Enger Kontakt und Referenzen

Outsourcing: CIOs mit Sonderwünschen

09.08.2011, von Christiane Pütter

Beim Offshoring zeigen sich deutsche IT-Entscheider zurückhaltender als ihre europäischen Kollegen. "Nur" 62 Prozent entscheiden sich für Offshore-Anbieter, im Schnitt sind es 70 Prozent.

Stichwort Multi-Sourcing: Fast vier von zehn deutschen CIOs (38 Prozent) arbeiten im Bereich ERP mit mehr als einem Anbieter (Schnitt: 24 Prozent). Bei der IT-Beratung gilt das jedoch nur für rund jeden Zwölften (acht Prozent, Schnitt: 30 Prozent).

Abrechnung wenig flexibel

Deutsche IT-Entscheider stehen Offshoring weniger aufgeschlossen gegenüber als ihre europäischen Kollegen, so eine Studie im Auftrag von Cognizant.Vergrößern
Deutsche IT-Entscheider stehen Offshoring weniger aufgeschlossen gegenüber als ihre europäischen Kollegen, so eine Studie im Auftrag von Cognizant.
Foto: Cognizant

Abgerechnet wird in Deutschland typischerweise (77 Prozent) über vorab festgelegte Gebühren für bestimmte Dienstleistungen (Durchschnitt: 74 Prozent). Nur 31 Prozent nutzen ein Ticket-basiertes SLA-Abrechnungsmodell (Schnitt: 51 Prozent).

Glaubt man diesen Zahlen, weicht Deutschland oft vom europäischen Durchschnitt ab. Dieter Berz, Country Managing Director Deutschland bei Cognizant Deutschland, beobachtet bei deutschen CIOs ohnehin einige Besonderheiten.

"Deutsche IT-Entscheider legen sehr viel Wert auf den direkten, persönlichen Kontakt mit dem Provider", sagt Berz. "Am liebsten wäre es ihnen, wenn der Dienstleister mit im selben Raum säße." Deutsche CIOs fragen auch ungewöhnlich häufig nach Referenzen und Lebensläufen.

Roger Albrecht, OrgSource Unternehmensberatung - 31.08.2011 13:15
Gerade beim Outsourcing von IT und Geschäftsprozessen muss die Chemie zwischen Dienstleister und Kunde stimmen. Aber diese Chemie regnet nicht vom Himmel! Diese Chemie - die soziale Komponente - muss erarbeitet werden! Wie in allen unternehmenskritischen Veränderungsvorhaben! Dabei müssen bestmöglich die Interessen der Geschäftseinheiten, der internen IT und auch die des Dienstleisters erfasst, verstanden und aufeinander abgestimmt werden. Gerade diese Abstimmung bleibt mitunter auf halber Strecke stehen. Zwischen dem Dienstleister und der IT werden Services vereinbart, die die Geschäftseinheiten nicht wirklich verstehen - sich manchmal über den Nutzen sogar im Unklaren sind und dann auch bleiben! Auch bereits in der Anbahnung kann es zu Mängeln in der IT-internen Kommunikation kommen, vielleicht bei 1-Generation-Vorhaben eher als bei 2-Generation-Vorhaben. Was hier hilft, ist die Begleitung durch einen auf beiden Seiten - fachlich und entlang der kritischen Erfolgsfaktoren - erfahrenen Externen, der die Integration der Veränderung vorbereitet und begleitet und sich im vollen Bewusstsein der fachlichen Themen eben um eine kontinuierliche saubere und kristallklare Kommunikation zwischen den Parteien und zu den betroffenen Mitarbeitern kümmert.
Branimir Brodnik, Geschäftsführer microfin Unternehmensberatung - 10.08.2011 10:29
Der Wunsch der CIOs, ihre Outsourcing-Partner besonders gut zu kennen, kommt nicht von ungefähr. In Deutschland hängt der Erfolg von Outsourcing-Projekten maßgeblich von der Beziehungsqualität zwischen Outsourcern und Dienstleistern ab. Das hat eine Studie aus unserem Haus klar ergeben. Bei der Auslagerung von Anwendungen und Prozessen spielen gegenseitiges Vertrauen und Verständnis eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die Qualität von Verträgen. Sicher: Ohne gut ausgearbeitete Verträge geht es nicht. Aber auch ein noch so perfektes Vertragspapier kann nicht alle Eventualitäten der Zukunft beschreiben. Deshalb muss auch die soziale Komponente stimmen.
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