Rolle des CIO

IT-Manager wetten

Die Rolle des CIO ist obsolet

07.09.2011, von Peter  Lempp

Peter Lempp, Mitglied der Geschäftsleitung in Deutschland bei Capgemini, wettet, dass im Jahr 2021 ... Wetten Sie mit!

"Ich wette, dass die Rolle des CIOs in zehn Jahren obsolet ist. Es wird künftig nicht mehr genügen, dass der CIO der Einzige ist, der technische Zusammenhänge versteht."

Peter Lempp ist Mitglied der Geschäftsleitung in Deutschland bei Capgemini.Vergrößern
Peter Lempp ist Mitglied der Geschäftsleitung in Deutschland bei Capgemini.
Foto: Capgemini

Die Nutzung von Informationstechnik ist längst nicht mehr einer Elite von Experten vorbehalten. Inzwischen hat die IT den Kontext der Arbeit verlassen und unseren Alltag erobert. Weder Autos noch Waschmaschinen kommen heute ohne Embedded-Software aus, und der Einkauf bei Amazon oder das Abschließen einer Versicherungspolice im Netz sind für uns genauso normal geworden wie der Umgang mit einem Smartphone.

Dessen Geburtsstunde liegt übrigens fast genau zehn Jahre zurück: Auf der CeBIT 2001 wurden erste Geräte vorgestellt, die die Funktionen von PDA und Handy in sich vereinten. Das Magazin "Chip" erkannte darin einen wichtigen Trend für die Zukunft - mit dieser Einschätzung hatten die Redakteure ins Schwarze getroffen.

In den Folgejahren erlebten wir, wie sich ein plumper Backstein namens Mobiltelefon in einen kleinen smarten Alleskönner verwandelte, und ich glaube, niemand hätte damals gedacht, dass wir heute Teile von Geschäftsprozessen über unsere Smartphones abwickeln. Aber genauso ist es gekommen.

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Peter Lempp - 13.09.2011 15:41
Sehr geehrter Herr Stock, die Überschrift ist natürlich bewusst provozierend gewählt. Die IT-Welt wandelt sich schnell und dementsprechend wandeln sich auch die Aufgaben der IT-Verantwortlichen. Deshalb glaube ich, dass die Rolle des CIO –wie wir sie heute kennen – in 10 Jahren obsolet ist. Sie wird sich meiner Meinung nach weiter ausdifferenzieren, unter anderem aufgrund all der Phänomene, die Sie beschreiben. Insofern sind wir uns völlig einig. IT wird in 10 Jahren so allgegenwärtig sein, dass es mehrere „CIOs“ geben wird, für unterschiedliche Bereiche. Die Rolle des „CIOs als Mittler zwischen den Welten“ kann ich mir gut vorstellen, ebenso gut kann ich mir ihn als denjenigen vorstellen, der Unternehmensstrategie in IT-Strategie transformiert (was er heute schon tut), der Fragen zur Standardisierung, Prozessorientierung, der Automatisierung und reduzierter IT-technischer Fertigungstiefe beantwortet und für das Change Management im Zusammenhang mit schlankeren Geschäftsprozessen im Unternehmen sorgt. Wie Sie selbst sagen, ist das eine große Bandbreite! Vielleicht (oder wahrscheinlich?) wird sie noch breiter und deshalb denke ich, dass der Mensch, der all dieses verantwortet und durchführt, nicht mehr der eine CIO sein wird, sondern dass es mehrere CxOs für Technologie-verwandte Themen geben wird, wie immer sie dann heißen mögen.
Andreas Hoffmann - 08.09.2011 15:05
Ich sehe es nicht so, dass der CIO obsolet wird. Ich bin mir sicher, dass seine Entwicklung vom reinen Techniker zum Vermittler zwischen Business und IT bis 2021 lange abgeschlossen ist. Auch kann ich mir vorstellen, dass die Rolle öfter aufgeteilt wird, da Komplexität und Relevanz der IT weiter zunehmen werden. Ich erwarte jedoch nicht, dass die gesamte Geschäftsleitung bis dahin so tief in die Materie IT eingedrungen sein wird, dass kein CIO mehr notwendig ist. Menschen haben verschiedene Fähigkeiten. Aus meiner Beobachtung heraus stelle ich fest, dass kaufmännisch, oder sozial sehr kompetente Menschen sich mit Verständnis für Technik schwer tun. Umgekehrt sind sehr gute, spezialisierte Techniker tatsächlich oft nicht die Kommunikations-Genies und Verkäufer-Typen, oder Business-Koryphäen. Es wird wird immer Mittler zwischen diesen Welten geben müssen. Ja, alle können heute ein Smartphone bedienen. Aber verstehen sie deshalb gleich, wie es funktioniert? Ich möchte die Antwort gleich selbst geben. Nein. Auch die meisten selbsternannten Computergenies haben oft keinen blassen Schimmer, wie Computer wirklich funktionieren und wie sie programmiert werden. Dieses Verständnis ist jedoch für einen CIO zwingend, um Aufwand/Machbarkeit etc. einschätzen zu können. Sonst kann man tatsächlich gleich mit dem CEO reden, der das Warum dann nicht versteht ;-)
Hilmar Stock - 08.09.2011 10:34
Sehr geehrte Herr Lempp, die von Ihnen geschilderten Optionen sind zu kurz gedacht. Der CIO 2021 wird einer der "Player" innerhalb der Unternehmensleitung sein. Selbst in Branchen, in welchen die Informationsverarbeitung die Stütze von Produktion und Wertschöpfung geworden ist und ohne IT so gut wie gar nichts geht, verstehen sich Business und IT nicht wirklich. Der CIO wird sich zum Mittler der Welten entwickeln. Im CIO-Office wird die Transformation von Unternehmensstrategie in IT-Strategie hergestellt und der CIO wird die Umsetzung sicherstellen. Er wird den Nachweis führen, in wie weit sich IT-Budgets zum Vorteil von Wertschöpfung und Produktivität auswirken. Die IT-technische Komplexität wird zunehmen und der CIO wird diese mehr und mehr auf der Basis betriebswirtschaftlicher Grundsätze managen. Der CIO der Zukunft wird die Fragen der Standardisierung, Prozessorientierung, der Automatisierung und reduzierter IT-technischer Fertigungstiefe beantworten müssen. Er wird ein Händchen dafür haben, seiner Organisation verständlich zu machen, das Business- und Geschäftsprozess-Orientierung keine Schlagworte sind und dieser Umstand bei seinem Mitarbeitern zu einer tatsächlichen Verhaltensänderung im Sinne von Kundenorientierung und Serviceorientierung führen muss. Die Bandbreite dieser Herausforderungen wird stetig zunehmen. Der diesbezüglich notwendige Kompetenzenmix des CIO ist längst hinreichend bekannt, nur wenige IT-Organisation tragen diesem Umstand konsequent Rechnung. Hier wird der CIO aufrüsten und sein persönliches Profil, als auch das Profil seiner Organisation an diesen Anforderungen ausrichten. Er wird wohl anders sein als heute, der CIO der Zukunft, aber auf keinen Fall wird er obsolet. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.
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