Gartner, IDC und PAC

Die SAP-Zahlen in Analystenurteilen

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und beschäftigt sich mit Rechtsurteilen, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
SAP bläst zum Angriff auf Oracle – jetzt auch im Database-Bereich. Mit dem Sybase-Kauf und HANA macht SAP Druck. Es gibt aber auch noch Hausaufgaben.
Über 14 Milliarden Euro Umsatzerlös: einige SAP-Jahreszahlen im Überblick.
Über 14 Milliarden Euro Umsatzerlös: einige SAP-Jahreszahlen im Überblick.
Foto: SAP

Strahlend, zupackend und selbstbewusst präsentierten sich die beiden SAP-CEOs Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe ihren Investoren und der Öffentlichkeit. Der Walldorfer Software-Riese konnte weit über den eigenen Erwartungen liegende vorläufige Jahreszahlen für 2011 liefern, die für den heiseren Finanzvorstand Werner Brandt vielleicht die beste Medizin waren. Er konnte von einem Rekordergebnis, zweistelligem Wachstum der Softwareerlöse in allen Regionen, einem Umsatzplus von 1,7 Milliarden Euro und einem Rekordcashflow berichten. „Damit sind wir auf dem bestem Weg, bis 2015 unser Umsatzziel von 20 Milliarden Euro zu übertreffen und eine operative Marge von 35 Prozent zu erreichen“, so Brandt. SAP ist gut drauf derzeit – das erkennt auch die Analystenwelt an. „Ich habe mir große Mühe gegeben, die wirklichen Schwachstellen in den Ergebnissen zu finden“, berichtet IDC-Analyst Rüdiger Spies. „Leider Fehlanzeige.“

Pünktlich zum Jubiläumsjahr konnte McDermott die „besten Ergebnisse in der Geschichte von SAPSAP“ verkünden. 40 Jahre wird das Unternehmen in diesem Jahr alt. „SAP hat sich selbst das größte Geburtstagsgeschenk gemacht“, so Spies weiter. „Angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Lage 2011 ist ein 22-prozentiges Wachstum bei den Software-Umsätzen beeindruckend.“ Analysten-Kollege Donald Feinberg von Gartner relativiert an dieser Stelle ein wenig. Er gebe zu bedenken, dass 2011 für viele Unternehmen ein sehr gutes Jahr gewesen sei, auch andere Firmen hätten hervorragende Bilanzen vorgelegt. SAP strahle aber insofern besonders hell, weil ausgerechnet Dauerrivale OracleOracle vergleichsweise schwache Zahlen präsentierte. Alles zu Oracle auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Die Erfolgsfaktoren

Die PAC-Analysten Philip Carnelley, Frank Niemann und Tobias Ortwein heben als Erfolgsfaktoren von SAP die Kundepflege, das breiter gewordene Produktportfolio sowohl mit Suiten als auch mit punktuellen Lösungen und das Bedienen der aktuellen IT-Anforderungen hervor. Aus PAC-Sicht ist das fulminante Abschneiden der Walldorfer im Vergleich zu IBM, Intel und Software AG auch Ausdruck dessen, dass die Anwender nicht in Hardware und Altsysteme investieren wollen, sondern in neue Plattformen, CollaborationCollaboration, Analytics und Agilität. "SAP spricht strategisch alle Schlüsseltrends an und scheint dafür gerüstet, seinen Erfolg in diesem Jahr fortzuführen", prognostizieren die PAC-Analysten. Alles zu Collaboration auf CIO.de

Kampfansage an Oracle

IDC findet in diesem Zusammenhang ein neu formuliertes SAP-Ziel besonders bemerkenswert. Das „am schnellsten wachsende Database-Unternehmen“ wollen die Walldorfer bis 2015 werden, hieß es während der Präsentation. „Das ist endgültig eine klare Kampfansage an Oracle“, urteilt Spies. In der Vergangenheit stärkte SAP zugleich seine Rivalen mit, weil zu den eigenen Applikationen in der Regel Infrastruktur der Konkurrenz mitgeliefert werden musste – Datenbanken (DB) von Oracle beispielsweise. Mit dem Zukauf von Sybase 2010 haben sich diese Vorzeichen schon fundamental geändert; auf dieser Basis will sich SAP nun offenkundig weiter unabhängig machen. „Ich denke, sie sind in diesem Bereich sehr entschlossen“, vermutet Feinberg.

„SAP will sich von Oracle als DB-Lieferant abkoppeln“, erklärt Spies und weist auf die weiterreichenden Folgen dieser Strategie hin. Konsequenterweise ergebe sich das auch für MicrosoftMicrosoft mit SQL-Server und IBMIBM/DB 2. „Hier gibt es zumindest StressStress, denn IBM ist der ausgewiesen größte und beste Partner von SAP“, so der IDC-Analyst weiter. SAP habe eine Quadratur des Kreises zu lösen, weil man in gewisser Weise auf IBM angewiesen sei. Im Übrigen sei schnelles Wachstum in diesem Segment wegen der schmaleren Basis für SAP leichter zu realisieren als für das Schwergewicht Oracle. Mit breiterem Portfolio steige auch die Zahl an Konfliktherden, meint PAC: "Momentane Partner werden sich fragen, welche Rolle sie im SAP-Umfeld künftig spielen sollen." Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Stress auf CIO.de

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