Artikel zum Thema "Media Markt" im IDG-Netzwerk
Bringen wir die Eingangsthese gleich auf den Punkt: Die Bankenbranche steht vor einem gravierenden Umbruch, der die bisher fast ausschließlich provisionsorientierte Vertriebsstruktur in Frage stellt. Soziale Netzwerke wie Facebook & Co. beschleunigen den Wandel. Einerseits verdeutlichen sie den massiven Vertrauensverlust in der Finanzindustrie. Des Weiteren stellen gut informierte Verbraucher im Netz nicht nur das bisherige Geschäftsgebaren in Frage. Die Kunden fordern auch mehr aktive Beteiligung und transparente Produkte. Davon können einerseits „offene“ Banken profitieren. Andererseits stellt sich die Frage nach dem richtigen Weg zur Umsetzung einer konsistenten Social Media -Strategie in der Finanzkommunikation. Der Clou besteht nicht nur in der Frage, in welcher Weise die sozialen Medien in Verbindung mit einer intelligenten Analyse der Geschäftsprozesse dazu beitragen können, die Transparenz und Beteiligung der Crowd s zu befördern. Märkte sind Menschen Mehr noch: Wie lassen sich sowohl Innovationsprozess und Produktgestaltung sinnvoll auf den Kopf stellen? Aber nicht in der grauen Theorie, sondern durch harte und schmerzhafte Erfahrungen in der Praxis. Dazu bedarf es zunächst einer Social Media -Strategie, die sich an „aussagefähige“ Analyse- und Prognosesysteme andockt. Dazu bedarf es intelligenter Voting -Systeme, die Bedarf und Nachfrage der Stakeholder rund um die Uhr erfassen und ausbalancieren. Schließlich könnten die Anleger selbst mitbestimmen, welche Vorhaben finanziert und welche Kredite an wen vergeben werden. Der Plattformbetreiber wird natürlich die Bonität prüfen und auch noch ein Auge darauf haben, welche Vorhaben aussichtsreich sind. Aber das hierarchische Unternehmen rückt in den Hintergrund und lässt stattdessen den Teilhabern mehr Spielraum. In der Praxis ist dieses Vorhaben gleichwohl nicht leicht umzusetzen und keineswegs nicht mit Werkzeugen von der Stange zu lösen. Der Markt wird es aber schon richten. Denn Märkte sind Menschen. Und Menschen führen (offene, manchmal auch konfliktreiche) Gespräche. Transparenz und Selbstbestimmung Zentral in der Vorbereitung von zielgerichteten Aktivitäten in der Finanzkommunikation mit unterschiedlichen Stakeholder sind deshalb die Aspekte Transparenz und Selbstbestimmung , durch die mithilfe von Social Media im Zeitalter der deutlich stärker am Kundenwohl orientierten „Bank 2.0“ die Nutzer selbst bei der Gestaltung von Bankprodukten mitwirken, etwa um die Geldströme produktiv und nah am Puls der realen Wirtschaft zu platzieren. Social Media in einem schlüssigen Kreislauf in der Finanzkommunikation bedeutet dabei, sich unmittelbar auf die vom Anwender erstellten Inhalte einzulassen. Diese Maßgabe gilt nicht nur für Banken, sondern auch für jedes andere klein- und mittelständische Unternehmen – und erst recht für Konzerne. Die Ausgangsfragen: Wem vertrauen die ihr Menschen an, wie wird das Geld gewonnen? Wer vermehrt es mit welchen Mitteln? All dies sind Fragen, die im Netz immer wieder gestellt werden. Mehr Glaubwürdigkeit entsteht erst durch Transparenz und aktive Beteiligung, gerade im Bankwesen. Die Bank nimmt den Kunden ernst und kommuniziert auf Augenhöhe. Social Media ist demzufolge keine Technik, sondern eine permanente Aktion, um die Gespräche zwischen Bank und Kunden auf gleicher Augenhöhe zu unterstützen. Überzeugen statt überreden Starre Hierarchie wird somit durch einen Geist der zwar nicht immer gleichberechtigten, jedoch moderierten Kooperation abgelöst. Märkte sind Gespräche mit offenem Ausgang. Kommunikation, Austausch von Argumenten, Zuhören. Das Motto: Überzeugen statt überreden. Und wenn dies nicht gelingt, dann lässt man den Kunden halt wieder von dannen ziehen. Er ist später vielleicht einmal dankbar für die Freiheit und kehrt zurück, sofern die Grundlage für neues Vertrauen geschaffen wird. Eindeutig ist auch: Wenn die Facebook -Filiale oder die Website in der integrierten Finanzkommunikation am Ende nur aus einer Weiterleitungsfunktion auf die eigenen Webseiten der Bank bestünde, dann hätte der Anwender am Ende dadurch nicht viel gewonnen. Außer, dass er zum Werbevehikel der interaktiven Bankenwirtschaft mutiert. Wichtig ist etwas anderes: Banken und Unternehmen können von den sozialen Netzwerken lernen, wie man auf Augenhöhe der Zeit kommuniziert und sich vernetzt. Die Serie im Überblick: Social Media - Teil 1: Bewegung in der Bankenbranche (4. März 2013) Social Media - Teil 2: Hat der Bankberater immer recht? (11. März 2013) Social Media - Teil 3: Banken auf der Höhe der Zeit (18. März 2013) Social Media - Teil 4: Wertschöpfung dank Social Layer (25. März 2013) Lothar Lochmaier arbeitet als Freier Fach- und Wirtschaftsjournalist in Berlin. Er ist Autor des Buches Die Bank sind wir - erschienen im Heise-Verlag. Lochmaier betreibt zudem das Blog Social Banking 2.0 - der Kunde übernimmt die Regie . Kontakt über lochmaier(at)gmx.de. Weitere Beiträge von Lothar Lochmaier: Social Trading - Teil 1: Soziales Netzwerk ersetzt Provision? (4. Februar 2013) Social Trading - Teil 2: Inwiefern ist eToro wirklich sozial? (11. Februar 2013) Social Trading - Teil 3: Markttrends, Akteure und Strukturen (18. Februar 2013) Social Trading - Teil 4: Wie intelligent ist der Schwarm? (25. Februar 2013) Crowdinvesting - Teil 1: Ein Trend macht Schule (7. Januar 2013) Crowdinvesting - Teil 2: Benchmarks im Vergleich (14. Januar 2013) Crowdinvesting - Teil 3: Die C-Klasse etabliert sich (21. Januar 2013) Crowdinvesting - Teil 4: Durchbruch der magischen Schallmauer (28. Januar 2013) Autor: Lothar Lochmaier