Die Pläne der Post

Kein De-Mail-Zertifikat für E-Postbrief

22.03.2012, von

CIO.de: Sie wollen in diesem Jahr noch einen Identitätsdienst und das Zahlen von Rechnungen per E-Postbrief ermöglichen.

Zeiler: Der Ident-Service wird im April live gehen, die Fachabnahmen haben bei uns schon stattgefunden. Er wird jetzt noch in der Produktion auf Herz und Nieren getestet. Das Payment werden wir noch in diesem Jahr einführen, spätestens im dritten Quartal. Ich habe da ehrgeizige Zeitpläne. Das liegt daran, dass ich frisch reingekommen bin. Es wird noch nicht die allumfassend glücklich machende Lösung sein, wir werden zunächst klein anfangen.

Wir werden verschiedene Rechnungstypen nehmen, mit Kunden gemeinsam identifizieren, wie diese am besten präsentiert werden können, und dann dort den Workflow austesten. Wenn wir feststellen, dass der Privatkunde dieses Payment akzeptiert, wenn also etwa 25 Prozent aller Kunden, die eine Rechnung bekommen, auch über dieses Verfahren zahlen, dann wissen wir, dass wir richtig liegen. Das ist das normale Verfahren im Internet-Umfeld: Sie müssen sehr schnell das Feedback Ihrer Kunden einsammeln, um zu merken, dass Sie nicht auf dem Holzweg sind.

"Wir werden uns mit dem E-Postbrief nicht für De-Mail akkreditieren."

CIO.de: Herr Lemke, auf der Cebit war die De-Mail-Akkreditierung das große Thema. Werden Sie das auch anbieten?

Harald Lemke ist seit Juli 2010 Sonderbeauftragter für E-Government und E-Justice bei der Deutsche Post. Er sagt: Der E-Postbrief wird nicht De-Mail akkreditiert.Vergrößern
Harald Lemke ist seit Juli 2010 Sonderbeauftragter für E-Government und E-Justice bei der Deutsche Post. Er sagt: Der E-Postbrief wird nicht De-Mail akkreditiert.
Foto: Deutsche Post

Harald Lemke: Wir haben den E-Postbrief. Er ist vom BSI sicherheitszertifiziert, vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein und vom TÜV Nord hinsichtlich des Datenschutzes. Dabei werden wir es belassen.

Wir werden uns mit dem E-Postbrief nicht für De-Mail akkreditieren lassen. Das hat zwei Gründe: Das De-Mail-Gesetz sagt zum einen, dass bei Mehrwertdiensten eine eindeutige Unterscheidbarkeit von De-Mail-Diensten erforderlich ist. In der Konsequenz heißt das, dass sich eine richtige Integrationslösung aufgrund dieser Vorgabe nicht realisieren lässt. Wenn ein Gewerbekunde eine Rechnung verschickt, wollen wir für diesen eine integrierte Rechnungsfunktion implementieren. Er drückt auf den Knopf "Versenden" und der Kunde, der noch keinen elektronischen Anschluss hat, bekommt das Dokument dann als Hybridbrief zugestellt. Ein anderer bekommt es als E-Postbrief, ein dritter Kunde wie Edeka bekommt es direkt als Business-Integration, so dass die Rechnung gleich gebucht werden kann. Mit einem Knopfdruck sind drei verschiedene Transaktionen möglich. Diese Form der Integration will das De-Mail-Gesetz aber nicht.

Punkt zwei ist die Internationalität. So etwas wie das Projekt E-Postbrief finden Sie in fast allen großen Postunternehmen, die in der Weltpostorganisation UPU organisiert sind. In dem Zirkel der International Post Corporation haben wir vereinbart, dass die Deutsche Post gemeinsam mit der italienischen Post in einem Pilotprojekt die Interoperabilität herstellt für andere, damit man elektronische Post weltweit versenden kann.

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Kommentieren: Kommentieren
Tillmann - 29.03.2012 13:08
Ich sehe noch nicht den Vorteil. Im B2B-Bereich mag es Anwendungsszenarien geben, aber sonst? Gibt es End-zu-End-Verschlüsselung? Wenn ich klassisch einen Brief schreibe, ihn kuvertiere, unterliegt er dem Briefgeheimnis. Wenn die Daten aber erst bei einem Dritten (sei es die Post oder der BND) kuvertiert werden, hätte ich erhebliche Zweifel. Auch will ich nicht, dass meine Krankendaten wie im Interview erwähnt an Dritte überstellt werden. Nicht umsonst werden E-Mails von Banken, Versicherern und Krankenkassen nicht als sicher angesehen. Sicher mag es Anwendungsfälle von E-Mail-zu-Brief-Dienstleistungen geben - aber wird hier nicht einfach das gute alte Telegramm oder das Fax als Innovation verkauft? Beim guten alten Brief sehe ich die Dienstleistung und zahle (gerne) meine Portokosten - beim Postbrief sehe ich das nicht. Eine E-Mail und ein Fax kann man in Zeiten von Flatrates zum Nulltarif haben, sie schon heute verschlüsseln (ohne Dritte dazwischen zu haben) und dann gibt es ja noch den Brief. Und mal ehrlich: welcher Anbieter verschickt heute noch Rechnungen per Post? Egal ob Banken, Versicherungen oder Telekommunikationsanbieter - überall kostet die Briefform extra. Und ich finde es ganz gut, dass man noch Kontrolle hat, wie man bezahlt und sich über den E-Postbrief nicht die nächste Sicherheitslücke einfängt. Von Nachverfolgbarkeit und Datenmißbrauch will ich gar nicht anfangen...
mhwse - 27.03.2012 13:32
Die Frage bleibt, warum nicht bestehende e-mail Security wie SSL in neue Lösungen einfach integriert wird? (Die Idee eine Rechnung gleich elektronisch anzuweisen ist an sich gut.) Warum wird hier versucht ein runderes "deutsches" Rad neu zu erfinden? (Ich erlaube mir auch zu erwähnen, dass es Rechnungen an Privatpersonen nur in D gibt .. in USA wird dafür simpel und einfach die Kreditkarte verwendet - die Transaktion ist versichert und bei monatlichem Ausgleich ist dies zinsfrei. - Und sicher ist der e-Postbrief, als Grosseinladung für Hacker nicht, da wie bekannt vor Ort erst entschlüsselt und dann intern weiterverarbeitet wird. DESHALB kein de-mail Zertifikat!) Aber wir wollen ja die Welt retten .. mal schauen ob uns jemand hört.
Jürgen Heinze - 23.03.2012 16:43
In meinen vorherigen Kommentaren habe ich schon die fehlende globale Anwendung als Kernproblem genannt. Keiner meiner Kunden fast dieses Thema an, solange es global in die Sackgasse führt. Der Richtschwenk zum offenen System hebt den ePostbrief global betrachtet vom Rohrkrepierer zum Hoffungsträger. Wir drücken die Daumen, dass die eigenwirtschaftlichen Interessen der Verhandlungsführer nicht wie bei so manch anderem Provider mit offenen Vorsätzen einen Strich durch die Rechnung machen und zu Dauerfrust führen.
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