der Hut im richtigen Winkel" sitzt, und "der Regenschirm so eng gerollt ist, wie es sich gehört". Da bleibt zum Arbeiten ja auch wenig Zeit.

Man muss unterscheiden zwischen Gentleman und Dandy. Der Dandy ist die Übersteigerung der Selbstverliebtheit und des Interesses an Kleidung ins Exzessive. Der Gentleman bemüht sich nicht zu sehr. Er hat erstklassige Kleidung, findet es aber nicht so schlimm, wenn sein Maßanzug nach einer langen Reise zerknittert ist. Diese Entspanntheit unterscheidet ihn vom bemühten Ehrgeizling, der vollkommen sein will. Der Emporkömmling ist selbst im nagelneuen Maßanzug nicht so elegant wie der Gentleman, der seinen uralten richtig zu tragen versteht.

Daniel - 11.09.2013 15:05
Der Herr vergisst wohl, dass es auch noch Männer gibt, die jede Menge wichtigere Dinge zu tun haben als sich vor den Spiegel zu stellen und sich zu fragen " Trage ich jetzt so einen Stil französische Riviera in den späten 40er Jahren: Bretonisches Ringelhemd und Vintage-Cordhose? Oder vielleicht doch lieber den römischen Senatoren-Stil in weißer Toga mit Purpurstreifen und Sandalen?" ;-)
Tom - 11.09.2013 13:19
Meine Güte, was für ein Schwachsinn... da macht einer aus seiner Marotte eine Buchidee, und ein ehemals ernsthaftes Magazin für Entscheider im IT-Bereich gibt dem Selbstdarsteller dann noch Raum, sich zu spreizen. Wieso soll der Deutsche Bank Chef nicht seinen Rucksack behalten? Weil Herr Roetzel sich gerne verkleidet? Dazu ein Zitat aus dem Wirtschaftsteil der FAZ: "Mobil, dynamisch, cool: Der Rucksack verfeinert die Marke Anshu Jain." Gar nicht kindisch...
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