Artikel zum Thema "Finance IT" im IDG-Netzwerk
CFOworld : Wie haben sich Ihre Aufgaben in den letzten Jahren geändert? Rossi : Seit längerem haben die Finanz- und IT-Abteilungen mit den vielen Regelungen für Rechnungslegung und Compliance zu kämpfen. Hinzu kam in den letzten zwölf Monaten die mit der Wirtschaftskrise einhergehende Unsicherheit in den Märkten. Wir mussten Pläne und Szenarien erarbeiten, um uns gegen drohende Umsatzeinbrüche zu wappnen. In dieser Zeit war und ist das gesamte Management inklusive CFO stark gefordert. CFOworld : Wie definieren Sie Compliance? Rossi : Compliance bedeutet für mich alle Maßnahmen einzuhalten und zu befolgen, die notwendig sind, um eine effektive Corporate Governance sicherzustellen. Letztere soll einer Geschäftsleitung die Instrumente für eine regelkonforme und verantwortungsvolle Unternehmungssteuerung liefern. Direkter Drath zur IT CFOworld : Wie informieren Sie sich über IT und Technologietrends? Rossi : Ich habe das Glück, dass man sich bei Swisscom tagtäglich mit IT und Technologietrends auseinandersetzt. Allein durch meine Teilnahme am Geschäftsleben und Diskussionen mit Kollegen bin ich über die wichtigsten IT-Trends auf dem Laufenden. CFOworld : Und wo halten Sie sich über HR und Führungsmethoden auf dem Laufenden? Rossi: Diese Informationen hole ich mir unter anderem im Internet auf spezialisierten Plattformen wie www.hrtoday.ch . CFOworld : Was macht für Sie einen guten CFO aus? Rossi : Der CFO sitzt als Co-Pilot in der Geschäftsleitung und stellt durch transparente Daten und einen gesunden Geschäftsverständnis sicher, dass sein Unternehmen langfristig Erfolg hat. Ebenso muss er die zunehmenden Compliance-Themen umsetzen helfen, ohne dabei die Linienorganisation zu stark zu belasten. Autor: Horst Ellermann
Der Finanzbranche geht es trotz jüngster Jubelmeldungen nicht gut. Für das Wall Street Journal hat gerade Simon Nixon analysiert, wie bedroht europäische Banken tatsächlich sind. In solchen Analysen werden viel zu selten die Folgen für die Unternehmensfinanzierung herausgearbeitet. Trotz gewaltiger Liquiditätshilfen der Europäischen Zentralbank quetscht die Zwinge aus Regulierungsanforderungen und Rentabilität die Kreditportfolios schwer zusammen: Banken müssen ihre Priorität zunehmend an ihrer Risk-Return-Strategie sowie an den Basel-Anforderungen orientieren - sowohl in Bezug auf das Eigenkapital als auch auf die Liquidität. Sie können somit erst nach “risikoadjustierter Kapitalallokation” auf die Kundenbedürfnisse eingehen. Selbst erstklassige Kredite werden abgelehnt Was sperrig klingt, ist im Grundsatz einfach: Durch die Regulierung und die erschwerte Refinanzierung stehen Banken für verschiedene Risikoklassen ihrer Kredite respektive verschiedene Geschäftsfelder nur noch eine niedrigere freie “Risikodeckungsmasse” zur Verfügung. Übersteigt die Kreditnachfrage einer Risikoklasse die erforderliche “Risikodeckung”, können keine neuen Kredite mehr vergeben werden, wenn man nicht umschichten kann. Komplizierter wird dies durch die Liquiditätsanforderungen von Basel III. Diese führen tendenziell dazu, dass Banken mehr auf höhere Liquidierbarkeit ihrer Aktivseite und Fristenkongruenz achten müssen. Noch müssen diese Anforderungen aber nicht zwingend eingehalten, sondern zunächst nur berichtet werden. Ein angefragter Kredit muss also erst die vorgenannten Anforderungen erfüllen, bevor überhaupt eine Zusage möglich ist. Dies führt dazu, dass selbst erstklassige Kredite im Neugeschäft abgelehnt werden müssen, weil diese unter Risk-Return-Gesichtspunkten nicht rentabel sind. Große erstklassige Kreditnehmer können sich oft am Kapitalmarkt günstiger finanzieren als über klassische Bankkredite. Das könnte auch ein Grund sein, wieso plötzlich mehr Geld für Mittelstandskredite zur Verfügung steht. Neben den Frustration vieler Unternehmen über die Kreditprozesse verstärkt dies den auch von der Bundesbank diagnostizierten Trend in der Außenfinanzierung weg vom Bankkredit. Ich hatte bereits im Februar geschrieben, dass der Anteil der