Familie und Beruf

Wenn die Arbeit die Liebe frisst

29.10.2012, von Ferdinand Knauß

Das Streben nach Leistung (z)ersetzt bei vielen Doppelkarriere-Paaren die Liebe. Zur Entschärfung des modernen Dauerkonflikts zwischen Familie und Beruf kann eine alte Tugend dienen.

Tom und Violet sind ein junges Paar in San Francisco. Er ist Koch, vom Typ her Teddybär. Sie ist angehende Psychologin und sehr hübsch. Sie verloben sich und wollen bald heiraten.

Doch dann bekommt Violett ein Angebot, für zwei Jahre als Post-Doc an einer Universität zu arbeiten, allerdings in Ann Arbor, im US-Bundesstaat Michigan, in der tiefsten Provinz. Tom nimmt es gelassen: Sind ja nur zwei Jahre, er werde schon ein Restaurant finden. Violet macht sich trotzdem Sorgen. Sie will Tom nicht zumuten, sich für sie aufzuopfern. Tom, der gute Kerl, beharrt: Nein, nein, ist schon in Ordnung.

Doch - natürlich - ist bald nichts mehr in Ordnung. Der zum Anhängsel seiner erfolgreichen Verlobten degradierte Tom findet in Ann Arbor kein gutes Restaurant und muss stattdessen koschere Sandwiches mit Gurken belegen.

Und dann werden aus den zwei Jahren bald fünf. Violett steht eine große Psychologenzukunft bevor, und Tom verliert die Geduld. Er löst die Verlobung, geht zurück nach San Francisco und wird Restaurant-Chef.

R. Spuehler - 30.10.2012 10:57
Danke für diesen Artikel. Allerdings stimme ich nicht zu, von wegen "jahrtausendelang bewährt": Bis vor wenigen Generationen waren Liebesheiraten selten - in Familien arbeiteten alle gleich hart und viel (egal ob ausser oder im Haus). Gute Beziehungen hatten aber sicher auch damals schon vor allem mit der gegenseitigen Anerkennung zu tun und damit, auch mal was liegenzulassen und sich Zeit für einander - und für die Familie zu nehmen. Ich wünsche allen viel Glück dabei.
Heribert Müller - 29.10.2012 23:03
Das ist ein sehr wichtiges Thema. Herr Knauß hat das sehr gut geschildert.
Weitere Inhalte zu:
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