Die Pläne der Post

Kein De-Mail-Zertifikat für E-Postbrief

22.03.2012, von

CIO.de: Wen wünschen Sie sich noch als Kunden?

Auch Gesundheitsdaten könnten per E-Post verschickt werden. Oder per De-Mail. Das Bild ist vom Konkurrenten Telekom.Vergrößern
Auch Gesundheitsdaten könnten per E-Post verschickt werden. Oder per De-Mail. Das Bild ist vom Konkurrenten Telekom.
Foto: Telekom

Zeiler: Es geht dabei immer um die Sendungsanlässe. Wo sind die größten Anlässe, die einer sicheren Kommunikation bedürfen? Wo ist der größte Mehrwert? Da kann es auch um sensible Daten wie Gesundheitsthemen gehen. Das sind unterschiedliche Industrien, die wir parallel angehen, wo wir lernen, wie wir den E-Postbrief optimal in deren Geschäftsprozessen einsetzen können.

"Die großen Internetfirmen haben auch Jahre gebraucht"

Lemke: Wir konzentrieren uns in den ersten Jahren auf netzwerkbildende Kunden. Wie bei Edeka und ihren Lieferanten. Solche Netzwerke initiieren wir, darauf bauen wir auf. Das geht nicht auf Knopfdruck, das braucht seine Zeit. Die großen Internetfirmen haben auch Jahre gebraucht, bis sie zu größeren Netzwerkeffekten gekommen sind. Die reale Welt kennt keine Sprungfunktion, da geht alles in Kurven.

CIO.de. Hat die Post die nötigen IT-Leute, um den E-Postbrief auszurollen? Das ist ja gar nicht so einfach.

Zeiler: Diesen Herausforderungen begegnen wir mit dem Aufbau des Technical-Sales-Bereichs. Das sind Leute vom Vertrieb mit einem tiefen technischen Knowhow. Branchenspezifisch ist die Prozess- und Tool-Landschaft sehr unterschiedlich. Es wird deswegen Technical-Sales-Leute für die verschiedenen Bereiche geben. Sie kommen aber alle aus der Technik. Denn man kann eher einem Techniker Vertrieb und Kundenorientierung beibringen als umgekehrt einem guten Vertriebsmann das technische Knowhow. Wir sind hier auf einem guten Weg.

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Tillmann - 29.03.2012 13:08
Ich sehe noch nicht den Vorteil. Im B2B-Bereich mag es Anwendungsszenarien geben, aber sonst? Gibt es End-zu-End-Verschlüsselung? Wenn ich klassisch einen Brief schreibe, ihn kuvertiere, unterliegt er dem Briefgeheimnis. Wenn die Daten aber erst bei einem Dritten (sei es die Post oder der BND) kuvertiert werden, hätte ich erhebliche Zweifel. Auch will ich nicht, dass meine Krankendaten wie im Interview erwähnt an Dritte überstellt werden. Nicht umsonst werden E-Mails von Banken, Versicherern und Krankenkassen nicht als sicher angesehen. Sicher mag es Anwendungsfälle von E-Mail-zu-Brief-Dienstleistungen geben - aber wird hier nicht einfach das gute alte Telegramm oder das Fax als Innovation verkauft? Beim guten alten Brief sehe ich die Dienstleistung und zahle (gerne) meine Portokosten - beim Postbrief sehe ich das nicht. Eine E-Mail und ein Fax kann man in Zeiten von Flatrates zum Nulltarif haben, sie schon heute verschlüsseln (ohne Dritte dazwischen zu haben) und dann gibt es ja noch den Brief. Und mal ehrlich: welcher Anbieter verschickt heute noch Rechnungen per Post? Egal ob Banken, Versicherungen oder Telekommunikationsanbieter - überall kostet die Briefform extra. Und ich finde es ganz gut, dass man noch Kontrolle hat, wie man bezahlt und sich über den E-Postbrief nicht die nächste Sicherheitslücke einfängt. Von Nachverfolgbarkeit und Datenmißbrauch will ich gar nicht anfangen...
mhwse - 27.03.2012 13:32
Die Frage bleibt, warum nicht bestehende e-mail Security wie SSL in neue Lösungen einfach integriert wird? (Die Idee eine Rechnung gleich elektronisch anzuweisen ist an sich gut.) Warum wird hier versucht ein runderes "deutsches" Rad neu zu erfinden? (Ich erlaube mir auch zu erwähnen, dass es Rechnungen an Privatpersonen nur in D gibt .. in USA wird dafür simpel und einfach die Kreditkarte verwendet - die Transaktion ist versichert und bei monatlichem Ausgleich ist dies zinsfrei. - Und sicher ist der e-Postbrief, als Grosseinladung für Hacker nicht, da wie bekannt vor Ort erst entschlüsselt und dann intern weiterverarbeitet wird. DESHALB kein de-mail Zertifikat!) Aber wir wollen ja die Welt retten .. mal schauen ob uns jemand hört.
Jürgen Heinze - 23.03.2012 16:43
In meinen vorherigen Kommentaren habe ich schon die fehlende globale Anwendung als Kernproblem genannt. Keiner meiner Kunden fast dieses Thema an, solange es global in die Sackgasse führt. Der Richtschwenk zum offenen System hebt den ePostbrief global betrachtet vom Rohrkrepierer zum Hoffungsträger. Wir drücken die Daumen, dass die eigenwirtschaftlichen Interessen der Verhandlungsführer nicht wie bei so manch anderem Provider mit offenen Vorsätzen einen Strich durch die Rechnung machen und zu Dauerfrust führen.
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