Einheitliche Prozesse

Edeka steckt 350 Millionen in SAP-Projekt

23.10.2011, von Holger Eriksdotter

Es hatte Signalwirkung für den SAP-scheuen Handel: 2007 kündigte Edeka einen Schwenk zu Standardsoftware an. Nun rückt der Abschluss des Projekts "Lunar" näher.

Reinhard Schütte Vorstand Finanzen und IT, Edeka Zentrale AG & Co. KG: "Edeka ist ein Handelsunternehmen und kein Technologiekonzern und hätte diese Plattform mit vertretbarem Aufwand nicht entwickeln können."Vergrößern
Reinhard Schütte Vorstand Finanzen und IT, Edeka Zentrale AG & Co. KG: "Edeka ist ein Handelsunternehmen und kein Technologiekonzern und hätte diese Plattform mit vertretbarem Aufwand nicht entwickeln können."
Foto: Edeka

Die ersten sichtbaren Erfolge gibt es nach drei Jahren Laufzeit. Das konzernweite Stammdaten-Management nimmt 2010 in der Hamburger Zentrale den Betrieb auf. Erstmals in der Firmengeschichte arbeiten die verschiedenen Gesellschaften des Konzerns mit einheitlichen Stammdaten für Artikel und Lieferanten.

Allein die Artikelstammdaten umfassen rund 1,5 Millionen Datensätze. 350 Millionen Euro investiert der Konzern über fünf Jahre in eine einheitliche IT- und Prozesslandschaft auf Basis von SAP. Immerhin geht es um die Nummer eins im deutschen Lebensmitteleinzelhandel mit einen Umsatz von gut 43 Milliarden Euro und 300.000 Mitarbeitern, mit 12.000 Einzelhandelsgeschäften, überwiegend betrieben von rund 4500 Einzelhändlern und einem verzweigten Großhandel sowie knapp 3000 Lieferanten.

Michael Wulst Mitglied der Geschäftsführung, Lunar GmbH: "SAP ist sich der Bedeutung des Projektes für Edeka, aber auch für die Weiterentwicklung von SAP-Retail bewusst."Vergrößern
Michael Wulst Mitglied der Geschäftsführung, Lunar GmbH: "SAP ist sich der Bedeutung des Projektes für Edeka, aber auch für die Weiterentwicklung von SAP-Retail bewusst."
Foto: Lunar GmbH

Sondergeschäfte wie Fruchtkontore mit eigenen Bananenreifen ergänzen den Umfang des zentralen IT-Projektes um weitere spezielle Anforderungen. Alles zusammen ergeben sich nicht eben Ansprüche, die eine Standardsoftware automatisch abdeckt. Dessen ist man sich auch in der Zentrale des Konzerns bewusst. Reinhard Schütte, Edeka-Vorstand für IT und Finanzen, spricht von "einer der weltweit kompliziertesten SAP-Installationen der vergangenen Jahre". Doch der promovierte Wirtschaftsinformatiker sieht keine Alternative zu SAP als Warenwirtschaftssystem. Eine komplette Eigenentwicklung stand für ihn nicht zur Debatte: "Wir sind ein Handelsunternehmen und kein Technologiekonzern und hätten eine solche Plattform mit vertretbarem Aufwand selbst nicht entwickeln können."

Viel Aufwand für Anpassungen

Um die Konzernstrukturen in der Standortsoftware abzubilden, ist ein erheblicher Anpassungsaufwand notwendig. Die eigens dafür gegründete Lunar GmbH beschäftigt heute etwa 450 Mitarbeiter an zwei Standorten. Sie arbeiten in mehr als 100 Einzelprojekten an der gruppenweiten Vereinheitlichung der Stammdaten, entwickeln SAP-Templates für die Zentrale und die Regionalgesellschaften sowie Lösungen für Logistikprozesse.

EDEKA Zentrale AG & Co. KG (Mehr Fakten über die IT in diesem Unternehmen)
Mr. X - 02.11.2011 19:13
Die Systemkonsolidierung ist gewiss als solche plausibel. Wie leider üblich bei ERP Projekten fehlt jegliche Zahl als Orientierung für die Kosteneinsparungsziele und tatsächlichen Ergebnisse. Erstaunlich dass solche Megaausgaben ohne solche messbaren Vorgaben durchgewunken werden.
Bernd Kahlstetten - 02.11.2011 13:02
Es ist schon etwas abschreckend, dass man als Händler 450 IT-Mitarbeiter viele Jahre damit beschäftigen muss um eine SAP-Standardlösung einzuführen bzw. man sogar diese "Standardlösung" erst einmal selbst für den Hersteller entwickeln muss.
Sigi Kiermayer - 27.10.2011 15:44
Son Schwachsinn... 'Schwenk zu Standardsoftware'. Was hat den SAP mit Standardsoftware zu tun? Vorallem wenn man sich seine 'Standardsoftware' anpasst?
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