Web 2.0 im Unternehmen

Warum ignorante Führungskräfte ein Risiko darstellen

12.07.2010 (aktualisiert), von Heinrich Vaske 

Frank Roebers, der diese Zeilen geschrieben hat, weiß als Vorstandsvorsitzender der SYNAXON AG, wovon er spricht. Sein Unternehmen ist mit 2800 Anschlussbetrieben und einem Außenumsatz von drei Milliarden Euro Europas größte IT-Verbundgruppe - unter anderem gehört die Handelskette PC-Spezialist zum Konzern. Bei SYNAXON hat Roebers durchgängig Social Software eingeführt und damit die Unternehmenskultur entscheidend verändert. Das Unternehmen entschied sich für die quelloffene MediaWiki-Software, die auch Wikipedia zugrunde liegt. Allein die Wahl dieser Software löste heftige Diskussionen aus.

Roebers beschreibt die Vorbehalte seiner IT-Abteilung: "Unsere ITler rieten dringend davon ab, MediaWiki zu installieren. Sie empfahlen, erst einmal eine saubere Anforderung in ein Pflichtenheft zu schreiben, dann alle existierenden Wikis zu evaluieren und anschließend zu entscheiden, ob man ein bestehendes Wiki nimmt oder lieber ein neues schreibt. Das war im September 2006. Ich bin mir sicher, wären wir diesen Weg gegangen, hätten wir bis heute kein laufendes Wiki."

Doch auch die anderen Abteilungen, nicht zuletzt die Rechts- und Marketing-Leute, waren zunächst skeptisch. Sie fragten sich, wie offen in einem solchen Wiki wirklich kommuniziert werden kann.

Was ist Betriebsgeheimnis und was nicht

"Eine sehr anstrengende Diskussion wurde in Gang gesetzt - darüber, was eigentlich als Betriebsgeheimnis zu gelten hat und was nicht. Die etwas überraschende Erkenntnis war, dass auch wir häufig viel zu leichtfertig Informationen als Betriebsgeheimnis deklarierten. Dies geschah meist ohne größeres Nachdenken. Wir haben uns nur sehr selten die Frage gestellt, ob wir nicht möglicherweise deutliche Vorteile dadurch erzielen könnten, viel mehr Informationen mit unseren Mitarbeitern, unseren Partnern und sogar mit der ganzen Welt zu teilen." (…)

Als börsennotierte Gesellschaft kann SYNAXON natürlich weder kursrelevanten Informationen noch personenbezogene Daten der Mitarbeiter und Kunden im Wiki veröffentlichen. "Ansonsten haben wir eine sehr weitreichende Offenlegung der Informationen für alle Mitarbeiter beschlossen. Jeder sollte alle laufenden Projekte, Stellenbeschreibungen, Regeln und Prozessbeschreibungen sehen können. Sogar die strategischen Konzeptionen und Abstimmungen zu den aktuellen Finanzplanungen wurden allen zur Verfügung gestellt", schreibt Roebers.

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