Auf Wiedersehen Büro

Das Ende der festen Arbeitsplätze

02.07.2012, von

Das traditionelle Büro wird seine Bedeutung als zentraler Anlaufpunkt im Arbeitsleben einbüßen. Dieser Umbruch vollzieht sich langsam, aber gewaltig. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Möbel, sondern auch um Macht.

Schätzung: Selbst die schönen Arbeitsplätze werden nur zu 60 Prozent genutzt.Vergrößern
Schätzung: Selbst die schönen Arbeitsplätze werden nur zu 60 Prozent genutzt.
Foto: Steelcase

Das "abgefahrenste Büro Deutschlands" hat es unlängst in die "Bild"-Zeitung geschafft - die renovierte Google-Niederlassung in Hamburg. Hier gibt es alles, was sich das junge Angestelltenherz erträumt: Smarte, erfolgreiche Menschen in einer ausgefallenen Umgebung, die ihr hohes Engagement und ihre ausgewiesene Kompetenz angemessen reflektiert. Kein flackerndes Neon-Licht, kein nackter Gipskarton, keine kalten Meeting-Räume. Das Büro sieht nicht wie eine Aussegnungshalle aus.

Auch Johannes Pruchnow zog noch als Managing Director Business beim Carrier Telefónica gegen die traditionelle Raumgestaltung zu Felde. Er ließ seine Büros umbauen und wettete im vergangenen Jahr mit dem CIO-Magazin, "dass 2021 mehr als die Hälfte aller Arbeitenden keinen festen Büroarbeitsplatz mehr hat." Schließlich stehe die Arbeitswelt durch Mobiltechnologien vor einem radikalen Wandel. "Das Büro, so wie wir es heute kennen, wird seine Bedeutung als zentraler Anlaufpunkt in unserem Arbeitsleben massiv einbüßen", schrieb Pruchnow. Starke Worte: "Und wir werden die neue Flexibilität und Freiheit lieben und uns kaum vorstellen können, wie man früher nur an einem Ort arbeiten konnte." Nur das alte, stickige Großraumbüro werde niemand vermissen, prognostizierte der Manager, der unlängst als CEO zum TK-Anbieter Versatel wechselte.

Zukunftswette - Jeder zweite Arbeitsplatz verschwindet

Johannes Pruchnow, ehemals Managing Director Business bei Telefónica, jetzt CEO von Versatel.Vergrößern
Johannes Pruchnow, ehemals Managing Director Business bei Telefónica, jetzt CEO von Versatel.
Foto: Telefónica Germany GmbH & Co. OHG

" Ich wette, dass im Jahr 2021 mehr als die Hälfte aller Arbeitenden keinen festen Büroarbeitsplatz mehr hat", schreibt der ehemalige Telefónica-Manager im CIO-Jahrbuch 2012.

Pruchnow, der inzwischen zum TK-Anbieter Versatel gewechselt ist, sieht die Arbeitswelt vor einem radikalen Wandel. "Das Büro, so wie wir es heute kennen, wird seine Bedeutung als zentraler Anlaufpunkt in unserem Arbeitsleben massiv einbüßen", prognostiziert der Manager. Einige Gründe: die ungebremste Nachfrage nach Smartphones, die zunehmende Mobilisierung der Mitarbeiter und der Wunsch vieler Menschen nach Flexibilität in der Arbeitsorganisation, um Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. "Gerade Wissensarbeiter - und ihr Anteil an der Wertschöpfung steigt in den Industriestaaten zunehmend - brauchen ein stimulierendes Umfeld, das Freiheiten bietet", schrieb Pruchnow. Dazu zähle auch die Freiheit, den Arbeitstag selbst zu organisieren und weitgehend über Arbeitszeit und -ort zu entscheiden.

Eine fortschrittliche Einstellung kann Pruchnow nicht abgesprochen werden: "Im Zentrum unserer Arbeit stehen wir als Personen - genau da, wo wir gerade sind, ist unser Arbeitsplatz. Die Konsequenz daraus ist, unsere Arbeit nun dementsprechend mobil zu organisieren." Damit ist er weiter als viele andere Führungskräfte, die noch von der traditionellen Hierarchie an der Spitze gehalten werden. Zum Abschluss bietet er noch eine Wette an: "Nur das alte, stickige Großraumbüro, das wird niemand vermissen." Allerdings wird sich wohl kaum jemand finden, der diese Wette eingeht.

HarisPilton - 10.11.2012 02:12
Ich stehe kurz vor dem Ende meines Masterstudiums und blicke völlig enttäuscht in die Zukunft der Arbeitswelt. Beim Lesen Artikel wie dieser wird mir kotzübel. Die Entwicklung an sich ist absurd, die dadurch geschaffene Flexibilität auf Seiten der Arbeitgeber als Freiheits- und Flexibilitätsbedürfnis zukünftiger Arbeitnehmer zu verkaufen, ist schlicht erbärmlich. Schon in frühen Schuljahren wird man über die Sesshaftigkeit des Menschen und sein Bestreben nach einem stabilen Umfeld unterrichtet. Welcher vernünftige Mensch wünscht sich denn von überall aus arbeiten zu können? Ein völlig anonymisierter und ständig wechselnder Arbeitsplatz ist natürlich die absolute Traumvorstellung! Muss ich jetzt in Zukunft um 5 Uhr morgens am Arbeitsplatz sein und meinen Bürostuhl mit einem Handtuch reservieren um anschließend völlig alleine in der Kantine zu frühstücken oder meinen Saft mit dem Chef trinken?
ODJeen - 02.07.2012 22:09
Es wundert mich nicht das dieser Wunsch nun unter der Rubrik "Freiheit und Flexibilität" behandelt wird. In erster Linie möchte der Arbeitgeber Kosten für die Infrastruktur einsparen (Miete, Strom, Wasser, Kantine,..). Das die Mitarbeiter vielleicht auch den Wunsch haben, sich als Mensch an der Kaffeetheke oder im Flur zu begegnen, ist völlig unterbewertet. Arbeitgeber würden sicher gerne alle Mitarbeiter als selbstständige Fachkräfte beschäftigen. wEine Flexibilität, die doch sehr einseitig ist. Beschäment das gute Konzepte als Sparmaßnahme durch die Hintertür mißbraucht werden.
Weitere Inhalte zu:
IAFOB, Büroarbeitsplatz, Siemens, Microsoft, Telefónica