Artikel zum Thema "Finanzbranche" im IDG-Netzwerk
Fast 1,7 Millionen Treffer spuckt Google aus, wenn man nach Dokumenten-Management sucht. Das heißt allerdings nicht, Dokumenten-Management sei etabliert, wie eine Studie im Auftrag von Ricoh nahelegt. Der Anbieter hat mehrere Branchen befragt, darunter auch die Finanzbranche. Die Unternehmen sollten die Sicherheit ihrer Dokumente einschätzen und mit der Situation des Jahres 2009 vergleichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Wunsch und Wirklichkeit auseinander klaffen. So haben zwar 63 Prozent der Studienteilnehmer Management-Ziele für das Dokumentenrisiko festgelegt, in der Praxis schlägt sich das aber nicht nieder. Denn noch nicht einmal jeder zweite Befragte (47 Prozent) gibt an, die Lage habe sich verglichen mit 2009 verbessert. Mehr als jeder Vierte (26 Prozent) spricht sogar von einer Verschlechterung. Lediglich jeder Dritte erklärt, er könne den Zugang zu den Dokumenten vollständig überprüfen - zwei Drittel können es also nicht. "Das bedeutet, dass die Mehrheit der Finanzdienstleister keine Kontrolle darüber hat, wer möglicherweise auf potenziell vertrauliche Informationen zugreifen kann", kommentieren die Studienautoren. Die Unternehmen der Finanzbranche machen sich wenig Illusionen über ihr Dokumenten-Management. Nur gut jeder vierte Befragte (26 Prozent) nimmt für sich in Anspruch, seine Dokumenten-Prozesse entsprächen den Kundenbedürfnissen. Compliance ist schuld - und die Kunden Carsten Bruhn, Executive Vice President bei Ricoh Europe, hat bei der Ursachenforschung zwei Schuldige ausgemacht: Compliance und Kunden. "Im Finanzdienstleistungssektor kollidieren die beiden Welten der digitalen Dokumente und Unterlagen in Papierform möglicherweise noch stärker als in anderen Branchen, da die veränderte Gesetzgebung und die veränderten Gewohnheiten der Kunden die Unternehmen zwingen, ihren Umgang mit sensiblen Informationen rasch zu überdenken", sagt er. Es handele sich um "eine der am stärksten regulierten Branchen". Ein ähnliches Bild von der Finanzbranche malte Ende vorigen Jahres eine Umfrage im Auftrag von Capco. Deren Thema war Datensicherheit. Mehr als jeder dritte Entscheider in einer Bank konnte nicht genau sagen, wer in seinem Institut welche Datenhoheit besitzt. Gut jeder Fünfte erklärte, seine Bank berechne Kosten für Datenqualität nicht.
Es erscheint verblüffend, wie konsequent die Finanzbranche nach Einbruch der Krise auf den starken Arm des Staates hofft und das eigene Handeln in der Vergangenheit hinterfragt. Auch eine Umfrage zum Spezialthema Datenqualität , durchgeführt von Pierre Audoin Consultants ( PAC) im Auftrag des Lösungs-Anbieters DataFlux, fügt sich in dieses Bild. Man hätte annehmen können, dass die Befragten aus der Banken- und Versicherungswirtschaft staatliche Gängelung scheuen und über Regularien schimpfen. Weit gefehlt: 91 Prozent sprechen sich beispielsweise für neue Richtlinien aus, um die Auswertung, Verwaltung und Wiedergabe von Daten nach branchenüblichen Standards zu garantieren. Bei den bereits geltenden gesetzlichen Vorgaben sehnen sich die Befragten mehrheitlich nach einer konsequenten Durchsetzung dieser Regeln. 52 Prozent nennen dies als den entscheidenden Faktor dafür, dass die Branche von den Richtlinien auch profitiert. Nur 28 Prozent sind der Überzeugung, die Verantwortung liege nicht beim Staat, sondern bei den Unternehmen. 