Kreditfinanzierung über Banken im Jahr 1991 noch 32 Prozent betrug und er bis in das Jahr 2010 auf 18 Prozent zurückgegangen ist - siehe Beteiligung statt Bankkredit . Kredite anderer Gläubiger, darunter unter anderem Versicherungen und weitere Finanzinstitute, sind dagegen im gleichen Zeitraum gewachsen. Mich würde es nicht überraschen, wenn der Anteil der Bankkredite an der Außenfinanzierung zum Ende des Jahres 2012 unter 16 Prozent liegt. Professionalisierung des Credit Managements Bemerkenswert an der neuen Entwicklung ist, dass die Finanzierung der Unternehmen untereinander, sogenanntes Corporate-to-Corporate-Finance , eine zunehmend stärkere Rolle spielt. Die Bundesbank deutete diesen Trend bereits in einem Aufsatz zur Unternehmensfinanzierung in ihrem Monatsbericht im Januar dieses Jahres an. Mit Amazon und Google haben gerade zwei sehr prominente Konzerne strukturierte Finanzierungsprogramme für ihre Businesskunden gestartet. Bis zu 800.000 US-Dollar soll der Buchriese seinen Marktplatzverkäufern zur Verfügung stellen, ohne dies allerdings selbst zu bestätigen. Google vergibt Finanzierungen für sein Adwords-Programme bis zu 100.000 US-Dollar. Die Ankündigungen und die Beträge lassen erahnen, dass wir hier mehr als über normale Lieferantenkredite sprechen. Man könnte sagen: Der Lieferanten- oder Handelskredit erfährt eine Renaissance und wird professionalisiert. In den Jahren 2008 und 2009 war das noch eher aus der Not der Finanzkrise geboren, weil man klammen Kunden nicht die Lieferungen streichen wollte. Mittlerweile bauen aber immer mehr Unternehmen eine Infrastruktur auf, die über das normale Forderungsmanagement hinausgeht. Ein entsprechendes Credit Management nebst Treasury sorgt für die notwendige Professionalität und Massentauglichkeit. Gerade eine sachgerechte Bonitätseinschätzung- und professionelle Liquiditätssteuerung sind notwendig, um Handelskredite risikogerecht zu steuern. Unternehmen nähern sich hierbei sogar zunehmend der Steuerungsqualität von Banken, ohne selbst Bank zu sein. Das bedeutet nicht, dass Kunden unbegrenzt Geld erhalten. Aber durch die Professionalisierung des Credit Managements wird Corporate-to-Corporate-Finance zu einem strategischen Instrument, das die Kundenbindung erhöht und zusätzliche Erträge bei genauer Risikokontrolle ermöglicht. Mehr Erlöse und Kundenbindung Die Risiken für Google und Amazon dürften daher überschaubar bleiben, weil es sich in beiden Fällen um eigene Kunden handelt, die man besser als unbekannte Dritte kennt. Das so aufgebaute Know-how und die entsprechende (IT-)Infrastruktur lassen sich außerdem sukzessive auf weitere Kundenkreise ausrollen. Daneben könnten die Internet-Riesen aus diesem Geschäft selbst nach Abzug kalkulatorischer Risikokosten mehr Erlöse erzielen, als wenn sie ihre Liquidität einfach nur zu einer Bank tragen. Nebenbei wird die Kundenbindung deutlich erhöht. Corporate-to-Corporate-Finance ist keineswegs neu, erfährt aber eine neue Bedeutung. Für Finanzvorstände stellt sich daher die Frage, ob man diesem Trend nur passiv folgt oder ihn selbst aktiv gestaltet, um etwa die Finanzierungskosten zu senken respektive zusätzliche Einnahmen daraus zu generieren. Die Entscheidung über eine aktive Gestaltung setzt allerdings die Beantwortung einiger weiterer strategischer und operativer Fragen voraus. Eine Vertiefung hebe ich mir für einen späteren Beitrag auf. Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen. Daneben betreibt er privat das preisgekrönte Finanzblog Blick Log . Sie erreichen ihn per E-Mail unter dirk.elsner(at)innovecs.de. Die letzten Beiträge von Dirk Elsner: SEPA: Feinheiten der Lastschriftverfahren (11. Oktober 2012) SEPA: Aufwand durch Lastschriftmandate (4. Oktober 2012) Basel III: Weitere Billionen in Staatsanleihen (27. September 2012) SEPA: Credit Transfer im Überblick (24. September 2012) SEPA: Rechtliche Grundlagen mit Praxisbezug (17. September 2012) SEPA: Drohung über der Unternehmenswelt (7. September 2012) What You See Is All There Is (27. August 2012) Autor: Dirk Elsner