Andreas Dietrich

Auf die Schweizer Art

03.05.2004, von Christoph Lixenfeld

Am Ende wurde allen 125 Betroffenen ein sicherer Arbeitsplatz beim externen Dienstleister Lufthansa Systems angeboten, der heute die Infrastruktur für Thomas Cook betreibt. Dennoch spart das Unternehmen durch "On-Demand-Pricing-Verträge" mindestens 20 Prozent im Vergleich zu den früheren Kosten. Er kaufe heute eben nicht mehr "irgendwelches Blech oder pauschal irgendwelche Gigabytes, sondern nur noch genau das, was ich wirklich brauche", so der CIO.

Abgesehen von diesem Projekt ist der Cook-Manager beim Sourcing auf keinen Fall Anhänger des um sich greifenden "Alles-muss-raus"-Gedankens. Zum Beispiel gab es die Überlegung, die Softwareentwicklung nach Polen zu verlagern, abgesehen von einigen internen Kräften zur Steuerung des Ganzen. "Wir haben uns dann dagegen entschieden, schließlich möchten wir nicht, dass es extern eine Gruppe von Leuten gibt, die irgendwann mehr über meine Prozesse wissen als ich selber. Außerdem kann die eigene Softwareentwicklung auch Wettbewerbsvorteile bringen."

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UNTERNEHMEN, Thomas Cook AG

Das gilt vor allem für die in der Reisebranche geschäftskritischen Bereiche Reservation, Kalkulation und Einkauf. Alle Wettbewerber hätten hier selbst entwickelte Systeme, erzählt Dietrich, schließlich sei der Markt zu klein für einen Standard. So hat die IT-Abteilung von Thomas Cook auf der Grundlage von Lotus-Notes und Java eine Anwendung entwickelt, mit deren Hilfe Hotel-Einkäufer die Ergebnisse ihrer Verhandlungen vor Ort im Laptop erfassen und anschließend mittels Datentunnelung, einem VPN, in die Zentrale senden können. Die Perfektionierung solcher Systeme bringe echte Wettbewerbsvorteile, deshalb sollte ihre Entwicklung und Steuerung in jedem Fall inhouse erledigt werden.

Bei einer anderen Schlüsselanwendung steht dem CIO noch viel Arbeit bevor. Denn Thomas Cook hat mit Lufthansa und Karstadt-Quelle nicht nur zwei Mütter, sondern in der Zwischenzeit auch eine Reihe von Töchtern. Wegen dieser Historie ist im Konzern etwa ein Dutzend unterschiedlicher Reservierungssysteme im Einsatz, oder besser gesagt: Reservationssysteme, wie sie der gebürtige Schweizer Dietrich in eidgenössischer Diktion nennt. "Für jeden Vorgang sollte es allerdings nur einen Prozess geben. Aus diesem Grund ist es langfristig strategisch wichtig, diese Systeme zu vereinheitlichen. Innovationen müssen dann nur einmal entwickelt werden, und wir können sie schnell überall gleichzeitig umsetzen. Das sorgt für Speed."

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Allerdings räumt Dietrich ein, dass sich hier die Einspareffekte nicht kurzfristig vorrechnen lassen, deshalb steht das Projekt nicht an erster Stelle auf der Prioritätenliste. Überhaupt dürfte alles, was nicht unter der Bottomline unmittelbar etwas bringt, angesichts der hohen Verluste des vorigen Jahres und des Vorstandswechsels gerade schwer durchzusetzen sein.

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