95 Prozent sehen in den Daten einen strategischen Vermögenswert Dass die Regeln beim Datenmanagement einen schwer zu durchdringenden Wust bilden, stört die Branche offenbar nicht. Abermals überraschend spricht sich nur ein verschwindend geringer Anteil von 3 Prozent mit hoher Priorität dafür aus, das derzeitige fragmentierte Regelwerk durch ein allgemein gültiges System zu ersetzen – obwohl ja das Navigieren in einem Meer von Regeln erheblichen Aufwand verlangt. Ein knappes Drittel gesteht ein, dass mangelnde Aufmerksamkeit oder fehlende Kontrolle der Daten einen Beitrag zur Finanzkrise geleistet oder sogar eine wesentliche Rolle gespielt hat. Man kann das durchaus für einen Wert halten, der von nicht selbstverständlicher Selbstkritik auch auf diesem Gebiet zeugt. PAC kommt da allerdings, den internationalen Vergleich im Blick, zu einem anderen Ergebnis. „Es zeigt sich deutlich, dass deutsche Banken und Versicherungen zufrieden sind mit ihrem bisherigen Datenmanagement", heißt es in der Trendanalyse. Offenkundig ist jedenfalls, dass sich in der Umfrage ein geringerer Nachholbedarf offenbart als in anderen Erhebungen. Selbstredend ist die Branche stärker auf das Sauberhalten von Daten geeicht als andere. Entsprechend betrachten 95 Prozent der Befragten ihre Daten als strategischen Vermögenswert. Die Datenqualität erscheint ebenso vielen Unternehmen extrem wichtig, um eine erfolgreiche Compliance sicherzustellen. 61 Prozent nennen Compliance auch als den entscheidenden Grund für Investitionen in die Datenqualität. Ein Data Governance-Projekt haben 90 Prozent bereits implementiert, 5 Prozent sind augenblicklich gerade dabei. Nur vier Prozent haben speziellen Datenbeauftragten Schaut man genauer auf die Herangehensweisen beim Management der Datenqualität , ergibt sich ein disparates Bild. Zu fast gleichen Teilen managen die Unternehmen ihre Daten auf strategischer Unternehmensebene, über mehrere Business Units hinweg, in den einzelnen Fachbereichen oder auf Anwenderebene. Ebenso groß ist die Vielfalt der eingesetzten Tools. Jeweils etwa 30 Prozent setzen auf Data Profiling, das sich mit der Überprüfung auf Fehler und Redundanzen beschäftigt, und auf Data Quality, wozu generelles Korrigieren, Standardisieren und Verifizieren von Daten zählt. 18 Prozent nutzen Enterprise Content Management (ECM) , 17 Prozent Data Integration. Während etwa zwei Fünftel auf eine Kombination aus Lösungen verschiedener Anbieter setzen, vertrauen 59 Prozent integrierten Suiten. Verantwortlich für die Pflege der Datenqualität ist in der Hälfte der Firmen die IT-Abteilung. Jeweils ein Fünftel betraut entweder eine zentrale Informationsabteilung mit dieser Aufgabe oder die Anwender, die täglich mit den Daten zu tun haben. Ein spezieller Datenbeauftragter ist nur bei 4 Prozent der Firmen im Einsatz. Banken und Versicherungen erscheinen in Sachen Datenqualität naturgemäß reifer als andere Branchen. Umso bemerkenswerter, dass sich das Konzept eines Datenbeauftragten in den Unternehmen noch kaum durchgesetzt hat – und sogar sieben Prozent der befragten Unternehmen ohne spezielle Zuständigkeit für die Daten auszukommen meinen. Einen Königsweg in Sachen Tools haben die Finanzunternehmen offenbar noch nicht gefunden. Im Einsatz sind die verschiedensten Anwendungen, mit einem leichten Übergewicht für Data Profiling und Data Quality. Autor: Werner Kurzlechner