MOBILE AGENTEN

Helferlein lernt Fliegen

03.12.2005, von Lars Reppesgaard

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Wo sind eigentlich die Agenten geblieben? Als Hype geisterte das Konzept von den autonom agierenden Softwaremodulen vor Jahren durch die Presse. Inzwischen haben sie sich unbemerkt auch auf mobile Endgeräte geschlichen.

EIN SERVICETECHNIKER steht vor einer Maschine, die er reparieren soll. Die Wartungsdaten hat er auf seinem Handheld-Computer. Doch wie bringt er sie in Verbindung mit dem Energieverbrauch, der Temperatur der Anlage oder dem Wasserfüllstand? Und wie lange ist die Maschine gelaufen, welche Stückzahlen hat sie produziert? In Zukunft wird ein kleines Stückchen autonome Software diese Informationen von Sensordaten und einem kurzen Besuch beim Produktionsplanungssystem einsammeln.

Dieses Szenario für den Einsatz eines mobilen Softwareagenten stammt von Norbert Wabnitz, dem Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Goydo AG in Jena. Sein Unternehmen arbeitet gemeinsam mit der Universität Jena und den Softwareentwicklern der Uni- Ausgründung The Agent Factory an einer mobilen Agentenplattform. Wabnitz ist ein Mann mit Phantasie, aber kein Phantast: "Die Systeme bei den Kunden werden immer komplexer. Und die relevanten Daten kommen nicht nur aus dem Unternehmen selbst, sondern auch von Externen wie etwa den Energieversorgern."

Mit dem Gemeinschaftsprojekt von Uni und Unternehmen erweitern die Thüringer das Einsatzgebiet elektronischer Agenten. Bislang arbeiteten die autonomen Codes in der Regel von einem festen Rechner aus. Der digitale Assistent "Mobisoft", an dem in Jena getüftelt wird, kommt ohne feste Rechnerbasis aus und kann von jedem Mobiltelefon oder elektronischen Notizbuch aus aktiv werden. Die Daten werden über die Telefonleitung, das Mobilnetz oder WLAN ausgetauscht.

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"Das Dumme ist, dass sich Netze verändern”

Basis für die Mobilagenten ist die in den vergangenen vier Jahren am Institut entwickelte Software "Tracy 2". "Das Problem ist weniger, den Agenten selbst zu programmieren", sagt der Jenaer Informatikprofessor Wilhelm Rossak. "Wenn das Netzwerk, in dem er arbeiten soll, bekannt ist und ich ihm einen Reiseplan mitgeben kann, gibt es keine Probleme. Das Dumme ist nur, dass die meisten Netze sich heutzutage dynamisch verändern, weil mobile Endgeräte zugeschaltet oder abgemeldet werden." Die Thüringer tricksen, damit die Mobilagenten auch in Netzwerken arbeiten können, die sie noch nicht kennen: Sobald ein Gerät mit einem Agenten sich zum Beispiel in einem WLAN anmeldet, kartografiert eine winzige Anwendung das Netzwerk.

Zum einen hat sich Java als geeignet erwiesen, Anwendungen zu entwerfen, die gleichermaßen auf PCs, Laptops oder Handys arbeiten können. Zum anderen akzeptieren Agentenentwickler rund um die Welt nach langen Jahren endlich die Standards der Foundation for Intelligent Physical Agents (FIPA) als gemeinsame Basis ihrer Arbeit.

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