Richtig führen

Die Manager-Klone

09.06.2008, von Klaus Werle

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Im MBA-Studium - auch als "Management by Analysis" verspottet - bleibt die operative Umsetzung, womöglich noch die Auseinandersetzung mit echten Menschen, oft außen vor. Kaum erstaunlich, dass fast jeder zweite MBA-Absolvent im Finanz- oder Beratungsumfeld landet - in den homogenen Teams dort ist man unter seinesgleichen, ohne Teilzeitmütter oder "Ich bin auf der Arbeit, nicht auf der Flucht"-Nörgler, die das Führen sonst so anstrengend machen.

MBA-Lehrpläne moralisch aufgerüstet

Wenn sie dann in die Industrie wechseln, nehmen sie Kästchendenken, Kennzahlenfetischismus und das sture Anwenden scheinbar optimaler Strategien mit. Zahlen gaukeln Präzision vor. Dumm nur, dass "sich die Dinge heute viel zu schnell und unvorhersehbar entwickeln, als dass man sie seriös quantifizieren könnte", wie selbst der Chef einer großen Consultingfirma einräumt. Wie schnell das Management by Schema F in die Sackgasse führt, zeigen etwa:

  • Die Krise bei Home Depot. Ex-Chef Bob Nardelli (MBA University of Louisville) hatte über Zukäufe bei Großhändlern das Stammgeschäft im Einzelhandel vernachlässigt und Beschäftigte durch unerfahrene Teilzeitkräfte ersetzt. Die Scherben darf sein Nachfolger zusammenkehren; als neuer Chrysler-Chef kappt Nardelli jetzt dort die Kosten und macht Druck auf die Zulieferer - eine Rezeptur, die schon andere US-Autobauer erfolglos versucht haben.

  • Der unglückselige USA-Ausflug der Post. Ex-Chef Klaus Zumwinkel (MBA Wharton, Ex-McKinsey) kaufte mit dem Logistiker Airborne eine Firma, die nicht zur Post passte - er versenkte Milliarden, der Gewinn der Post brach deshalb 2007 um fast 30 Prozent ein.

  • Das ungeschickte Lavieren von Freenet-Chef Eckhard Spoerr (Michigan Business School, ehemals Booz Allen). Seit Jahren wird umgebaut, reorganisiert, neu strukturiert. Nachhaltige Strategie? Fehlanzeige.

  • Die Portionierung von KarstadtQuelle. Thomas Middelhoff, bekannt als Mann für schnelle Deals, betreibt bei Arcandor Financial Engineering in bester angelsächsischer Manier. Operativ schwach, restrukturierte er den Konzern bis zur Unkenntlichkeit: Wheeling-Dealing statt nachhaltiger Sanierung.

Zäh nur setzt sich seit einigen Jahren an den Business Schools die Erkenntnis durch, dass Unternehmen mehr sind als eine beliebig knetbare Portfoliomasse und Mitarbeiter nicht nur Kostenstellen. Viele Institute, vor allem in den USA, haben ihre Lehrpläne moralisch aufgerüstet, kritisches Denken inklusive.

Reaktionen auf sinkende Bewerberzahlen, aber auch auf Skandale wie Enron (wo sich Dutzende MBA-Absolventen auf den oberen Führungsebenen getummelt haben sollen) und auf Scherze wie den, man müsse nur alle MBA-Träger feuern, um eine Firma ethisch einwandfrei zu machen. So bietet Harvard einen Wahlkurs "The Moral Leader" an. Am IMD in Lausanne verbringen Studenten im Seminar "Personal Development" 20 Einzelstunden mit einem Psychoanalytiker, in Stanford wurde ein obligatorischer Kurs "Kritisches analytisches Denken" eingeführt.

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