Lob der Dummheit

Stupidity Management als Führungsinstrument

28.02.2013, von

Auch Dummheit will gemanagt werden. Wissenschaftler empfehlen für Mitarbeiterführung und eigenen Erfolg dem freien Denken und Austausch auch Grenzen zu setzen.

Die Autoren haben ihre Gedanken in dieses Modell gegossen.Vergrößern
Die Autoren haben ihre Gedanken in dieses Modell gegossen.
Foto: Journal of Management Studies

Jeder ist gerne ein kluger Kopf. Angenehm ist das Gefühl, die Dinge – auch die komplexen – umfassend und auch intellektuell durchdringen zu können. Dem CIO wird das in der Regel gefallen, und er wird auch an seinen Mitarbeiter die kognitiven Fähigkeiten schätzen. Und neben dieser allgemein gültigen Regel leben wir ja auch im Zeitalter der durch Smartphones und Tablets weiter angeschobenen Perma-Kommunikation, der flachen Hierarchien und Konsumerisierung der IT. Da erscheint es als Führungscredo plausibel, wenn nicht gewiss: Man sollte die Erkenntnisfähigkeit der Mitarbeiter schätzen und fördern, ebenso den offenen und kreativen Austausch. Eine Selbstverständlichkeit? Ein Holzweg, wie eine aktuelle Studie nahelegt.

Der Beitrag von Mats Alvesson und André Spicer, Forscher an der Universität im schwedischen Lund und an der Cass Business School der City Universität in London, im Journal of Management Studies liest sich ein bisschen wie ein zeitgenössisches Lob der Torheit – wenngleich mit Einschränkungen. Funktionale Dummheit sei für Organisationen demnach genauso wichtig wie die Mobilisierung kognitiver Kapazitäten.

"Funktionale Dummheit bezieht sich auf eine Abwesenheit von Reflexivität – eine Verweigerung, intellektuelle Fähigkeiten in anderer als kurzsichtiger Weise zu nutzen, und eine Vermeidung von Rechtfertigungen", definieren die Autoren. Schon die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten sorgen laut Alvesson und Spicer dafür, dass diese Form der Borniertheit in wirtschaftlichen Zusammenhängen vorhanden sei – mit durchaus manipulativem Charakter.

Zweifel und ungehinderte Kommunikation sind schlecht

Schädlich sind demnach Zweifel und ungehinderte Kommunikation. Vorteilhaft ist es hingegen, wenn die Mitarbeiter nicht in kritischer, negativer oder zweideutiger Weise miteinander reden, sondern positiven Erzählungen folgen. Das gilt aber nicht nur für die Kommunikation, sondern auch individuell: Es ist für das Unternehmen und die Arbeit gut, nicht zu viel zu grübeln und sich auf möglichst auf das vorgegebene Tätigkeitsfeld zu beschränken. In gewisser Weise sorgen die Umstände in der Organisation dafür, dass das in etwa auch so passiert. Das vielfach abwertend gemeinte "Fachidiotentum" ist so betrachtet eine durchaus produktive Sache.

T, Rinas - 11.03.2013 18:28
Erkenntnisse, auf die die Welt noch gewartet hat. Nicht denken - einfach machen. Und was mach ich jetzt damit? Auf jeden Fall nicht darüber nachdenken. Ich weiß, dass ich nichts weiß, vielmehr, dass es besser ist, nichts zu wissen. Weg mit Continous Improvement, Ideenmanagement, KAIZEN und "was weiß ich". Produktiv sind nur die Lemminge, die stupide ihr Programm herunterspielen und sich am besten über Effizienz und Effektivität keine Gedanken machen. Überlassen wir das den Freidenkern, die als sogenannte Wissenschaftler dafür ein Mandat haben, sich ein goldenes Näschen zu verdienen mit "Naseweisheiten" die die Welt nicht braucht.
Roland Borch - 28.02.2013 16:18
Danke für diesen Beitrag - ist sehr aufschlussreich. "Stupidity Management" wie auch Musils "Mann ohne Eigenschaften" gehören bestimmt seit langem zur Führungskräfteausbildung. Deshalb kommen Zweifler und kritische Mitarbeitern nur schwer voran, meist aber die Jasager ...
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