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Streit um Ende der Linux-Einführung

30.05.2011, von

Das Außenministerium will seine Clients von Linux zurück auf Windows migrieren. Anwender hätten sich beklagt und Microsoft sei nicht viel teurer.

Windows oder Linux - was ist besser? das Bundesaußenministerium ändert gerade seine Meinung.Vergrößern
Windows oder Linux - was ist besser? das Bundesaußenministerium ändert gerade seine Meinung.
Foto: onnickx - Fotolia.com

Die Antworten auf eine Kleine Anfrage der Bundestagfraktion der Grünen brachte die Kehrtwende des Außenministeriums in Sachen Open-Source-Software – nach einer Anfrage des SPD-Abgeordneten Oliver Kaczmarek – wieder ins grelle Licht der Öffentlichkeit. Dort will man die PCs von Linux zurück auf Windows migrieren.

Die Grünen monieren in ihrer Anfrage: "Die Haltung der Bundesregierung bezüglich der Unterstützung freier und quelloffener Software ist weiterhin unklar. Obwohl mittlerweile ein Open-Source-Kompetenzzentrum des Bundesverwaltungsamtes zur Einführung von quelloffener Software in den Verwaltungen eingerichtet wurde und trotz des Rats das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zum vermehrten Einsatz Freier Software, ist eine einheitliche und nachhaltige Strategie nicht erkennbar."

Im Außenministerium ließ man sich lange für den 2002 begonnenen Linux-Einsatz feiern. 2007 zog man eine Fünf-Jahres-Bilanz: ein voller Erfolg und eine hohe Kostenersparnis. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Es liegt wohl eher an personellen Veränderungen in der Behörde, dass das IT-System des Auswärtigen Amtes, das unter der rot-grünen Bundesregierung auf freie und quelloffene Software umgestellt worden war, jetzt wegen mangelnder Benutzerfreundlichkeit wieder zurück auf proprietäre Anwendersoftware zurückgedreht wird.

In ihrer Antwort auf die Grünen-Anfrage verweist die Bundesregierung ausdrücklich darauf, dass sie "weiterhin an dem Kriterium der Offenheit von verbindlichen Standards festhält." Außerdem sagt sie: "Die Bundesregierung plant nicht, die Stellung marktbeherrschender Unternehmen im IT-Bereich aktiv zu stärken. Es ist auch nicht geplant, Lösungen solcher Hersteller formal in den Rang eines Standards zu erheben."

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Kommentieren: Kommentieren
Andreas - 06.06.2011 12:32
... aus verschieden gründen muss in die richtung OSS gehen, u.a. die nationale sicherheitsgründen müssen hier oberhand bekommen. es ist aber richtig - hier muss eine "richtung" von der politik geben, mindestens für sicherheitsrelevante datenbestände. andreas
Stefan - 31.05.2011 10:09
Wieder einmal wird deutlich das Politiker und Beamte jedes Thema gegen die Wand fahren. In einem Unternehmen würde eine solche Vorgehensweise sehr schnell das Unternehmen an den Abgrund führen. Auf der anderen Seite wird hier auch wieder über Schreckgespenster diskutiert. Es ist doch lächerlich zu glauben das man allein durch den Verzicht auf Microsoft oder andere grosse amerikanische Produkte "sichere" Lösungen erhält. Sichere Lösungen erfordern viel komplexere Herangehensweisen und vor allem Awareness auf der menschlichen Seite. Zuerst einmal erwarte ich von unserer Regierung und den Verwaltungen, dass sie die von den Bürgern bereitgestellten Geldmittel sinnvoll und sparsam einsetzen. Das passiert hier sicherlich nicht! Die Standardisierung muss sich zuerst um die Anwendungen und Schnittstellen kümmern und erst danach um deren technische Implementierung. Wenn z.B. ganz knall hart entschieden würde das man OpenOffice nutzt und die entsprechenden offenen Dateiformate zwingend von allen erwartet die mit Behörden kommunizieren würde dies viel deutlicher zum Einsatz von offenen Lösungen führen als umfassende Strategien die niemand wirklich umsetzt. Man muss sich aber auch bewusst sein das die Geheimdienste diese offenen Standards auch kennen und mindestens genauso gut damit umgehen können.
Wolf - 31.05.2011 07:27
Rein in die Kartoffeln - raus aus die Kartoffeln. Wie lange ist es noch bis zur Bundestagswahl? Richtig ist, dass das Auswärtige Amt bei seinen Anstrengungen nicht ausreichend vom BMI und BVA unterstützt wurde.
Katlewski - 30.05.2011 23:48
Man lacht sich schlapp, wenn man die Antwort der BuRe liest. StarOffice? NeoOffice? Was läuft dort? Haben die Jungs und Mädels alle Suiten ab Version 1.x benutzt? Hirnverbrannter Nonsens. Aber schön, dass das auch mal hier deutlich wird. Schade um den genialen Ansatz, Opensource breit einzuführen.
WK - 30.05.2011 17:01
Glaube keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast ...
W. Müller - 30.05.2011 16:22
Ich glaube das jetzt FDP geführte Aussenministerium, hat den Wasserträgern von Microsoft mit der Neupositionierung der IT-Verantwortlichen, Tür und Tor geöffnet. Microsoft-Betriebssysteme gehören für mich in so sensiblen Bereichen wie dem Aussenministerium mit vielen Geheimnisträgern aussen vor. Die NSA nutzt MS-Software nach einhelliger Meinung div. internationaler Sicherheitsexperten zur Spinage aller Art. Das dies nicht ganz unbegründet erscheint, lässt sich auch an Bedenken des BSI ablesen. Einige unserer verbündeten Nachbar-Staaten, wie z.Bsp. Frankreich, Norwegen, Dänemark, Finnland, haben MS-Software aus Ihren Verwaltungen , vor allem aus den Sicherheitsrelevanten Bereichen, verbannt. Soweit zu dem Vertrauen anderer Staaten in Software made in USA. Allein der Patentklau im Solarbereich durch Geheimdienste zu Gunsten privater US-Unternehmen, sollte zu Denken zu geben.
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